Die Stellung der Verkündiger

Als die Zeugen Jehovas in Deutschland noch Vereine waren, erklärte die Wachtturmgesellschaft,
jeder Verkündiger würde als Privatperson
von Haus zu Haus gehen.

Gefühlt war diese Aussage noch nie richtig,
denn wer nicht von Haus zu Haus ging und
keinen Predigtdienst-Bericht abgab, galt schon
immer als untätig und bekam Besuch vom Dienstkommitee, das ihn ermunterte,
. mehr zu tun,  nämlich sein Äußerstes.

Nachdem die Zeugen Jehovas in Deutschland den Körperschaftsstatus erhalten haben,
hat sich auch die Rechtsprechung geändert.
Die Wachtturm-Gesellschaft hat zwar immer noch nicht verstanden, dass
sie damit den Großkirchen gleichgestellt sind – mit allen Rechten und Pflichten –
und damit Teil Babylons der Großen geworden sind, glaubt aber tatsächlich
quasi alles beim Alten lassen zu können.
Dieser Zahn wurde ihr nun mehrfach gezogen.

Das zeigte sich zunächst, dass Schreiben der Wachtturm-Gesellschaft
nicht mehr „Eure Brüder usw.“ unterschrieben werden durften, sondern
der einzelne Amtsträger zu unterschreiben hatte, und zwar mit seinem Real-Namen.
Das waren zuerst Rudtke und Kelsey.
Inzwischen haben sie sich daran wohl gewöhnt.

Der nächste Schritt wurde vollzogen, als sowohl in Presseberichten,
als auch in Gerichtsverfahren argumentiert wurde, die Ältesten und
Dienstamtsgehilfen entsprächen den Pastoren und Diakonen der Amtskirchen.
Um diese Frage geht es übrigens auch im Prozess in Hamburg in der Pressekammer
bei Richterin Käfer in Sachen Zeugen Jehovas KdÖR ./. Rowoldt-Verlag.
Hier geht es um die Frage,
ob die Ausbildung der Ältesten mit einem Theologiestudium vergleichbar ist.
Für mich ist die Antwort eindeutig „NEIN“ !
Aber bei Richterin Käfer weiß man nie…

Im letzen Prozess um den Datenschutz ging es um die Frage,
ob und inwieweit Verkündiger sich Notizen machen dürfen
über Wohnungsinhaber, deren Daten und worüber gesprochen wurde.
Das ist insofern von Bedeutung, weil das Gericht einen Verstoß gegen Datenschutzrichtlinien sah, wenn die Daten an Dritte weiter gegeben werden.
Besonders weil früher die Haus-zu-Haus-Notizen von den Versammlungen
in vorgedruckter Form zur Verfügung gestellt hatten, sah das Gericht
die Aufzeichnungen nicht als Privat-Aufzeichnungen an, sondern als Amtshandlung. Damit hebt sich die Verkündigung der guten Botschaft aus dem Privaten heraus.

Unzweifelhaft sieht die WTG das Verkündigungswerk als biblischen Auftrag an,
und es gehört damit zur Religionsausübung.

Jetzt gehe ich aber noch einen Schritt weiter !

Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir einst getröstet wurden vom Kreisaufseher,
wir sollten nicht traurig sein, wenn die Menschen nicht auf uns hören.
Nicht wir würden abgelehnt, sondern Christus !, wenn wir an die Türen
bei den Menschen gehen, dann bringen wir keine Privat-Botschaft.
Wir stehen an den Türen an Christi statt – in seinem Namen,
sind also in diesem Sinne seine Stellvertreter.
Was für eine Aussage !

Wir sollten unsere Schuhe gegen jenes Haus abstreifen,
unseren Frieden mitnehmen und zum nächsten Haus gehen.

Jetzt waren wir also nicht mehr nur einfache Verkündiger der guten Botschaft,
sondern Stellvertreter Christi.  –  Was für ein erhabenes Gefühl.

Moment mal.

Stellvertreter Chrsti ?  –  Stellvertreter Christi ?   –  Da war doch was…
Richtig:   Der Papst.

Jetzt wissen wir endlich, welche Stellung der Verkündiger hat.
Er ist Papst!

Wenn der Verkündiger Papst ist, was ist dann der Älteste ?
Ich glaube, es wird noch eine Weile dauern, bis sich das Amtspersonal
der Zeugen Jehovas KdÖR sortiert hat.

Für uns ist klar:
Ein Zeuge Jehovas, der predigt, ist eine Amtsperson der KdÖR.
Deshalb nehmen wir uns die Freiheit diese Menschen beim Namen zu nennen,
wie wir es mit jedem Pastor auch tun würden.
Nach unserem Verständnis müssten die Ansprechpartner der Ortsversammlungen
auch namentlich in Telefonbüchern stehen.
Aber das lernt die neue KdÖR sicher noch.

Ach ja..  und ein Zeuge Jehovas, der sich nicht anständig benimmt,
darf natürlich auch mit Namen genannt werden, besonders, wenn er unerwünscht predigt. Auch im Internet.
Die KdÖR muss sich jedes Fehlverhalten eines ihrer Amtspersonen anrechnen lassen.
Weg ducken geht nicht mehr !

Abtrünniger

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Über Ricarda

Ich war 15 jahre lang eine Zeugin Jehovas und helfe seit 2004 Zeugen Jehovas beim Ausstieg und der Verarbeitung ihrer Sektenzugehörigkeit. Daneben beantworte ich gern alle Fragen rund um die zeugen jehovas, helfe Menschen, die sich von Zeugen Jehovas belästigt fühlen und solchen Personen, deren Angehörige bei den Zeugen sind oder Gefahr laufen in die Sekte zu geraten.
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