Sexuelle Misshandlung von Kindern

S. 60 Abs. 10 Hütet die Herde Gottes
„Dazu zählen z. B. das Streicheln der Brüste, eindeutig unsittliche Angebote, das Betrachten pornografischen Materials zusammen mit einem Kind, Voyeurismus und unsittliche Entblößung“

S. 132 Abs. 19 ff
„Niemals sollte ein Ältester dazu anregen, Kindesmissbrauch nicht bei der Polizeit oder einer anderen Behörde anzuzeigen.“ (Fettdruck nicht von mir!) … in keinem Fall mit Maßnahemn seitens der Versammlung zu rechnen ist. Der Betroffene ist absolut berechtigt, die Angelegenheit anzuzeigen, wenn er das möchte.“

Auch hier „helleres Licht“.

Am 28.06.2010 schrieb mir das Bundesminsiterium für Justiz:
„Sie sagten während des Telefonats, dass Missbrauchsopfer bei den Zeugen Jehovas nicht über das ihnen Angetane sprechen dürfen, und dass, um einer Missachtung des Verbots und einer daraus resultierenden Strafanzeige entgegenzuwirken, massiv auf die Opfer und deren Angehörige eingewirkt werde. Es ist unvorstellbar, welch eine Qual es für die Opfer darstellen muss, zunächst sexuelle Gewalt im familiären Umfeld erleben zu müssen und anschließend aus Angst, aus eben jenem Umfeld ausgeschlossen zu werden, nicht über das Erlebte sprechen zu können.“

21 „Was ist, wenn ein Bruder die Versammlung wechselt, der einen Kindesmissbrauch bestreitet, für den es nur einen Zeugen gibt?“

An der Zwei-Zeugen-Regel wird also festgehalten.

Zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Kindes werden zahreiche Fragen aufgeworfen, z. B: „In welchem Ruf stehen seine Eltern?“

Der Druck der Öffentlichkeit scheint so groß geworden zu sein, vor dem Hintergrund des Anerkennungsverfahrens als Körperschaft des Öffentlichen Rechts, dass das Gebt-acht-Buch komplett überarbeitet werden mußte.

Missetaten die Jahre zurückliegen S. 74 Abs. 43 ff
Es werden interessante Fragen aufgeworfen, um zu klären, ob ein Fall vor das Rechtskomitee muss:

„Wie weit ist die Angelegenheit bekannt geworden? – Gibt es Hinweise darauf, dass der Betreffende in geistiger Hinsicht vorangekommen ist, was beweisen würde, dass sein Fortschritt nicht behindert worden ist?…Würde die Ältestenschaft durch die Entscheidung in der Versammlung den Respekt verlieren?“

Auch hier also wieder mehr der gute Ruf der Versammlung als das Schicksal der Opfer!

Kindesmissbrauch ist ein Offizialdelikt, kein Antragsdelikt. Diesen Fall und etliche andere habe ich der Staatsanwaltschaft Koblenz übersandt. Die Unterlagen erhielt ich kommentarlos zurück. Beim Familienministerium erklärte man mir, man könne nichts tun, wenn die Betroffenen nicht selbst aktiv würden in Form einer Anzeige. Das mag auf Antragsdelikte zutreffen, nicht jedoch auf Offizialdelikte.

Mit dieser bundesweiten Anlaufstelle arbeiten wir eng zusammen:
http://www.sprechen-hilft.de/kampagne.html

Wir sind jedoch noch nicht so weit, dass auch die Altfälle von Amts wegen aufgerollt werden und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden oder die Zeugen Jehovas für die Altfälle Schadensersatz leisten müssen. An diesem Thema arbeiten wir aber.

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Über Ricarda

Ich war 15 jahre lang eine Zeugin Jehovas und helfe seit 2004 Zeugen Jehovas beim Ausstieg und der Verarbeitung ihrer Sektenzugehörigkeit. Daneben beantworte ich gern alle Fragen rund um die zeugen jehovas, helfe Menschen, die sich von Zeugen Jehovas belästigt fühlen und solchen Personen, deren Angehörige bei den Zeugen sind oder Gefahr laufen in die Sekte zu geraten.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Gemeinschaftsentzug, Kindheit, Sektenausstieg, Zeugen Jehovas abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Kommentare zu Sexuelle Misshandlung von Kindern

  1. HOLGER KLEIN sagt:

    Als seid 37 Jahren getaufter ZEUGE JEHOVAS,der seid ca 3 Jahren untätig ist,kann ich das was Ihr schreibt sehr gut nachvollziehen.Durch extrem schlimme Dinge,die innerhalb der Vers. in der ich als Ältester diente,vorgekommen sind,war das Mass bei mir Voll.Ich musste die Sache von Grund auf,neu Überdenken.

