{"id":337,"date":"2011-05-25T07:07:04","date_gmt":"2011-05-25T06:07:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/?p=337"},"modified":"2011-05-25T07:07:04","modified_gmt":"2011-05-25T06:07:04","slug":"bericht-und-antrag-des-rechtsausschusses","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/allgemein\/bericht-und-antrag-des-rechtsausschusses.html","title":{"rendered":"Bericht und Antrag des Rechtsausschusses"},"content":{"rendered":"<p>\u2014 1 \u2014<br \/>\nBREMISCHE B&#220;RGERSCHAFT<br \/>\nLandtag<br \/>\n17. Wahlperiode<br \/>\nDrucksache 17 \/ 1753<br \/>\n(zu Drs. 17\/819 und 17\/913)<br \/>\n20. 04. 11<br \/>\nBericht und Antrag des Rechtsausschusses<br \/>\nGesetz &#252;ber die Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts an<br \/>\nJehovas Zeugen in Deutschland \u2013 Mitteilung des Senats vom 9. Juni 2009 (Drs.<br \/>\n17\/819)<br \/>\nGesetz &#252;ber die Ver&#228;nderung des Verfahrens hinsichtlich der Anerkennung von Kirchen<br \/>\nund Religionsgemeinschaften sowie Weltanschauungsgemeinschaften als K&#246;rperschaft<br \/>\ndes &#246;ffentlichen Rechts \u2013 Antrag der FDP vom 1. September 2009 (Drs.<br \/>\n17\/913)<br \/>\nA. Bericht<br \/>\nDie B&#252;rgerschaft (Landtag) &#252;berwies in ihrer Sitzung am 1. Oktober 2009 den mit der<br \/>\nMitteilung des Senats vom 9. Juni 2009 (Drucksache 17\/819) vorgelegten Gesetzentwurf<br \/>\n&#252;ber die Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts an Jehovas<br \/>\nZeugen in Deutschland nach Unterbrechung der ersten Lesung an den Rechtsausschuss<br \/>\nzur weiteren Beratung und Berichterstattung.<br \/>\nZur Begr&#252;ndung des mit der Mitteilung des Senats vom 9. Juni 2009 vorgelegten Gesetzentwurfs<br \/>\nzur Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts an<br \/>\nJehovas Zeugen in Deutschland f&#252;hrt der Senat in seiner Mitteilung im Einzelnen<br \/>\naus, die Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland habe beantragt, ihr<br \/>\nauch f&#252;r den Bereich der Freien Hansestadt Bremen die Rechte einer K&#246;rperschaft<br \/>\ndes &#246;ffentlichen Rechts zu verleihen. Gem&#228;&#223; Artikel 140 Grundgesetz, Artikel 137<br \/>\nAbsatz 5 Satz 2 der Deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Religionsgemeinschaften<br \/>\nauf Antrag diese Rechte zu verleihen, wenn sie durch ihre Verfassung<br \/>\nund die Zahl der Mitglieder die Gew&#228;hr der Dauer bieten. Nach Artikel 61 Absatz 2<br \/>\nLandesverfassung der Freien Hansestadt Bremen erfolgt die Verleihung dieser Rechtsstellung<br \/>\ndurch Gesetz. Die Verfassungsvorschrift lautet: \u201eAnderen Religions- oder<br \/>\nWeltanschauungsgemeinschaften kann durch Gesetz die gleiche Rechtsstellung verliehen<br \/>\nwerden, wenn sie durch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die Gew&#228;hr<br \/>\nder Dauer bieten.\u201c<br \/>\nDie Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland mit Sitz in Berlin erhielt<br \/>\nam 13. Juni 2006 nach langj&#228;hrigen Verwaltungs- und Gerichtsverfahren, die bis<br \/>\nzum Bundesverfassungsgericht f&#252;hrten, durch das f&#252;r die Verleihung zust&#228;ndige<br \/>\nLand Berlin den Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts aufgrund eines<br \/>\nzuvor ergangenen Urteils des Oberverwaltungsgerichts Berlin, das sich im Wesentlichen<br \/>\nmit folgenden Fragen auseinandersetzte:<br \/>\n1. Unterlaufen die Jehovas Zeugen den staatlichen Schutz Minderj&#228;hriger im Falle<br \/>\nder Zustimmungsverweigerung der Eltern zu lebenserhaltenden Bluttransfusionen?<br \/>\n2. Wirken die Jehovas Zeugen im Falle des Austritts oder Ausschlusses eines Mitglieds<br \/>\naktiv auf die Trennung von Ehepartnern oder Familien hin?<br \/>\n3. Gef&#228;hrden die Jehovas Zeugen durch f&#252;r ihre Mitglieder verbindliche Erziehungsvorgaben<br \/>\ndas Kindeswohl?<br \/>\nDiese Fragen wurden durch das Oberverwaltungsgericht Berlin in seiner Entscheidung<br \/>\nim Ergebnis verneint. Unmittelbar nach der durch das Land Berlin erfolgten sogenannten<br \/>\nErstverleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts beantragte<br \/>\ndie Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in allen anderen 15 L&#228;ndern<br \/>\nebenfalls die Verleihung der K&#246;rperschaftsrechte.<br \/>\n\u2014 2 \u2014<br \/>\nIn seiner Begr&#252;ndung f&#252;hrt der Senat aus, dass Jehovas Zeugen eine hinreichende<br \/>\nFinanzausstattung nachgewiesen und die f&#252;r die Gew&#228;hr auf Dauer erforderliche<br \/>\nBestehenszeit von mehr als 30 Jahre habe sowie die Existenz intensiven und aktiven<br \/>\nreligi&#246;sen Lebens erf&#252;lle. Sie &#252;bertreffe die im Land Bremen geforderte Mitgliederzahl<br \/>\nbei Weitem.<br \/>\nZu der vom Bundesverfassungsgericht formulierten Anforderung, dass eine den besonderen<br \/>\nStatus einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts anstrebende Religionsgemeinschaft<br \/>\nGrundrechte Dritter nicht beeintr&#228;chtigen oder gef&#228;hrden d&#252;rfe, wurde<br \/>\nin der Mitteilung des Senats im Einzelnen nicht Stellung genommen.<br \/>\nDes Weiteren unterbrach die B&#252;rgerschaft (Landtag) in ihrer Sitzung am 1. Oktober<br \/>\n2009 die erste Lesung zu dem von der damaligen Fraktion der FDP mit der Drucksache<br \/>\n17\/913 (Neufassung der Drs. 17\/892) eingebrachten Gesetzesantrag &#252;ber die<br \/>\nVer&#228;nderung des Verfahrens hinsichtlich der Anerkennung von Kirchen und Religionsgemeinschaften<br \/>\nsowie Weltanschauungsgemeinschaften als K&#246;rperschaften des<br \/>\n&#246;ffentlichen Rechts und &#252;berwies diesen gleichfalls an den Rechtsausschuss zur weiteren<br \/>\nBeratung und Berichterstattung.<br \/>\nDie damalige Fraktion der FDP verfolgte mit ihrem Antrag vom 1. September 2009<br \/>\neine &#196;nderung von Artikel 61 Satz 2 Landesverfassung durch Streichung der W&#246;rter<br \/>\n\u201edurch Gesetz\u201c und Anf&#252;gung eines Satzes 3 mit dem Wortlaut: \u201eDas N&#228;here regelt<br \/>\ndas Gesetz.\u201c Mit der &#196;nderung der Landesverfassung sollte die Exekutive durch Gesetz<br \/>\nerm&#228;chtigt werden, &#252;ber die Verleihung der K&#246;rperschaftsrechte zu entscheiden.<br \/>\nDes Weiteren verfolgte die damalige Fraktion der FDP mit ihrem Gesetzesantrag<br \/>\neine &#196;nderung des Gesetzes &#252;ber die Erhebung von Steuern durch Kirchen anderer<br \/>\nReligions- und Weltanschauungsgemeinschaften in der Freien Hansestadt Bremen<br \/>\n(Kirchensteuergesetz \u2013 KiStG).<br \/>\nI. Beratungsverfahren des Rechtsausschusses<br \/>\nDer Rechtsausschuss nahm seine Beratungen in seiner Sitzung am 21. Oktober 2009<br \/>\nauf und bat den Senator f&#252;r kirchliche Angelegenheiten um Informationen zu dem<br \/>\ndem Gesetzesantrag vorausgegangenen Verfahren. Hierzu nahm der Senator f&#252;r<br \/>\nkirchliche Angelegenheiten mit Schreiben vom 5. November 2009 im Einzelnen Stellung<br \/>\nund erl&#228;uterte eingangs das in Berlin durchgef&#252;hrte Verfahren. Die Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen bat das Land Berlin im Jahr 1990 um Best&#228;tigung ihrer<br \/>\nRechtsstellung als K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts unter Verweis auf eine Urkunde<br \/>\ndes Ministerrats der DDR vom 14. M&#228;rz 1990 und beantragte hilfsweise eine<br \/>\nVerleihung der K&#246;rperschaftsrechte nach Artikel 140 Grundgesetz, Artikel 137 Absatz<br \/>\n5 Satz 2 Weimarer Verfassung. Nach einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz<br \/>\n&#252;ber die Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\nan Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen vom 12. M&#228;rz 1954<br \/>\nwird empfohlen, vor der Entscheidung im Einzelfall eine Abstimmung mit den anderen<br \/>\nL&#228;ndern des Bundesgebietes vorzunehmen, da die Verleihung in einem Land die<br \/>\nanderen zwar nicht rechtlich binden, tats&#228;chlich aber in ihrer Freiheit einschr&#228;nken<br \/>\nk&#246;nne. In der Folge informierte das Land Berlin die anderen L&#228;nder &#252;ber den Antrag<br \/>\nder Zeugen Jehovas. Der Antrag und das weitere Verfahren \u2013 Ablehnungsbescheid,<br \/>\nWiderspruchs- und Gerichtsverfahren \u2013 waren seit 1992 nahezu regelm&#228;&#223;ig Thema<br \/>\ninnerhalb der Jahrestagung der f&#252;r kirchliche Angelegenheiten zust&#228;ndigen Referentinnen<br \/>\nund Referenten der L&#228;nder. Mit Urteil vom 26. Juni 1997 hob das Bundesverwaltungsgericht<br \/>\ndie Urteile des Verwaltungsgerichts Berlin und des Oberverwaltungsgerichts<br \/>\nBerlin auf, nach denen das Land Berlin zur Verleihung der K&#246;rperschaftsrechte<br \/>\nzun&#228;chst verpflichtet worden war. Die gegen die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts<br \/>\nerhobene Verfassungsbeschwerde der Zeugen Jehovas war erfolgreich.