Jakobs Traum – die Himmelsleiter

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Als ich noch Zeugin Jehovas war, habe ich mir Fragen gestellt, über die ich mit Glaubensbrüdern nicht sprechen konnte, und wenn, hatte ich genau zu überlegen, mit wem ich über was sprach.

Ein falsches Wort und ich durfte sicher sein, dass das Dienstkommitee uns einen Besuch abstattete.

Eine Frage, die mich lange beschäftigt hat, war Jakobs Traum.
(Ich setze voraus, dass der Leser mit dem Bibeltext vertraut ist).

Jakob ringt mit Gott, erblickt eine Leiter und erhält die einzige Einsicht in himmlisches Geschehen, denn er darf sehen, wie die Engel an der Himmelsleiter rauf und runter klettern. Als Belohnung ändert er seinen Namen in Israel.

Eine merkwürdige Geschichte !

Ich habe mich, bevor ich Zeugin Jehovas wurde viele Jahre mit Traumanalysen beschäftigt.  – Freud und Jung sind mir wohlbekannt und zuletzt stellt sich die Frage,
wie dieser Traum in die Thora gelangt ist.  – Was bezweckten die Autoren ?

Wir wissen heute aus der Traumforschung, dass alle Menschen träumen.
Wir lernen nachts im Schlaf durch unsere Träume.
So hat jeder Traum zunächst eine sehr persönliche Bedeutung
und ist für Dritte höchstens unterhaltsam.
Allgemein gültige Traumdeutung gehören eher ins Reich der Scharlatanerie.

Jakobs Kampf mit Gott würde ich eher im Bereich Alptraum einordnen.
Dagegen würde man heute vielleicht ein Baldrian/Hopfen-Präparat empfehlen.
Dann gibt sich so etwas.

Aber wozu eine Himmelsleiter, an der die geflügelten Wesen auf und ab klettern? Richtig. Auch dem Abraham erschienen die Engel ja gar nicht mit Flügeln und von Licht umströmt, sondern als ganz normale Nomaden, denen er ein fürstliches Essen bereitete. Zur Zeit des Jakob waren Flügel offensichtlich noch nicht „in“.
Leitern gab es wohl auch damals schon.  –  Die Szene erinnert mich immer an die Bohne,
die in den Himmel wuchs aus dem Märchen.

Ein Jakob des 21. Jahrhunderts hätte mit Gott wahrscheinlich nicht über Engel auf einer Leiter kommunizieren müssen.  –  Er würde versuchen, ihn über sein Smartphone zu erreichen und müsste womöglich feststellen, dass er die Zugangsdaten vergessen hat. Danach würde er schweißgebadet aufwachen.

Träume spielten bei den alten Orientalen eine bedeutende Rolle.
Man schenkte ihnen große Aufmerksamkeit und meinte,
sie wären Botschaften von Gott.
Wir wissen heute, dass Träume ganz andere Aufgaben haben.

Es macht sicher Sinn, sich die eine oder andere Bibelpassage
mit Abstand zur Zeugen-Lehre anzusehen.

Theologen aller Couleur mögen in Jakobs Traum allerlei hinein deuten.
Uns hilft heute der gesunde Menschenverstand, derlei Weisheit zu hinterfragen.

Margit Ricarda Rolf
– Zeugen Jehovas Ausstieg –

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Über Ricarda

Ich war 15 jahre lang eine Zeugin Jehovas und helfe seit 2004 Zeugen Jehovas beim Ausstieg und der Verarbeitung ihrer Sektenzugehörigkeit. Daneben beantworte ich gern alle Fragen rund um die zeugen jehovas, helfe Menschen, die sich von Zeugen Jehovas belästigt fühlen und solchen Personen, deren Angehörige bei den Zeugen sind oder Gefahr laufen in die Sekte zu geraten.
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