    L.G. HOLGER KLEIN

    • LOREDANA sagt:

      Ich wurde mit 4 oder 5 Jahren Missbraucht

      Heute nach 30 Jahren kam es raus aber niemand hat das gefühl mir helfen zu müssen.
      Am liebsten ruhig sein und die Religion nicht beschmutzten,,, tooll und wie geht es mir und den anderen 20 OPfer??

  2. Dieter Hornemann sagt:

    Danke! Bleibt dran! Ich bin nach wie vor perplex.

  3. Thomas Kutschera sagt:

    Auch ich war Ältester in meiner Versammlung (HH-Ost)bevor ich vor 4 Jahren aus dem geistigen Paradies aufwachte.Natürlich wurde man nicht sanft geweckt und langsam mit den wahren Companyruls bekannt es war mehr ein aufwachen mit dem dringenden Wunsch so schnell wie möglich wieder weiter zu träumen!!!! Das geht einigermassen solange es einen nur selbst betrifft.
    Wenn man aber langsam zum Täter antizipiert wird muss man schnellstmöglich eine Entscheidung treffen.Mein Erlebnis war eigentlich geringfügiger Natur ,wie die Meisten annehmen werden.

    Besuchswoche des Kreisaufsehers (Günter Malpol einer der wiederlichsten Charaktere denen ich in meiner Zeit (35 Jahre aktiv)begegnen musste, plus des Bezirksaufseher (Rainer Hinz dem es scheinbar solange er „strahlen“ konnte egal war wie es Opfern (in seiner Sprache „Schwachen“ erging.In dieser Besprechung mit den restlichen Ältesten meiner Versammlung wurde uns nebenbei eine veränderte Richtlinie bei der behandlung von Kindesmissbrauchsfällen an die Hand gegeben die mir beim ersten Hören max. unbehaglich war:
    Nebenbei wurde erwähnt das wir im einem solchen Falle nicht mehr das Recht haben (man nennt es „Empfehlung“ in der ZJ-Sprache)von uns aus aktiv auf staatliche Behörden (Polizei,Staatsanwaltschaft,Anwälte etc) zuzugehen sondern das uns klar gesagt wurde in einem solchen Fall müssten wir ZUERST dei „Gesellschaft in Selters informieren!!!
    Auf meine wiederholten und klar formulierten Fragen :Welche VERÄNDERTEN Obtionen uns danach zur Verfügung stehen würden wurde zuerst mit Gleichgültigkeit („Das wirßt Du dann schon sehen……vertraue doch einfach….etc) reagiert.
    Da ich mich aber immer weitergebildet hatte (Was immer ungern und mit Argwohn gesehen wurde) ,gerade im Bereich Sexualphsychologie, wurde mir schnell klar das man hier antizipiert werden sollte (Die linie dünn wie ein Bleistifftstrich und nicht hoch wie eine Mauer) als ich nicht aufhörte zu Fragen (damals glaubte ich noch das, das von der Gesellschaft nur nicht richtig verstanden wurde,wie naiv) wurden die Antworten harscher und autoritärer (suuuuuper Methode bei einem denken Menschen).
    3 Monate später war ich bereit mir die Antwort selbst zu suchen, legte mir eine Internetverbindung …..
    2 Stichworte bei Google langten aus um mir die Augen zu öffnen.Der weitere Gang der Dinge ließ sich nicht mehr aufhalten schließlich war ich HIRTE und kein APARATSCHIK.
    Thomas Kutschera
    wenn ich helfen kann meldet euch es gibt noch so viel und so viele

  4. Ricarda sagt:

    Hallo Thomas,

    du kannst ganz sicher helfen. Nur, wenn ehemalige Älteste den Mut haben an die Öffentlichkeit zu gehen, Namen und Fakten nennen, haben die einfachen Brüder, Schwestern und Kinder und Jugendliche die Chance glaubwürdig zu sein.