<br \/>\nDas Bundesverfassungsgericht hob mit Urteil vom 19. Dezember 2000 die<br \/>\nEntscheidung des Bundesverwaltungsgerichts auf und verwies das Verfahren an das<br \/>\nBundesverwaltungsgericht zur&#252;ck. Das Bundesverfassungsgericht stellte Aufkl&#228;rungsbedarf<br \/>\n&#252;ber das tats&#228;chliche Verhalten der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen<br \/>\nfest. Letztlich verwies auch das Bundesverwaltungsgericht die Angelegenheit zur<br \/>\nEntscheidung an das Oberverwaltungsgericht Berlin zur&#252;ck.<br \/>\nZur Bearbeitung der konkreten Pr&#252;fauftr&#228;ge bat die Berliner Senatsverwaltung f&#252;r<br \/>\nWissenschaft, Forschung und Kultur alle L&#228;nder um &#220;bermittlung relevanter Sachverhalte<br \/>\nzur Beurteilung der Rechtstreue der Religionsgemeinschaft. Die daraufhin<br \/>\nan die Senatorin f&#252;r Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, das Landesinstitut<br \/>\nf&#252;r Schule, das Amt f&#252;r soziale Dienste (Erziehungsberatungsstelle) und den<br \/>\n\u2014 3 \u2014<br \/>\nMagistrat der Stadt Bremerhaven (Dezernat Jugend und Familie) weitergeleitete Auskunftsbitte<br \/>\nbrachte keine f&#252;r das Gerichtsverfahren relevanten Erkenntnisse. Nach<br \/>\nder Erlangung der Rechtskraft der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin<br \/>\nverlieh der Berliner Senat am 13. Juni 2006 der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen<br \/>\nin Deutschland die Rechte einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts.<br \/>\nZum Verfahren in der Freien Hansestadt Bremen f&#252;hrt der Senator f&#252;r kirchliche<br \/>\nAngelegenheiten aus, dass mit der Verleihung der K&#246;rperschaftsrechte durch das<br \/>\nLand Berlin Jehovas Zeugen im gesamten Bundesgebiet die Rechtsf&#228;higkeit erlangt<br \/>\nhaben. Die dar&#252;ber hinausgehende rechtliche Sonderstellung, insbesondere die Gew&#228;hrung<br \/>\nvon Hoheitsrechten, sei auf das Land Berlin beschr&#228;nkt. Die Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen habe im Juli 2006 einen Antrag auf Verleihung der K&#246;rperschaftsrechte<br \/>\nauch f&#252;r den Bereich der Freien Hansestadt Bremen gestellt. Nahezu<br \/>\nzeitgleich seien gleichlautende Antr&#228;ge in allen anderen L&#228;ndern eingereicht worden.<br \/>\nMit Hilfe der daraufhin durchgef&#252;hrten Abstimmung mit den L&#228;ndern sollte<br \/>\neine Prognose erstellt werden, ob die Religionsgemeinschaft sich rechtstreu verhalte<br \/>\nund keine unter staatlichem Schutz stehenden Grundrechte Dritter beeintr&#228;chtigt<br \/>\noder gef&#228;hrdet werden. Im weiteren Verfahren wurde eine Ressortumfrage durch<br \/>\nden Senator f&#252;r kirchliche Angelegenheiten mit einem umfangreichen Fragenkatalog<br \/>\neingeleitet. Gleichzeitig wurde der Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte der<br \/>\nBremischen Evangelischen Kirche und der Sektenbeauftragte des Katholischen Gemeindeverbandes<br \/>\nbeteiligt. Die Umfrage bei den Senatsressorts und bei den Kirchen<br \/>\nhabe keinerlei Anhaltspunkte daf&#252;r ergeben, dass sich Jehovas Zeugen nicht rechtstreu<br \/>\nverhalten. In den anderen L&#228;ndern habe sich eine vergleichbare Informationslage<br \/>\nergeben. Der von den L&#228;ndervertretern formulierte gemeinsame Abschlussvermerk,<br \/>\nder um die Besonderheiten der L&#228;nder erg&#228;nzt wurde, habe mit dem Ergebnis<br \/>\ngeendet, dass derzeit keine Gr&#252;nde gegen eine Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft<br \/>\ndes &#246;ffentlichen Rechts an Jehovas Zeugen bekannt seien.<br \/>\nIn seiner Sitzung am 11. November 2009 bat der Rechtsausschuss den Senator f&#252;r<br \/>\nkirchliche Angelegenheiten um eine erg&#228;nzende Stellungnahme zu der Frage, ob<br \/>\ndie im April 2007 durchgef&#252;hrte Ressortumfrage auch eine Abfrage bei den Krankenh&#228;usern<br \/>\nhinsichtlich des Umgehens mit Bluttransfusionen bei Angeh&#246;rigen der Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen beinhaltet habe.<br \/>\nMit Schreiben vom 9. Dezember 2009 teilte der Senator f&#252;r kirchliche Angelegenheiten<br \/>\nmit, dass nach Auskunft der Senatorin f&#252;r Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend<br \/>\nund Soziales innerhalb der Umfrage im April 2007 zu Erkenntnissen &#252;ber \u201eeinschl&#228;gige<br \/>\nVorf&#228;lle\u201c mit Angeh&#246;rigen der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen keine<br \/>\nausdr&#252;ckliche Befragung der Krankenh&#228;user stattgefunden habe. In dem f&#252;r das<br \/>\nTransfusionsgesetz zust&#228;ndigen Referat 34 bei der Senatorin f&#252;r Arbeit, Frauen, Gesundheit,<br \/>\nJugend und Soziales habe es keine Erkenntnisse &#252;ber einschl&#228;gige Vorf&#228;lle<br \/>\nmit Angeh&#246;rigen der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen im Land Bremen<br \/>\ngegeben. Eine Erfassung von sogenannten einschl&#228;gigen Vorf&#228;llen oder Erfahrungen<br \/>\nin Bezug auf Bluttransfusionen mit Angeh&#246;rigen der Religionsgemeinschaft Jehovas<br \/>\nZeugen finde in den Krankenh&#228;usern nicht statt. Anl&#228;sslich der auf Veranlassung<br \/>\ndes Rechtsausschusses erfolgten R&#252;ckfrage bei den Transfusionsbeauftragten<br \/>\ndes Klinikums Bremen-Mitte und des Klinikums Reinkenheide in Bremerhaven<br \/>\nseien keine einschl&#228;gigen Vorf&#228;lle in den letzten Jahren bekannt geworden. Im Einzelfall<br \/>\nk&#246;nne dies zwar nicht ausgeschlossen werden, da aber solche Vorf&#228;lle von<br \/>\nden behandelnden Krankenhaus&#228;rzten lediglich in den unter die &#228;rztliche Schweigepflicht<br \/>\nfallenden Patientenakten dokumentiert w&#252;rden, seien die Informationen<br \/>\nnicht zug&#228;nglich.<br \/>\nDer Rechtsausschuss setzte die weitere Beratung in seiner Sitzung am 9. Dezember<br \/>\n2009 aufgrund der erst kurzfristig vor der Sitzung zugegangenen Stellungnahme des<br \/>\nSenators f&#252;r kirchliche Angelegenheiten aus.<br \/>\nIn seiner Sitzung am 20. Januar 2010 befasste sich der Rechtsausschuss eingehend<br \/>\nmit den Stellungnahmen des Senators f&#252;r kirchliche Angelegenheiten vom 5. November<br \/>\n2009 sowie vom 9. Dezember 2009 betreffend Bluttransfusionen und beschloss,<br \/>\nim weiteren Beratungsgang die aus dem Berliner Verfahren gewonnenen<br \/>\nErkenntnisse zu beleuchten.<br \/>\nAm 10. M&#228;rz 2010 beschloss der Rechtsausschuss, einen Vertreter der Berliner Senatskanzlei<br \/>\nanzuh&#246;ren. In seiner Sitzung am 14. April 2010 verst&#228;ndigte sich der Ausschuss<br \/>\n&#252;ber den weiteren Zeitrahmen seiner Beratungen. Die Anh&#246;rung des mit dem<br \/>\nBerliner Verfahren im Wesentlichen vertrauten Referenten aus der Berliner Senats\u2014<br \/>\n4 \u2014<br \/>\nkanzlei fand am 9. Juni 2010 in nicht &#246;ffentlicher Sitzung mit folgender Fragestellung<br \/>\nstatt:<br \/>\n1. Inwiefern gab es im Rahmen des Berliner Verfahrens auf den Antrag der Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen, ihr die Rechte einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen<br \/>\nRechts zu verleihen, Abstimmungen und Mitwirkungen anderer Bundesl&#228;nder?<br \/>\n2. Inwiefern wichen die Sachverhalte im Hinblick auf die Organisationsform der<br \/>\nReligionsgemeinschaft Jehovas Zeugen, ihre Glaubenss&#228;tze und die daraus abgeleiteten<br \/>\nund praktizierten Ge- und Verbote in den anderen Bundesl&#228;ndern<br \/>\nvon der Situation, wie sie sich in Berlin darstellte, ab, inwiefern wurden solche<br \/>\nAbweichungen gegebenenfalls in das Berliner Verfahren einbezogen?