Zeugen Jehovas – das Verbot zu grüßen

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Wird einem getauften Zeugen Jehovas
die Gemeinschaft entzogen oder verlässt er die Gemeinschaft auf eigenen Wunsch, dann dürfen alle anderen Zeugen Jehovas ihn nicht mehr grüßen und keine gemeinsame Mahlzeit mehr mit ihm einnehmen.

Ich erinnere mich an einen Vortrag in der Versammlung Lauenburg zu diesem Thema.
Der Kreisaufseher erklärte, was mit Grüßen gemeint war.

Das scheinen aber heutzutage viele Zeugen gar nicht mehr zu wissen.

Zur Zeit, als die Bibel entstand, gab es weder Telefon noch Internet.
Reisen war gefährlich und so war es üblich, seine Gastfreundschaft
zum Ausdruck zu bringen, indem man einem Gast drei Tagesreisen
entgegen ritt und ihn auch genauso verabschiedete.
Man bewirtete ihn ausgiebig.
Daraus bestand damals das, was man unter grüßen verstand.
Es hatte aber auch gar nichts mit unserem flüchtigen Guten Tag zu tun.

Man erkundigte sich ausgiebig nach der Reise, entfernten Verwandten
und der politischen Lage. Nicht selten wurde dazu eine Kuh geschlachtet
und zubereitet. Verwandte und Freunde wurden eingeladen.
Man feierte ein regelrechtes Fest. So gehörte es sich zu biblischen Zeiten.

Der Vortrags-Redner fuhr fort, mit der Aufforderung einen ausgeschlossenen nicht zu Grüßen, sei nicht etwa Unhöflichkeit gemeint, also das übliche „Guten Tag“ zu verweigern, sondern eben jene Gemeinschaft, die man bei einem gemeinsamen Essen pflegt.
Der tiefere Sinn des Nicht-Grüßens sei eben, dem anderen zu verdeutlichen, dass
ein Verhalten Jehova missfällt und er umkehren möge.

Zeugen leben ja in einer Gemeinschaft mit vielen anderen Menschen.
Dazu gehören immer häufiger Ausgeschlossene, auch am Arbeitsplatz und im Geschäftsleben. Sie nicht zu grüßen in dem Sinne den üblichen Gruß nicht zu erwidern, würde ja eher ein schlechtes Licht auf die Versammlung werfen.
Niemand soll Zeugen Jehovas nachsagen können, sie wären etwa unhöfliche Menschen oder hätten keine Manieren.

Wir mögen bitte stets im Sinn behalten, das
mit dem Verbot nicht zu grüßen immer nur das Grüßen in biblischen Sinn gemeint sei.

Was mich veranlasst gerade heute darüber zu schreiben ?

Ich habe gerade erfahren, dass eine Zeugin Jehovas
vor einer Aussteigerin ausgespuckt hat und ihr gewünscht hat, sie möge verrecken.
Die hat sich wahrscheinlich von neuem Licht leiten lassen …

Margit Ricarda Rolf
.   – Sekten-Ausstieg –

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Über Ricarda

Ich war 15 jahre lang eine Zeugin Jehovas und helfe seit 2004 Zeugen Jehovas beim Ausstieg und der Verarbeitung ihrer Sektenzugehörigkeit. Daneben beantworte ich gern alle Fragen rund um die zeugen jehovas, helfe Menschen, die sich von Zeugen Jehovas belästigt fühlen und solchen Personen, deren Angehörige bei den Zeugen sind oder Gefahr laufen in die Sekte zu geraten.
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5 Kommentare zu Zeugen Jehovas – das Verbot zu grüßen

  1. Karl-Peter sagt:

    von Ricarda:
    Ich habe gerade erfahren, dass eine Zeugin Jehovas
    vor einer Aussteigerin ausgespuckt hat und ihr gewünscht hat, sie möge verrecken.
    Die hat sich wahrscheinlich von neuem Licht leiten lassen …

    KP: Was ist mit dem Glauben an die kommende „Heile Welt“?
    Wie will eine (diese) Zeugin in der „Heilen Welt“ leben,
    ohne IHR EIGENES ZUTUN ?
    Wo bleibt die Eigen-Verantwortlichkeit eines jeden Einzelnen ?

    Ist es nicht vielmehr so, dass wir bereits HEUTE, also JETZT
    diese „Heile WELT“ (er)leben könnten, wenn jeder bei SICH SELBST
    anfängt – … und mit der Welt so umgehen würde, wie er möchte,
    das die Welt mit ihm umgehen soll.

    Wir erwarten immer, das JEMAND (Vater, Mutter, Gott, Jesus …) kommt
    und UNS an die Hand nimmt.
    Ist es nicht vielmehr so, und der Lösung viel näher,
    wenn WiR die Welt SELBST an die Hand nehmen und sie heil führen ?

    ICH, Karl-Peter, tue es nicht nur – ICH LEBE ES !
    Wie, lieber Leser, steht ES mit DiR ?

    • Ricarda sagt:

      Ja, du bist wirklich ein durch und durch lieber Mensch. Du trägst ja sogar Spinnen, Fliegen und Ameisen lebend raus, weil du nicht im nächsten Leben als Ameise gequält werden möchtest.

      http://www.amazon.de/Mieses-Karma-David-Safier/dp/3463405083

      • Karl-Peter sagt:

        Dann liebe Ricarda, wäre ja auch MEIN GLAUBE
        auf Angst aufgebaut: Wenn DU nicht, dann … !
        Aber genau das ist es ja nicht.

        ICH LIEBE und LEBE in einer Freiwilligkeit.
        ICH lasse erstmal JEDEN so wie er ist und
        ICH missioniere nicht.

        Wenn ich aber etwas kaputtes sehe, sorge ich dafür,
        dass es wieder heil wird. Ich biete an, aber lasse JEDEN und ALLES in seiner eigenen Freiheit und Verantwortlichkeit.

        So trage ich die Spinne oder Ameise in IHRE Welt zurück
        und sorge so für ihr heil. Das mache ich mit meinen Mitmenschen und das mache ich auch so mit MIR !

  2. Ricarda sagt:

    Der letzte Satz gefällt mir besonders gut.

  3. Pingback: Die Freiheit NEIN zu sagen | Radikation

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