    Seitdem die Zeugen Jehovas den Status einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts anstreben, sind die Ältesten und alle anderen Amtsinhaber Personen des Öffentlichen Lebens und müssen damit umgehen lernen, dass man über sie genauso in den Medien – und dazu gehört das Internet – berichten darf, wie über den Papst oder einen Politiker.

    Ich möchte mich gern mit dir treffen. Ich zeige dir dann auch gern den bisherigen Schriftwechsel mit den Ministerien und der Staatsanwaltschaft Koblenz.

    Immer häufiger tragen Älteste die neue Richtung der Zeugen Jehovas nicht mehr mit. Der Ausstieg ist dann immer noch ein weiter Weg. Die Verarbeitung der Manipulation noch einmal ein ganz anderer. Laß uns gern telefonieren: 040/219 83 289

  5. Dieter Hornemann sagt:

    Hallo Ricarda,

    gerade habe ich eine Idee, wie den Zeugen Jehovas das Predigen ein für alle Male abgewöhnt werden könnte. Man könnte für 5 bis 20 Cent Flyer über Silentlambs an alle Leute verkaufen, die sich durch die Zeugen belästigt fühlen. Wenn die Zeugen die Leute dann aufsuchen oder ansprechen, können sie alle die Zeugen auf dieses Thema ansprechen und den Flyer dabei zur Hilfe nehmen.

    Liebe Grüße von Dieter Hornemann

  6. Ricarda sagt:

    Hallo Dieter,

    du hast manchhmal entzückende Ideen.

    Natürlich könnte man das tun. Es gibt Wohnungsinhaber, die wurden schon seit Jahren nicht mehr aufgesucht. Glaubst du, die Menschen haben nichts Besseres in ihrem Leben zu tun, als sich einen Flyer neben die Tür zu legen, weil vielleicht in 5 Jahren mal ein Zeuge vorbei schaut?

    Wir haben Flyer und können auch noch andere Dinge produzieren, aber dann zum downlouden – kostenlos – damit sich jeder, der Bedarf hat, was er braucht schnell aus dem Internet besorgen kann. Ein Zeuge Jehovas ist so geschult, dass er solch einen Flyer nicht annehmen würde.

    Aber trotzdem vielen Dank für diese nette Idee. Ich freue mich immer wieder von dir zu hören.

  7. Dieter Hornemann sagt:

    Hallo Ricarda,
    meine vorerst letzte Frage zum „Themenkomplex Silentlambs“:
    Könntest Du Dir vorstellen, dass die Zeugen Jehovas ihre Sextäter fallen lassen wie „heiße Kartoffeln“, wenn sie diese Problematik nicht mehr verheimlichen und beschönigen können und der öffentliche Pranger und die Blamage ihrer Heuchelei übermächtig und unerträglich werden? Die Zeugen haben ja schon viele Richtungsänderungen hinter sich.
    Liebe Grüße
    Dieter

  8. Ricarda sagt:

    Sogar Jepsen musste ihren Hut nehmen, als bekannt wurde, dass sie auf Hinweise nicht reagiert hat. Ich denke, wenn die Fälle vernünftig dokumentiert würden und entsprechend vorgelegt würden, dann müsste auch Kelsey seinen Hut nehmen und mit ihm wohl noch ein paar andere.

    Es stellt sich auch nicht die Frage, ob die Fälle beweisbar sind (das sind sie!), sondern wer bereit ist sich die Zeit und Mühe zu machen sie in eine juristisch und politisch verwertbare Form zu bringen. Kein Anwalt wird das umsonst machen. Dazu bräuchte es einen Fonds, einen Anwalt, der sich bereit erklärt und was davon versteht und Betroffene, die bereit wären den weiten Weg zu gehen, alles noch einmal durchzumachen, usw. Dokumantation will gelernt sein. Das ist nichts für Laien. Bisher habe ich niemanden, der sich dazu bereit erklärt hat.

    Vielleicht finden wir einen Studenten, der darüber seinen Abschluss machen möchte, oder einen Doktoranten. Dann hätten wir eine gute Chance.

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