<br \/>\n3. Welches waren die tragenden Gr&#252;nde, die die befassten Gerichte schlie&#223;lich<br \/>\nbewogen haben, der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen die Rechte einer<br \/>\nK&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts zuzusprechen?<br \/>\n4. Blieben Argumente oder Sachverhalte durch die Gerichte unber&#252;cksichtigt, obwohl<br \/>\naus Sicht der Berliner Senatskanzlei \u2013 oder soweit bekannt, aus Sicht der<br \/>\nanderen Bundesl&#228;nder \u2013 Zweifel an der notwendigen Verfassungstreue der Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen bestanden?<br \/>\n5. Wurden insbesondere folgende Fragen in die gerichtlichen Verfahren einbezogen,<br \/>\nund wie wurden diese beurteilt:<br \/>\nWie wurde das Demokratieverst&#228;ndnis der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen<br \/>\n(u. a. Ablehnung von Wahlen), die soziale Abschottung von Kindern und die<br \/>\nAblehnung eines Studiums als m&#246;gliche Bildungsperspektive f&#252;r Jugendliche<br \/>\ndurch die Religionsgemeinschaft, Kontaktsperregebote der Religionsgemeinschaft<br \/>\nf&#252;r ihre Mitglieder zu ausgestiegenen Familienmitgliedern sowie die Ablehnung<br \/>\nvon Bluttransfusionen und das damit im Zusammenhang stehende Vorgehen<br \/>\nder Religionsgemeinschaft gegen&#252;ber betroffenen Familien im Hinblick<br \/>\ndarauf beurteilt, ob das k&#252;nftige Verhalten der Religionsgemeinschaft die in Artikel<br \/>\n79 Absatz 3 Grundgesetz umschriebenen fundamentalen Verfassungsprinzipien,<br \/>\ndie dem staatlichen Schutz anvertrauten Grundrechte Dritter sowie die<br \/>\nGrundprinzipien des freiheitlichen Religions- und Staatskirchenrechts des Grundgesetzes<br \/>\nbeeintr&#228;chtigen oder gef&#228;hrden?<br \/>\n6. Gibt es aus dem Berliner Anerkennungsverfahren ein gemeinsames Fazit der<br \/>\nL&#228;nder, die das Verfahren begleitet haben, und inwiefern waren hierf&#252;r die gerichtlichen<br \/>\nEntscheidungen pr&#228;gend?<br \/>\n7. Gibt es aus Sicht der Berliner Senatskanzlei nach Verleihung der Rechte einer<br \/>\nK&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts an die Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen<br \/>\nneue Argumente oder Sachverhalte, die gegen die Verleihung der Rechte<br \/>\neiner K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts an die Religionsgemeinschaft Jehovas<br \/>\nZeugen sprechen?<br \/>\nIm Ergebnis stellte der Ausschuss nach Anh&#246;rung des Berliner Vertreters fest, dass<br \/>\ndas Land Berlin in dem Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin mit Blick<br \/>\nauf das in verwaltungsgerichtlichen Verfahren &#252;bliche Amtsermittlungsprinzip auf<br \/>\ndas Stellen von Beweisantr&#228;gen verzichtet hatte, sodass eine Beweiserhebung hinsichtlich<br \/>\nder typisierenden Tatsachen unterblieben war. So wurde unter anderem zur<br \/>\nFrage des durch die Religionsgemeinschaft ausge&#252;bten Drucks auf Eltern, medizinisch<br \/>\nerforderliche Bluttransfusionen f&#252;r ihre Kinder abzulehnen, weder vorgetragen<br \/>\nnoch ermittelt.<br \/>\nIm September 2010 erhielt der Ausschuss Kenntnis von der umfassenden Stellungnahme<br \/>\ndes Justizministeriums Baden-W&#252;rttemberg zur verfassungsrechtlichen Frage<br \/>\nder Rechtstreue der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen. Nach intensiven Recherchen<br \/>\nhinsichtlich der Verfassungstreue der Religionsgemeinschaft sowie der Frage<br \/>\nder Verletzung von Menschenrechten kommt das Justizministerium Baden-W&#252;rttemberg<br \/>\nin seiner gutachterlichen Stellungnahme zu dem Ergebnis, dass dem Antrag<br \/>\nder Zeugen Jehovas auf Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\nf&#252;r das Land Baden-W&#252;rttemberg nicht stattgegeben werden m&#252;sse. Anders als vom<br \/>\nOberverwaltungsgericht Berlin seien bei der Pr&#252;fung insbesondere die Aussagen<br \/>\nehemaliger Zeugen Jehovas, ihrer Angeh&#246;rigen, von Vertretern von Selbsthilfevereinen<br \/>\nund eines erfahrenen Diplompsychologen einbezogen worden. Des Weite\u2014<br \/>\n5 \u2014<br \/>\nren seien die f&#252;r die Mitglieder bestimmten Schriften sowie eine aktuelle erziehungswissenschaftliche<br \/>\nDissertation ausgewertet worden. Im Wortlaut wird in der Stellungnahme<br \/>\nim Ergebnis festgestellt:<br \/>\n\u201e1. Baden-W&#252;rttemberg ist verfassungsrechtlich befugt, die Voraussetzungen f&#252;r<br \/>\ndie Verleihung der Rechte einer &#246;ffentlich-rechtlichen K&#246;rperschaft f&#252;r das Land<br \/>\nBaden-W&#252;rttemberg auch nach einer sogenannten Erstverleihung durch ein<br \/>\nanderes Bundesland eigenst&#228;ndig zu pr&#252;fen.<br \/>\n2. Die Frage, ob die Zeugen Jehovas die ,Gew&#228;hr der Rechtstreue\u2019 im Hinblick auf<br \/>\ndie Beeintr&#228;chtigung oder Gef&#228;hrdung der Grundrechte Dritter bieten, ist f&#252;r<br \/>\nBaden-W&#252;rttemberg noch nicht verbindlich gerichtlich entschieden. Insoweit<br \/>\nbesteht die M&#246;glichkeit einer anderen rechtlichen W&#252;rdigung, als sie bisher vom<br \/>\nOberverwaltungsgericht Berlin f&#252;r das Land Berlin vertreten worden ist. Das<br \/>\nUrteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin weist unserer Auffassung nach M&#228;ngel<br \/>\nauf.<br \/>\n3. Es kann vertretbar angenommen werden, dass die Religionsgemeinschaft der<br \/>\nZeugen Jehovas keine Gew&#228;hr der Rechtstreue bietet:<br \/>\n\u2014 Sie beeintr&#228;chtigt und gef&#228;hrdet wegen des von ihr geforderten Verbots<br \/>\ndes Kontakts mit ausgetretenen oder ausgeschlossenen Mitgliedern der Zeugen<br \/>\nJehovas das Grundrecht auf Achtung des Familienlebens und der Ehe<br \/>\n(Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz).<br \/>\n\u2014 Damit h&#228;lt sie zugleich mit vom Grundgesetz missbilligten Mitteln austrittswillige<br \/>\nMitglieder in der Religionsgemeinschaft fest und beeintr&#228;chtigt und<br \/>\ngef&#228;hrdet das Grundrecht auf (negative) Religionsfreiheit (Artikel 4 Grundgesetz).<br \/>\n\u2014 Die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas gef&#228;hrdet wegen des nach<br \/>\nihren Regeln bestehenden Verbots, auch im &#228;u&#223;ersten Notfall Blut- oder<br \/>\nHauptbestandteile des Blutes anzunehmen, Leib und Leben minderj&#228;hriger<br \/>\nKinder und Jugendlicher (Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 Grundgesetz).<br \/>\n4. Nicht sicher nachgewiesen werden konnte, obwohl gewisse Anhaltspunkte daf&#252;r<br \/>\nvorliegen, eine generelle Gef&#228;hrdung des Kindeswohls im &#220;brigen aufgrund<br \/>\nvon k&#246;rperlichen Z&#252;chtigungen, des Umgangs mit Kindesmissbrauch, der St&#246;rung<br \/>\nder Pers&#246;nlichkeitsentwicklung und der Verweigerung einer h&#246;heren Schulbildung<br \/>\noder eines Studiums.<br \/>\n5. Gewisse Anhaltspunkte lagen vor, dass die Religionsgemeinschaft in bestimmten<br \/>\nF&#228;llen zur Begehung von Straftaten ermutigt, und zwar zur Strafvereitelung<br \/>\nin F&#228;llen des Kindesmissbrauchs (\u00a7 258 Strafgesetzbuch) sowie zur Verletzung<br \/>\namts- oder berufsbezogener Schweigepflichten (u. a. \u00a7 203 Strafgesetzbuch) und<br \/>\nzur uneidlichen Falschaussage (\u00a7 153 Strafgesetzbuch) und Strafvereitelung (\u00a7 258<br \/>\nStrafgesetzbuch) mit Blick auf Aussagen vor Gericht. Ein sicherer Nachweis war<br \/>\nhier jedoch nicht m&#246;glich.<br \/>\n6. Hilfsweise ist die Auffassung vertretbar, dass der Antrag auf Verleihung der besonderen<br \/>\n&#246;ffentlich-rechtlichen K&#246;rperschaftsrechte auch dann abgelehnt werden<br \/>\nkann, wenn die Gew&#228;hr der Rechtstreue trotz aller zumutbaren Aufkl&#228;rungsversuche<br \/>\nunklar bleibt.<br \/>\n7. Die sich aus der europ&#228;ischen Menschenrechtskonvention und der Rechtsprechung<br \/>\ndes Europ&#228;ischen Gerichtshofes f&#252;r Menschenrechte ergebenden Vorgaben<br \/>\nw&#252;rden durch die Ablehnung des Antrags nach Auffassung des Justizministeriums<br \/>\nBaden-W&#252;rttemberg nicht verletzt werden. Dies gilt auch, wenn<br \/>\nman das k&#252;rzlich ergangene Urteil des Europ&#228;ischen Gerichtshofs f&#252;r Menschenrechte<br \/>\nzu einem Verbot der Zeugen Jehovas in Russland ber&#252;cksichtigt.<br \/>\n8. In Baden-W&#252;rttemberg geht es nicht um ein Verbot der T&#228;tigkeit der Zeugen<br \/>\nJehovas, sondern um die Verleihung eines Privilegiertenstatus. Dieser kann nach<br \/>\nAuffassung des Justizministeriums Baden-W&#252;rttemberg wegen Gef&#228;hrdung der<br \/>\nGrundrechte Dritter versagt werden.\u201c<br \/>\nNach Auswertung und Beratung der Stellungnahme des Justizministeriums Baden-<br \/>\nW&#252;rttemberg beschloss der Rechtsausschuss in seiner Sitzung am 1. Dezember 2010<br \/>\ndie Durchf&#252;hrung einer Anh&#246;rung am 16. Februar 2011.<br \/>\n\u2014 6 \u2014<br \/>\nII. &#214;ffentliche Anh&#246;rung am 16. Februar 2011<br \/>\nZu der &#246;ffentlichen Anh&#246;rung am 16. Februar 2011 wurden sechzehn Sachverst&#228;ndige<br \/>\nsowie ein Vertreter der Zeugen Jehovas eingeladen. Die Beratung gliederte sich<br \/>\nin die nachfolgend aufgef&#252;hrten drei Themenkomplexe mit weiteren Unterthemen,<br \/>\nzu denen die Referenten im Einzelnen Stellung nahmen:<br \/>\nErster Themenkomplex<br \/>\nDie Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen<br \/>\n\u2014 Darstellung der Glaubensgrunds&#228;tze \u2013 kurzer religionswissenschaftlicher und<br \/>\nreligionspsychologischer Diskurs<br \/>\ndazu:<br \/>\nProf. Dr. Gritt Klinkhammer, Fachbereich Religionswissenschaften, Universit&#228;t Bremen,<br \/>\nProf. Dr. Sebastian Murken, Arbeitsgruppe Religionspsychologie des Forschungszentrums<br \/>\nf&#252;r Psychobiologie und Psychosomatik, Universit&#228;t Trier.<br \/>\nZweiter Themenkomplex<br \/>\nKriterien f&#252;r die Gew&#228;hrung der Rechtstreue einer Religionsgemeinschaft<br \/>\n1. Erl&#228;uterung der Stellungnahme des Justizministeriums Baden-W&#252;rttemberg<br \/>\ndazu:<br \/>\nMinisterialrat Eberhard Birkert, Referatsleiter beim Justizministerium Baden-<br \/>\nW&#252;rttemberg,<br \/>\nRichter am Verwaltungsgericht Dr. Jens Hofmann, Referent beim Justizministerium<br \/>\nBaden-W&#252;rttemberg.<br \/>\n2. Gef&#228;hrdung von Ehe und Familie (Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz)<br \/>\n\u2014 Beeintr&#228;chtigt oder gef&#228;hrdet das Verhalten der Religionsgemeinschaft und<br \/>\nderen Mitglieder den gebotenen Schutz von Ehe und Familie?<br \/>\n\u2014 Ausgrenzung der der Religionsgemeinschaft zugeh&#246;rigen Familienmitglieder?<br \/>\n\u2014 Aktive Hinarbeit auf die Trennung von Ehepartnern und Familie?<br \/>\ndazu:<br \/>\nPastor Helmut Langel, Weltanschauungsbeauftragter der Bremischen Evangelischen<br \/>\nKirche,<br \/>\nBernd Galeski, Netzwerk Sektenausstieg e. V., Barmstedt,<br \/>\nMargit Ricarda Rolf, Zeugen Jehovas-Ausstieg gGmbH in Gr&#252;ndung Hamburg,<br \/>\nNora Herzog, AUSSTIEG e. V. Karlsruhe,<br \/>\nRechtsanwalt J&#252;rgen Zillikens, KIDS e. V. (Kinder in destruktiven Sekten), Brilon.<br \/>\n3. Beeintr&#228;chtigung und Gef&#228;hrdung der Religionsfreiheit (Artikel 4 Grundgesetz)<br \/>\n\u2014 H&#228;lt die Religionsgemeinschaft austrittswillige Mitglieder in der Gemeinschaft<br \/>\nfest?<br \/>\ndazu:<br \/>\nBernd Galeski (siehe oben),<br \/>\nMargit Ricarda Rolf (siehe oben).<br \/>\n4. Gefahr von Leib und Leben Erwachsener und Minderj&#228;hriger (Artikel 2 Absatz<br \/>\n2 Satz 1 Grundgesetz)<br \/>\n\u2014 Gef&#228;hrdet die Religionsgemeinschaft durch das Verbot der Annahme von<br \/>\nBluttransfusionen Leib und Leben Minderj&#228;hriger?<br \/>\n\u2014 Erschwert oder unterl&#228;uft die Religionsgemeinschaft staatliche Schutzma&#223;nahmen?<br \/>\ndazu:<br \/>\n\u2014 7 \u2014<br \/>\nProf. Dr. med. Hans-Iko Huppertz, Professor-Hess-Kinderklinik, Klinikum Bremen-<br \/>\nMitte,<br \/>\nDr. med. Burkhard Hofmann, Rotes-Kreuz-Krankenhaus, Bremen.<br \/>\n5. Kindeswohl<br \/>\na) K&#246;rperliche Z&#252;chtigung: H&#228;lt die Religionsgemeinschaft zur Verletzung des<br \/>\nabsoluten Gewaltverbots in der Kindererziehung (\u00a7 1631 Abs. 2 BGB) an?<br \/>\nb) Kindesmissbrauch: Gibt es bei der Religionsgemeinschaft F&#228;lle des Missbrauchs,<br \/>\nund l&#228;sst der Umgang damit Zweifel an der Rechtstreue aufkommen?<br \/>\nc) Schulbildung und Pers&#246;nlichkeitsentwicklung: Besteht eine bildungsfeindliche<br \/>\nGrundhaltung der Religionsgemeinschaft, und welche Konsequenzen<br \/>\nergeben sich daraus f&#252;r die betroffenen Kinder?<br \/>\ndazu:<br \/>\nDr. J&#246;rg Schilling, Referatsleiter bei der Senatorin f&#252;r Bildung und Wissenschaft,<br \/>\nGabriele Schoppe, Mitarbeiterin des Jugendamtes Bremen, Amt f&#252;r Soziale<br \/>\nDienste bei der Senatorin f&#252;r Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales,<br \/>\nRechtsanwalt J&#252;rgen Zillikens, KIDS e. V. (siehe oben),<br \/>\nPastorin Ingrid Witte, Weltanschauungsbeauftragte der Bremischen Evangelischen<br \/>\nKirche,<br \/>\nSiegfried Koloschin zu 5. a) und b), AUSSTIEG e. V., Karlsruhe,<br \/>\nUrsula Meschede zu 5. c), AUSSTIEG e. V., Karlsruhe,<br \/>\nBernd Galeski (siehe oben),<br \/>\nMargit Ricarda Rolf (siehe oben).<br \/>\nDritter Themenkomplex<br \/>\nStellungnahme eines Vertreters der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland<br \/>\ndazu:<br \/>\nGajus Glockentin, Justitiar, Jehovas Zeugen in Deutschland.<br \/>\nDie Stellungnahmen der Referentinnen und Referenten sowie deren Antworten auf<br \/>\ndie anschlie&#223;end seitens der Ausschussmitglieder aufgeworfenen Fragen in der &#246;ffentlichen<br \/>\nAnh&#246;rung wurden in einem Wortprotokoll dokumentiert.<br \/>\nIII. Ergebnisse der &#246;ffentlichen Anh&#246;rung am 16. Februar 2011<br \/>\nDie Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen<br \/>\n\u2014 Darstellung der Glaubensgrunds&#228;tze -kurzer religionswissenschaftlicher und religionspsychologischer<br \/>\nDiskurs<br \/>\nAufgrund der Absage von Prof. Dr. Sebastian Murken von der Arbeitsgruppe Religionspsychologie<br \/>\ndes Forschungszentrums f&#252;r Psychobiologie und Psychosomatik der Universit&#228;t<br \/>\nTrier und des am Tag der Anh&#246;rung wegen einer kurzfristigen Erkrankung<br \/>\nerfolgten Ausfalls von Prof. Dr. Gritt Klinkhammer musste dieser Punkt ersatzlos entfallen.<br \/>\nKriterien f&#252;r die Gew&#228;hrung der Rechtstreue einer Religionsgemeinschaft<br \/>\n1. Erl&#228;uterung der Stellungnahme des Justizministeriums Baden-W&#252;rttemberg<br \/>\nDie Vertreter des Justizministeriums Baden-W&#252;rttemberg, Ministerialrat Eberhard<br \/>\nBirkert sowie der zust&#228;ndige Referent Dr. Jens Hofmann, skizzierten eingangs das<br \/>\nVerfahren in Baden-W&#252;rttemberg und nahmen im Weiteren zur Gesetzeslage, zu<br \/>\nden rechtlichen Voraussetzungen und zu den Gr&#252;nden, die zu der Versagung des<br \/>\nStatus einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts in Baden-W&#252;rttemberg gef&#252;hrt haben,<br \/>\nStellung.<br \/>\nIn Baden-W&#252;rttemberg entscheidet die Landesregierung &#252;ber den Antrag &#252;ber die<br \/>\nAnerkennung einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts f&#252;r eine Glaubensgemeinschaft.<br \/>\n\u2014 8 \u2014<br \/>\nZur Pr&#252;fung des verfassungsrechtlichen Aspekts der Rechtstreue habe das von der<br \/>\nLandesregierung beauftragte Justizministerium Material gesichtet und eigene Recherchen<br \/>\nim Internet und in weiteren Schriften vorgenommen sowie Gespr&#228;che mit<br \/>\nehemaligen Zeugen Jehovas, Angeh&#246;rigen, Vertretern von Selbsthilfevereinen und<br \/>\neinem in der Aussteigeberatung t&#228;tigen Diplompsychologen gef&#252;hrt.<br \/>\nGegenstand der Pr&#252;fung war die Beeintr&#228;chtigung oder Gef&#228;hrdung von Grundrechten<br \/>\nDritter: Ungeachtet der Tatsache, dass sich die Religionsgemeinschaft und<br \/>\nihre Mitglieder auf die Religionsfreiheit nach Artikel 4 Grundgesetz berufen k&#246;nnen,<br \/>\nhabe das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass eine den besonderen Status<br \/>\neiner K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts anstrebende Religionsgemeinschaft Grundrechte<br \/>\nDritter nicht beeintr&#228;chtigen oder gef&#228;hrden d&#252;rfe. Das Bundesverfassungsgericht<br \/>\nl&#228;sst es wegen der in religi&#246;sen Dingen gebotenen Neutralit&#228;t des Staates nicht<br \/>\nzu, den Glauben und die Lehre als solche zu bewerten, vielmehr sei das tats&#228;chliche<br \/>\nVerhalten ma&#223;geblich. Allerdings sei es nach den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts<br \/>\nund des Bundesverwaltungsgerichts statthaft, aus der Lehre, aus<br \/>\ndem Glauben R&#252;ckschl&#252;sse auf das zu erwartende Verhalten zu ziehen. Die Betrachtung<br \/>\nder Schriften der jeweiligen Religionsgemeinschaft und daraus zu ziehende<br \/>\nR&#252;ckschl&#252;sse sind zul&#228;ssig.<br \/>\nDer Ablehnungsentscheidung der Landesregierung Baden-W&#252;rttemberg liegen folgende<br \/>\nGesichtspunkte zugrunde:<br \/>\nNach Artikel 6 Grundgesetz genie&#223;en Ehe und Familie einen besonderen Schutz.<br \/>\nAus den Schriften der Zeugen Jehovas und aus den Anh&#246;rungen seien von der Religionsgemeinschaft<br \/>\naufgestellte Verhaltensregeln erkennbar gewesen, die das Verhalten<br \/>\nder Mitglieder wesentlich pr&#228;gen und steuern. Der dort vorgegebene Kontaktabbruch<br \/>\n\u2013 mindestens die wesentliche Kontaktreduzierung \u2013 gegen&#252;ber einem ausgeschlossenen<br \/>\noder ausgetretenen Familienmitglied gef&#228;hrdet den in Artikel 6 Grundgesetz<br \/>\nverankerten Schutz der Familie. Zwar werde von beispielsweise im Haushalt<br \/>\nlebenden Kindern nicht der Auszug verlangt, jedoch werden Einschr&#228;nkungen im<br \/>\nUmgang gefordert, die als Ausgrenzung und als eine Gef&#228;hrdung der Familie als Lebensgemeinschaft<br \/>\nzu bewerten seien.<br \/>\nAuch bei nicht mehr im Haushalt lebenden Familienmitgliedern greife ein verfassungsrechtlicher<br \/>\nSchutz, sodass die in diesen F&#228;llen strengeren Vorgaben eines Kontaktverbotes<br \/>\n\u2013 mindestens die Vorgabe einer wesentlichen Einschr&#228;nkung des Kontakts<br \/>\n\u2013 eine Verletzung des Schutzanspruches dieser Gemeinschaft bedeuten k&#246;nne. Auch<br \/>\nwenn der Wortlaut der Schriften einen gewissen Entscheidungsspielraum des Einzelnen<br \/>\nsuggeriere, haben die Anh&#246;rungen ergeben, dass durch das Benennen von<br \/>\nBeispielen und Vorbildern eine Einschr&#228;nkung der Entscheidungsfreiheit bis hin zur<br \/>\nreligi&#246;sen Drohung \u2013 etwa mit der Vernichtung durch Jehova \u2013 empfunden werde.<br \/>\nDer verfassungsrechtlich normierte Schutz der Ehe ist ber&#252;hrt, wenn einer der Partner<br \/>\naus der Religionsgemeinschaft ausscheidet, und dem anderen mindestens erhebliche<br \/>\nBeschr&#228;nkungen vorgegeben oder in den Schriften als vorbildlich dargestellt<br \/>\nwerden. In der Praxis werde dementsprechend gehandelt, sodass insoweit von<br \/>\neiner Beeintr&#228;chtigung oder Gef&#228;hrdung der Ehe ausgegangen werden k&#246;nne.<br \/>\nTrete ein Ehepartner erst nachtr&#228;glich der Glaubensgemeinschaft bei, sei keine wesentliche<br \/>\nGef&#228;hrdung oder Beeintr&#228;chtigung in den Schriften und durch die Anh&#246;rungen<br \/>\nfeststellbar gewesen.<br \/>\nZur Religionsfreiheit nach Artikel 4 Absatz 1 und 2 Grundgesetz hat das Bundesverfassungsgericht<br \/>\nausdr&#252;cklich zur Pr&#252;fung aufgegeben, ob austrittswillige Mitglieder<br \/>\nzwangsweise oder mit vom Grundgesetz missbilligten Mitteln in der Gemeinschaft<br \/>\nfestgehalten werden. Die nach Artikel 6 Grundgesetz feststellbaren Beeintr&#228;chtigungen<br \/>\nk&#246;nnten auch austrittswillige Personen aus Furcht vor Isolation oder Kontaktabbruch<br \/>\nzum Verbleib in der Religionsgemeinschaft veranlassen, sodass eine Gef&#228;hrdung<br \/>\ndes Grundrechtes auf Religionsfreiheit anzunehmen sei.<br \/>\nEine Gef&#228;hrdung von Leib und Leben Minderj&#228;hriger nach Artikel 2 Absatz 2 Satz 1<br \/>\nGrundgesetz wurde ebenfalls gepr&#252;ft. W&#228;hrend der Erwachsene selbst entscheiden<br \/>\nk&#246;nne, ob er sich durch Verweigerung einer Bluttransfusion gef&#228;hrden wolle oder<br \/>\nnicht, sind bei Minderj&#228;hrigen die Eltern f&#252;r das Wohl ihrer Kinder verantwortlich,<br \/>\ndie zudem unter dem besonderen Schutz des Staates stehen. Zur &#220;berpr&#252;fung des<br \/>\nGef&#228;hrdungspotenzials habe das Justizministerium bei der Auswertung der Literatur<br \/>\nund Anh&#246;rungen einige wenige gravierende F&#228;lle festgestellt. In Baden-W&#252;rttemberg<br \/>\nhabe sich auch ein Todesfall ereignet, sodass letztlich im Ergebnis eine Ge\u2014<br \/>\n9 \u2014<br \/>\nf&#228;hrdung gegeben sei. Das Bundesverwaltungsgericht hat ausdr&#252;cklich ausgef&#252;hrt,<br \/>\ndass in diesem Bereich auch einige Einzelf&#228;lle ausreichen k&#246;nnen, um eine entsprechende<br \/>\nGefahrenprognose zu stellen, wenn sich aus den sonstigen Umst&#228;nden, auch<br \/>\naus den Schriften, ein gewisses typisches Verhalten ableiten lasse.<br \/>\nBei den Mitgliedern der Religionsgemeinschaft werde nicht nur verbal die Haltung<br \/>\nzum Bluttransfusionsverbot gest&#228;rkt, sondern durch Aus&#252;bung von Druck auf die<br \/>\nEltern werde der staatliche Schutzgedanke unterlaufen, sodass erhebliche Gef&#228;hrdungen<br \/>\nf&#252;r Kinder nicht auszuschlie&#223;en seien.<br \/>\nAndere Gef&#228;hrdungen des Kindeswohls \u2013 durch Kindesmissbrauch, k&#246;rperliche Z&#252;chtigung<br \/>\n\u2013 oder auch Anstiftung zu Straftaten, Strafvereitelung, falsche uneidliche Aussagen<br \/>\nhabe man als nicht ausreichend nachgewiesen angesehen. Zwar sei eine Au&#223;enseiterstellung<br \/>\nin der Schule oder eine kritische Einstellung zu h&#246;herer Bildung<br \/>\nbelegt worden. Nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes sei das allein<br \/>\nnicht ausreichend, sodass entsprechend entschieden worden sei.<br \/>\nDas Justizministerium Baden-W&#252;rttemberg habe im Rahmen einer Gesamtabw&#228;gung<br \/>\neinerseits die Religionsfreiheit der Jehovas Zeugen und andererseits die festgestellten<br \/>\nGrundrechtsbeeintr&#228;chtigungen beleuchtet und im Ergebnis festgestellt, dass insoweit<br \/>\ndie Gef&#228;hrdung der Grundrechtsposition Dritter &#252;berwiege.<br \/>\n2. Gef&#228;hrdung von Ehe und Familie (Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz)<br \/>\nDer Weltanschauungsbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor<br \/>\nLangel, berichtete aus seiner praktischen Erfahrung aus langj&#228;hriger Beratungst&#228;tigkeit,<br \/>\nin der folgende Aspekte stets eine gro&#223;e Rolle gespielt haben: Das Z&#252;chtigungsrecht<br \/>\nder Eltern gegen&#252;ber den Kindern sei aufgrund praktischer Erfahrungen<br \/>\nin der Familie immer wieder in der Beratung aufgetaucht. Es stelle sich somit die<br \/>\nFrage, inwieweit eine Organisation, die die Rechte einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen<br \/>\nRechts beanspruche, sich hinsichtlich des Themas Gewalt sehr vorbildlich zu<br \/>\nverhalten habe, sodass Gewalt praktisch ausgeschlossen und nicht aufgrund des Glaubens<br \/>\nan Jehova ein Kind geschlagen werde.<br \/>\nZur Frage des in verschiedenen Sekten oder Religionsgemeinschaften bestehenden<br \/>\nsogenannten Trennungsbefehls berichtete der Weltanschauungsbeauftragte aus seinen<br \/>\nBeratungsgespr&#228;chen, dieser k&#246;nne innerhalb einer Familie, Ehe und zwischen<br \/>\nEltern und Kindern zu sehr konflikttr&#228;chtigen Situationen f&#252;hren. Es werde von der<br \/>\nReligionsgemeinschaft erwartet, dass der noch an Jehova Glaubende sich von dem<br \/>\nsich einer anderen Glaubens- oder Lebensanschauung n&#228;hernden Abtr&#252;nnigen trenne<br \/>\nund keinerlei Kontakt mehr halte. Hier stelle sich die Frage nach dem Wertesystem,<br \/>\nwenn so etwas verlangt werde.<br \/>\nHinsichtlich der Dialogbereitschaft der Zeugen Jehovas, die in der Regel die &#214;kumene<br \/>\nverweigern, sei festzustellen, dass kein Dialog mit den Gro&#223;kirchen oder anderen<br \/>\n&#246;kumenischen Strukturen gef&#252;hrt werde. So bekommen Zeugen Jehovas, die<br \/>\nsich zum Beispiel mit evangelischen oder katholischen Christen oder anderen Glaubensgemeinschaften<br \/>\ntreffen, Schwierigkeiten in der Familie. Ihnen werde unterstellt,<br \/>\nsie bewegten sich auf der Seite der Unwahrheit. Dies f&#252;hre in der Praxis auch gerade<br \/>\nbei j&#252;ngeren Menschen oftmals zu Problemen.<br \/>\nDie Angaben zum Z&#252;chtigungsrecht gegen Kinder oder der Isolation beim Ausstieg<br \/>\naus der Religionsgemeinschaft stammen nach Bekunden des Weltanschauungsbeauftragten<br \/>\nausschlie&#223;lich aus Gespr&#228;chen, die in Bremen mit Aussteigerinnen und<br \/>\nAussteigern oder mit Menschen, die um eine Beratung gebeten haben, gef&#252;hrt worden<br \/>\nseien. Die Z&#252;chtigung der Kinder durch Eltern werde sehr praktisch erfahren,<br \/>\naber auch in der Literatur der Zeugen Jehovas behandelt. Ferner finden sich Belege<br \/>\nvon Z&#252;chtigungen in der Medienberichterstattung.<br \/>\nDie Trennungssituation werde insbesondere bei Eheleuten deutlich, die glaubensm&#228;&#223;ig<br \/>\nnicht mehr miteinander harmonierten und wo es dann auch nach den Aussagen<br \/>\nder jeweiligen Getrennten von der Seite der Organisation einen erheblichen<br \/>\nDruck gegeben habe, was zu Trennungsproblemen und auch Verlust&#228;ngsten gef&#252;hrt<br \/>\nhabe. Die Trennung f&#252;hre auch zum Verlust der bisherigen sozialen Bindungen, da<br \/>\ndie Gruppe in der Glaubensgemeinschaft festgef&#252;gt sei und nach einem Austritt aus<br \/>\nder Glaubensgemeinschaft nicht mehr existiere. Die in den vergangenen Jahren betreuten<br \/>\nKonfliktf&#228;lle nehmen tendenziell zwar etwas ab \u2013 im Jahr 2010 habe es insgesamt<br \/>\n15 F&#228;lle gegeben. Die Reduzierung k&#246;nne eventuell darauf hindeuten, dass<br \/>\ndie Zeugen Jehovas auch gerade im Zuge der Verfahren auf Zuerkennung der Rechte<br \/>\n\u2014 10 \u2014<br \/>\neiner K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts sich etwas offener geben. Die h&#228;ufigsten Anfragen<br \/>\nseien aus dem Bereich der Zeugen Jehovas, Christlicher Fundamentalismus<br \/>\nund Scientology neben einer Reihe anderer neureligi&#246;ser Bewegungen und Religionsgemeinschaften<br \/>\nzu verzeichnen. Eindeutig stehen die Beratungsf&#228;lle betreffend<br \/>\nJehovas Zeugen an der Spitze.<br \/>\nDie Vertreter der Aussteigerorganisationen schilderten in der Anh&#246;rung im Detail<br \/>\nund anhand umfangreicher Zitate aus den Schriften das Verhalten der Zeugen Jehovas<br \/>\nbez&#252;glich der Gef&#228;hrdung von Ehe und Familie. Im Ergebnis haben alle Vertreter<br \/>\nvon Aussteigerorganisationen bekundet, dass der Ausstieg bei den Zeugen Jehovas<br \/>\nden grundgesetzlich garantierten Schutz von Ehe und Familie durch Ausgrenzung<br \/>\nund Hinwirken auf die Trennung von Ehepartnern und Familie beeintr&#228;chtige und<br \/>\ngef&#228;hrde. Die Religionsgemeinschaft Zeugen Jehovas betrachte die Ehe als bedeutende<br \/>\nInstitution, sodass nicht aktiv auf eine Trennung der Ehepartner hingewirkt<br \/>\nwerde. In der Praxis und insbesondere bei Betroffenheit von Kindern, k&#246;nne man<br \/>\nvon einer durch das Haus gehenden religi&#246;sen Scheidung sprechen, die zu einer<br \/>\nstrikten religi&#246;sen Trennung f&#252;hre. Die Vertreter der Aussteigerorganisationen berichteten<br \/>\nkonkret &#252;ber die eigene Situation und ihre Erfahrungen. In dem Moment,<br \/>\nin dem ein Geschwisterkind sich den Zeugen Jehovas anschloss und die anderen ein<br \/>\ndavon abweichendes anderes, der Moral der Zeugen Jehovas nicht entsprechendes<br \/>\nLeben f&#252;hrten, habe ein Bruch in der Familie stattgefunden. Die zum Teil jahrzehntelang<br \/>\nandauernden Kontaktabbr&#252;che hatten h&#228;ufig ein Auseinanderbrechen der Familie<br \/>\nzur Folge. Sobald ausgestiegene Kinder mit dem 18. Lebensjahr die Vollj&#228;hrigkeit<br \/>\nerreichen, werden die Eltern angehalten, den Kontakt abzubrechen. Mit Erreichen<br \/>\nder Religionsm&#252;ndigkeit mit dem 14. Lebensjahr gehe h&#228;ufig ein Verlassen der<br \/>\nZeugen Jehovas einher, obgleich die Kinder noch der Sorge und Unterst&#252;tzung der<br \/>\nEltern bed&#252;rfen, sodass die von den Zeugen Jehovas gew&#252;nschte Trennung diesen<br \/>\nKindern den gebotenen Schutz nehme. Insbesondere, wenn einer der Partner bei<br \/>\nden Zeugen Jehovas sehr aktiv und ein gemeinsames Kind vorhanden sei, k&#246;nne es<br \/>\nzu Sorgerechtsstreitigkeiten mit Folgeproblemen beim Umgangsrecht kommen. Die<br \/>\nVertreter der Aussteigerorganisationen schilderten derartige Vorf&#228;lle anhand von Einzelbeispielen.<br \/>\nInsbesondere die sehr intensive Arbeit in der Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen mache eine Ehe mit einem nicht den Jehovas Zeugen angeh&#246;renden<br \/>\nPartner nahezu unm&#246;glich.<br \/>\nDie Vertreterin von Ausstieg Karlsruhe e. V. schilderte die Entwicklung, wenn einer<br \/>\nder Ehepartner bei den Zeugen Jehovas aktiv werde und die Kinder durch das bei<br \/>\nden Zeugen Jehovas existierende spezielle Kinderbuch in die Glaubensgemeinschaft<br \/>\neinbezogen w&#252;rden: Diese Kinder d&#252;rfen fortan keine Geburtstage mehr feiern, sie<br \/>\nd&#252;rfen sich nicht an Weihnachts- und Osterfeiern oder entsprechenden Bastelarbeiten<br \/>\nbeteiligen, sodass sich das Leben dieser Kinder vollst&#228;ndig ver&#228;ndere. Sollte der<br \/>\nPartner darauf bestehen, dass die Kinder von diesen Aktivit&#228;ten nicht ausgeschlossen<br \/>\nwerden, sei wegen der kontr&#228;ren Lebensanschauungen eine gut funktionierende<br \/>\nEhe nahezu unvorstellbar. Im Fachjargon werde dieser Zustand \u201egeteiltes Haus\u201c genannt;<br \/>\nman lebe in einem \u201egeteilten Haus\u201c, wenn ein Partner kein Zeuge Jehovas ist.<br \/>\nNicht selten sind Trennungen und Scheidungen die Folge solcher Konstellationen.<br \/>\nNach den Angaben des Vertreters von KIDS e. V. lasse sich die Beeintr&#228;chtigung und<br \/>\nGef&#228;hrdung von Grundrechten Dritter an den seit 1995, dem Gr&#252;ndungsjahr des<br \/>\nKIDS e. V., rund 300 Beratungsf&#228;llen mit Beteiligung der Zeugen Jehovas festmachen.<br \/>\nDabei seien Grundrechtsgef&#228;hrdungen insbesondere auf der Ebene der Familien<br \/>\nzu verzeichnen. In der Regel werde ein Kontaktabbruch gefordert, sobald sich<br \/>\nein Familienmitglied von der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas abwende.<br \/>\nInsbesondere die Umgangs- und Besuchsrechte im Falle minderj&#228;hriger Kinder, die<br \/>\nnach dem B&#252;rgerlichen Gesetzbuch ein eigenst&#228;ndiges Recht darstellen, werden bei<br \/>\nnicht der Religionsgemeinschaft angeh&#246;renden Elternteilen verletzt. Selbst eine im<br \/>\nGerichtsverfahren erteilte Zustimmung zu Besuchsrechten k&#246;nne nicht realisiert werden.<br \/>\nIn der Regel werde das Besuchsrecht umgangen und teilweise sogar behauptet,<br \/>\ndas Kind sei vom anderen Partner missbraucht worden. Die Grundrechtsverletzungen,<br \/>\ninsbesondere Verletzung der Menschenw&#252;rde, seien durch viele Beispiele zu belegen.<br \/>\n3. Beeintr&#228;chtigung und Gef&#228;hrdung der Religionsfreiheit (Artikel 4 Grundgesetz)<br \/>\nIn der Anh&#246;rung wurde deutlich, dass die Punkte \u201eGef&#228;hrdung von Ehe und Familie\u201c<br \/>\nund \u201eReligionsfreiheit\u201c eng mit einander verkn&#252;pft sind. Die Religionsgemeinschaft<br \/>\nhalte austrittswillige Mitglieder in der Gemeinschaft fest, indem sie in der Re\u2014<br \/>\n11 \u2014<br \/>\ngel die Familien zur Trennung von dem die Glaubensgemeinschaft verlassenden<br \/>\nFamilienmitglied auffordern. Insbesondere minderj&#228;hrige, aber bereits religionsm&#252;ndige<br \/>\nKinder werden gegen ihren Willen in der Religionsgemeinschaft festgehalten,<br \/>\nda sie in Ermangelung der Vollj&#228;hrigkeit noch kein eigenst&#228;ndiges Leben f&#252;hren<br \/>\nk&#246;nnen. In diesen F&#228;llen sei eindeutig die Verletzung der Religionsfreiheit nach Artikel<br \/>\n4 Grundgesetz festzustellen. Insbesondere der Vertreter von Netzwerk Sektenausstieg<br \/>\ne. V. verdeutlichte an Beispielen, dass ein in die Religionsgemeinschaft hinein<br \/>\ngeborenes Kind der Zeugen Jehovas keine freie Wahl hinsichtlich der Religionszugeh&#246;rigkeit<br \/>\nhabe. Die Argumentation, der Zeuge Jehovas, der sich zur Taufe entschlossen<br \/>\nhabe, kenne die Lehren der Zeugen Jehovas, habe ihnen zugestimmt und<br \/>\nsich deswegen taufen lassen, k&#246;nne f&#252;r ein bei den Zeugen Jehovas aufgewachsenes<br \/>\nKind keine Anwendung finden, da es nichts anderes habe kennenlernen k&#246;nnen.<br \/>\nDie Zeugen Jehovas sprechen von einer sogenannten vorverlagerten Gewissensentscheidung,<br \/>\ndie allerdings bei kleinen und minderj&#228;hrigen Kindern nicht greifen<br \/>\nk&#246;nne.<br \/>\n4. Gefahr von Leib und Leben Erwachsener und Minderj&#228;hriger (Artikel 2 Absatz<br \/>\n2 Satz 1 Grundgesetz)<br \/>\nDie Experten aus dem medizinischen Bereich &#228;u&#223;erten sich zum Thema der Gefahr<br \/>\nvon Leib und Leben Erwachsener und Minderj&#228;hriger unter Ber&#252;cksichtigung der<br \/>\n&#228;rztlichen Werteskala. An oberster Stelle stehe bei einem Mediziner \u2013 und hier insbesondere<br \/>\nbei einem Kinderarzt \u2013 stets der Erhalt des Lebens des Kindes. Lehne ein<br \/>\nPatient oder die Erziehungsberechtigten eines Patienten die Durchf&#252;hrung einer Bluttransfusion<br \/>\nab, so k&#246;nne der Patient eventuell auf eine andere Klinik verwiesen werden.<br \/>\nDie Indikation zu einer Bluttransfusion sei stets sorgf&#228;ltig zu &#252;berlegen, da es<br \/>\nsich um eine relevante Ma&#223;nahme handele, die nicht lediglich versuchsweise durchgef&#252;hrt<br \/>\nwerden k&#246;nne. Die Mediziner seien verpflichtet, den Patienten aufzukl&#228;ren;<br \/>\ndas hei&#223;t, wenn der Mediziner eine Blut&#252;bertragung oder die &#220;bertragung von Blutbestandteilen<br \/>\nals notwendig erachte, dann sei dies entsprechend deutlich zu formulieren.<br \/>\nEin Patient k&#246;nne die Durchf&#252;hrung einer Bluttransfusion ablehnen, wenn er<br \/>\nbei vollem Bewusstsein sei, &#252;ber eine ungetr&#252;bte Urteilskraft verf&#252;ge und die Ablehnung<br \/>\naktuell ge&#228;u&#223;ert werde. Drohe ein Patient zu verbluten und lehne dennoch<br \/>\neine Transfusion ab, so sei der Mediziner gezwungen, diese Entscheidung zu akzeptieren.<br \/>\nDessen ungeachtet gebe es auch beim einwilligungsf&#228;higen Patienten die<br \/>\n&#228;rztliche Verpflichtung der Nothilfe, die einen Arzt in eine schwere Gewissensnot<br \/>\nbringen k&#246;nne, da er angesichts der &#228;rztlichen Ethik in einen schwierigen Konflikt<br \/>\ngeraten k&#246;nne und m&#246;glicherweise dann auch schwierige Entscheidungen &#252;ber den<br \/>\nEinsatz lebensrettender Ma&#223;nahmen treffen m&#252;sse. Das Selbstbestimmungsrecht des<br \/>\nPatienten habe seine Grenzen dort, wo Pflichten und Rechte anderer, in diesem Fall<br \/>\ndie Pflichten und Rechte des Arztes, verletzt zu werden drohen.<br \/>\nDie Situation sei beim nicht einwilligungsf&#228;higen Patienten anders zu beurteilen, da<br \/>\ndieser seinen Willen nicht mehr mitteilen k&#246;nne. Werde in solchen F&#228;llen eine fr&#252;here<br \/>\nVerf&#252;gung vorgelegt, sei sowohl nach der &#228;rztlichen Dienst- und Pflichtauffassung<br \/>\nals auch in der Rechtsprechung unklar, wie der Mediziner dann vorzugehen<br \/>\nhabe. Fraglich sei, ob eine fr&#252;here Verf&#252;gung in dem Moment, wo es um das eigentliche<br \/>\n&#220;berleben geht, durch den Patienten aufrecht erhalten bleibe. Bei Bestellung<br \/>\neines Betreuers sei die Situation relativ klar, sofern sich Betreuer und Arzt verst&#228;ndigen,<br \/>\ndass die Transfusion erfolgen kann. Bei auseinandergehenden Ansichten von<br \/>\nBetreuer und Arzt ist letztlich eine Entscheidung des Betreuungsgerichtes herbeizuf&#252;hren.<br \/>\nFalls nach einem schweren Verkehrsunfall ein Verbluten drohe, m&#252;sse der<br \/>\nArzt nach dem mutma&#223;lichen Willen des Patienten entscheiden. Werde sodann eine<br \/>\nvom Patienten unterzeichnete Erkl&#228;rung vorgelegt, wonach eine Bluttransfusion ausgeschlossen<br \/>\nwerde, k&#246;nne sich der Arzt dar&#252;ber hinwegsetzen, sofern er vermutet,<br \/>\ndass der Patient wie jeder andere Mensch auch am Leben bleiben wolle.<br \/>\nAbweichend sei die Situation bei Minderj&#228;hrigen aufgrund der sich aus der elterlichen<br \/>\nSorge ergebenden Pflichten zu beurteilen, die neben der staatlichen Verantwortung<br \/>\ndurch das Jugendamt f&#252;r das Wohl des Kindes stehe. Ber&#252;cksichtigen die<br \/>\nEltern nach kinder&#228;rztlichem Ermessen das Wohl des Kindes nicht hinreichend, so<br \/>\nwerden die zu ergreifenden Ma&#223;nahmen aus &#228;rztlicher Sicht erl&#228;utert, und im Zweifel<br \/>\nwerde das Jugendamt benachrichtigt. In einem akuten Fall wende sich der Arzt<br \/>\nunverz&#252;glich an das Familiengericht, das einen Betreuer einsetzen oder die sofortige<br \/>\nZustimmung zu einer notwendigen medizinischen Ma&#223;nahme zum Schutz von Leib<br \/>\nund Leben des Kindes erteilen k&#246;nne. So werde auch bei Eltern verfahren, die nicht<br \/>\nZeugen Jehovas sind, jedoch eine Bluttransfusion ablehnen.<br \/>\n\u2014 12 \u2014<br \/>\nAnhand eines Einzelfalles schilderte Prof. Dr. Huppertz unter Wahrung der &#228;rztlichen<br \/>\nSchweigepflicht die Situation von Eltern, bei deren Fr&#252;hgeborenem ein deutlicher<br \/>\nAbfall des Blutes mit Atemnot und sehr schnellem Herzschlag eintrat. Die Zeichen<br \/>\nf&#252;r eine ausgepr&#228;gte Blutarmut erforderten die Durchf&#252;hrung einer Bluttransfusion.<br \/>\nDie Eltern erkl&#228;rten, dass sie als Zeugen Jehovas dieser Transfusion nicht zustimmen<br \/>\nd&#252;rften. Nach Hinzutreten weiterer Mitglieder der Religionsgemeinschaft,<br \/>\ndie sich als Helfer der Eltern vorstellten, und nach einer gemeinsamen Beratung<br \/>\nwurde die Durchf&#252;hrung der Bluttransfusion abgelehnt. Als die Betreuer der Religionsgemeinschaft<br \/>\ndie Klinik verlassen hatten, wandten sich die Eltern noch einmal an<br \/>\ndie Mediziner und berichteten von ihrem Konflikt, einerseits wollten sie alles Gute<br \/>\nf&#252;r ihr Kind und sahen die Notwendigkeit der Bluttransfusion ein, andererseits hatten<br \/>\nsie gro&#223;e Angst davor, dass ihr Kind dann nicht mehr zu den Gerechten geh&#246;re.<br \/>\nDie Eltern h&#228;tten unter einem erheblichen Druck der Religionsgemeinschaft gestanden<br \/>\nund Angst vor einem Ausschluss aus der Religionsgemeinschaft oder vor einem<br \/>\nKontaktverbot zu ihrem Kind gehabt. Das von der Klinik sodann eingeschaltete Familiengericht<br \/>\nhabe die Erlaubnis zur Durchf&#252;hrung der Bluttransfusion erteilt. Die<br \/>\nEltern seien erleichtert gewesen, dass ihnen die Entscheidung abgenommen wurde.<br \/>\nGegen&#252;ber den sp&#228;ter wiederum hinzukommenden Betreuern der Religionsgemeinschaft<br \/>\nerkl&#228;rten die Eltern, unter Zwang gehandelt zu haben, und zeigten Reue angesichts<br \/>\nder durchgef&#252;hrten Transfusion. Im Ergebnis sei die Situation f&#252;r Eltern sehr<br \/>\nschwierig: Einerseits seien sie belastet durch die Sorge um ihr Kind und erkennen<br \/>\ndie Notwendigkeit einer Transfusion an; andererseits stehe die Verpflichtung ihres<br \/>\nGlaubens, verbunden mit den &#196;ngsten, das Kind k&#246;nne seelenlos werden.<br \/>\nBesonders schwierig sei die Situation bei Jugendlichen mit 16 oder 17 Jahren, gegen<br \/>\nderen Willen keine medizinische Entscheidung getroffen werde. Obgleich wegen<br \/>\nder fehlenden Vollj&#228;hrigkeit noch keine Einwilligungsf&#228;higkeit gegeben sei,<br \/>\nwerde der Wille des Jugendlichen hoch gesch&#228;tzt, und es werde lange gez&#246;gert, etwas<br \/>\ngegen seinen Willen zu unternehmen. Trotzdem sei klar, das ein 16- oder 17-<br \/>\nJ&#228;hriger die Konsequenzen seines Handeln nicht vollst&#228;ndig &#252;berblicken k&#246;nne. In<br \/>\ndiese Situation sei allerdings die Klinik noch nicht geraten.<br \/>\nProf. Dr. Huppertz fasste zusammen, dass die Transfusion von Blut oder Blutbestandteilen<br \/>\nh&#228;ufiger bei Fr&#252;hgeborenen angezeigt sei, bei denen eine h&#228;matologische Erkrankung<br \/>\n\u2013 eine St&#246;rung der Blutbildung oder ein vorzeitiger Abbau des Blutes \u2013<br \/>\nvorliege. Teilweise seien diese Patienten auch lebenslang auf eine entsprechende<br \/>\nBluttransfusion angewiesen. Des Weiteren erforderten onkologische Erkrankungen,<br \/>\nbei denen der Patient unter einer schweren Chemotherapie selbst gar kein Blut mehr<br \/>\nbilden k&#246;nne, dass durch Bluttransfusionen unterst&#252;tzt werde. Eine weitere Hauptgruppe<br \/>\nseien Unfallopfer, die zu verbluten drohen oder Patienten mit gro&#223;en Operationen,<br \/>\ndie dann nur durchgef&#252;hrt werden k&#246;nnen, wenn eine entsprechende Blutmenge<br \/>\nvorgehalten und im Notfall gegeben werden k&#246;nne. Bei diesen medizinischen<br \/>\nIndikationen sei es stets schwierig, zu einer f&#252;r die Patienten angemessenen<br \/>\n&#228;rztlichen Versorgung zu kommen, wenn sie der Religionsgemeinschaft Jehovas<br \/>\nZeugen angeh&#246;ren.<br \/>\nDer Vertreter des Rotes-Kreuz-Krankenhauses, Dr. Hofmann, erg&#228;nzte aus der Sicht<br \/>\nder Erwachsenenmedizin: Im Rotes-Kreuz-Krankenhaus seien die meisten Eingriffe<br \/>\nohne transfusionsrelevanten Blutverlust zu erwarten, sodass die Klinik selten mit dem<br \/>\nKonflikt konfrontiert sei. Es existiere keine schriftliche Verfahrensanweisung, wie<br \/>\n&#196;rzte im Konfliktfalle damit umgehen sollen. Nach einer internen Absprache seien<br \/>\nsowohl der Wille des Patienten als auch m&#246;gliche Gewissenskonflikte beim medizinischen<br \/>\nPersonal zu ber&#252;cksichtigen. Laut Transfusionsgesetz bedarf die &#220;bertragung<br \/>\nvon Blutprodukten der ausdr&#252;cklichen Einwilligung des Patienten. Der Patient<br \/>\nk&#246;nne eine Behandlung insgesamt ablehnen oder auch die Behandlung mit Blutprodukten<br \/>\nselektiv verweigern. Voraussetzung f&#252;r eine Ablehnung der Bluttransfusion<br \/>\nsei, dass der Patient gesch&#228;ftsf&#228;hig sei, sich frei entscheiden und aktuell &#228;u&#223;ern<br \/>\nk&#246;nne. Das Aufkl&#228;rungsgespr&#228;ch finde in einer vertraulichen Atmosph&#228;re statt und<br \/>\nwerde nicht durch Obleute oder Aufpasser gest&#246;rt. F&#252;r die Mediziner erzeuge die<br \/>\nAblehnung der Behandlung mit Blutprodukten in der Regel erhebliche Gewissenskonflikte,<br \/>\nda die Akutmedizin das Ziel verfolge, m&#246;glichst jeden Schaden vom Patienten<br \/>\nabzuwenden und im Sinne einer Heilung zu wirken. Einen durch eine Bluttransfusion<br \/>\nzu rettenden Patienten m&#246;glicherweise sterben zu lassen, stelle f&#252;r die<br \/>\nMediziner eine enorme Belastung dar. In jedem Falle trete f&#252;r den Mediziner ein<br \/>\nKonflikt auf, der zum einen den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung oder zum<br \/>\nanderen die Missachtung des Patientenwillens beinhalte.<br \/>\n\u2014 13 \u2014<br \/>\nDie Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen habe bereits versucht, mit einem befreundeten<br \/>\nKrankenhaus zu einer Regelung im Falle des Umganges mit Bluttransfusionen<br \/>\nzu kommen. Dessen ungeachtet erwarte die Gesch&#228;ftsleitung des Rotes-Kreuz-<br \/>\nKrankenhauses von keinem der &#196;rzte, dass er gegen sein Gewissen medizinische<br \/>\nMa&#223;nahmen einleite oder unterlasse. Dabei komme es auch darauf an, die unterschiedlichen<br \/>\nAuffassungen der &#196;rztekollegen zu ber&#252;cksichtigen und bei der Arbeitsteilung<br \/>\nentsprechend zu w&#252;rdigen. Die Arbeit der Mediziner bewege sich bez&#252;glich<br \/>\ndieses Themas in einer Grauzone. Es gebe keine belastbaren Zahlen und<br \/>\nkeine Anweisungen, wie im Zweifelsfalle zu verfahren sei.<br \/>\nDer Vertreter des Rostes-Kreuz-Krankenhauses berichtete von Einrichtungen, die<br \/>\nden Patientenwillen bei Entscheidungswilligkeit und -f&#228;higkeit ber&#252;cksichtigen w&#252;rden,<br \/>\naber im Moment des Verlustes des Bewusstseins und wenn es um Leben oder<br \/>\nTod gehe, unterstellen, der Patient entscheide sich f&#252;r das Leben. Im Klinikalltag<br \/>\nwerden die der Religionsgemeinschaft Zeugen Jehovas angeh&#246;renden Patienten als<br \/>\nrecht unselbstst&#228;ndig und schicksalsergeben erlebt und seien im Gegensatz zu anderen<br \/>\nPatienten auf der Gespr&#228;chsebene schwerer zu erreichen. H&#228;ufig k&#246;nne man<br \/>\nauch erleben, dass die Entscheidung &#252;ber die Einwilligung zu einer Bluttransfusion<br \/>\nauch auf andere Personen, in diesem Falle auf nicht unmittelbar zur Familie geh&#246;rende<br \/>\nBegleitpersonen &#252;bertragen werde. Diesen Patienten werde grunds&#228;tzlich nach<br \/>\ndem Aufkl&#228;rungsgespr&#228;ch angeboten, dass sie zu jeder Tages-und Nachtzeit nach<br \/>\neinem erneuten Gespr&#228;ch unter vier Augen verlangen k&#246;nnen. Dabei habe es auch<br \/>\nF&#228;lle gegeben, in denen dem Arzt die Entscheidung f&#252;r das richtige medizinische<br \/>\nHandeln &#252;berlassen worden sei, ohne dass andere Personen davon Kenntnis erhalten<br \/>\nh&#228;tten.<br \/>\nZur Rolle der Verbindungskomitees f&#252;hrte Prof. Dr. Huppertz aus, dass er deren Teilnahme<br \/>\nnicht als unterst&#252;tzend, sondern im Gegenteil als die Entscheidung erschwerend<br \/>\nwahrgenommen habe. Solange es sich um einen erwachsenen Patienten handele,<br \/>\nder bei vollem Bewusstsein und mit klarer Urteilskraft &#252;ber die Ablehnung einer<br \/>\nTransfusion entscheide, k&#246;nne sich der Arzt an die Entscheidung halten und sei<br \/>\nauch rechtlich abgesichert. Schwieriger werde es bei nicht einsichtsf&#228;higen, nicht<br \/>\nurteilsf&#228;higen Kindern, f&#252;r die die sorgeberechtigten Eltern zu entscheiden h&#228;tten.<br \/>\nStelle man fest, dass diese fremdgesteuert seien, dann treffe faktisch das Krankenhaus<br \/>\neine Entscheidung nach dem zuvor beschriebenen Verfahren.<br \/>\nDie Existenz des Krankenhausverbindungskomitees sei in der Klinik bekannt, jedoch<br \/>\nk&#246;nne ein bewusstlos eingelieferter Patient nicht gefragt werden, ob er Zeuge<br \/>\nJehovas ist. Entweder m&#252;sse der Patient selbst oder seine Angeh&#246;rigen diese Auskunft<br \/>\nerteilen und die Einschaltung des Verbindungskomitees fordern. In der Regel<br \/>\nwerden bei der Einlieferung eines Patienten nahe Angeh&#246;rige unterrichtet, sodass<br \/>\nnur &#252;ber diesen Weg das Verbindungskomitee informiert werden k&#246;nne. Die Klinik<br \/>\nselbst informiere das Verbindungskomitee nicht, da kein verwandtschaftlicher Bezug<br \/>\nzum Patienten bestehe.<br \/>\nDer Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine sei nur bei Herstellung eines ununterbrochenen<br \/>\nKreislaufes m&#246;glich; sie d&#252;rfe jedoch bei Patienten der Religionsgemeinschaft<br \/>\nnicht mit Fremdblut gef&#252;llt werden. Das riesige Raumvolumen der Herz-Lungen-<br \/>\nMaschine m&#252;sse vor ihrem Einsatz in der Regel mit Blut vorgef&#252;llt werden. Bei einem<br \/>\nErwachsenen k&#246;nne durch Blutverd&#252;nnung ein entsprechendes Volumen erreicht<br \/>\nwerden, sodass die Herz-Lungen-Maschine gef&#252;llt werden k&#246;nne, w&#228;hrend<br \/>\ndies bei Kindern ausgeschlossen sei. Auch beim Einsatz der Dialyse lassen Patienten<br \/>\nder Religionsgemeinschaft nur das Bef&#252;llen des Ger&#228;tes mit Dialysefl&#252;ssigkeit zu,<br \/>\nw&#228;hrend zum Beispiel bei der Peritonealdialyse und bei der H&#228;modialyse die Maschine<br \/>\nzuvor gef&#252;llt werden m&#252;sse, sodass dieses Verfahren bei den Zeugen Jehovas<br \/>\nangeh&#246;renden Patienten nicht einsetzbar sei.<br \/>\nDr. Hofmann schilderte das Umgehen des Rotes-Kreuz-Krankenhauses mit Mitgliedern<br \/>\nder Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen am Beispiel einer l&#228;nger geplanten<br \/>\ngr&#246;&#223;eren Tumoroperation. Der Patient wende sich an die Klinik und fordere von den<br \/>\nChirurgen das Versprechen, so blutarm wie m&#246;glich zu operieren. Dem Patienten<br \/>\nwerde das Risiko einer derartigen Operation erkl&#228;rt, da er im Verlauf des Eingriffs an<br \/>\neiner Verblutung sterben k&#246;nnte. Meistens verlaufe eine solche Operation trotzdem<br \/>\nerfolgreich. In diesen F&#228;llen werde das Blut so weit verd&#252;nnt, dass der Patient bleich<br \/>\nwie eine Wand werde, sich aber in der Regel im Laufe von Wochen und Monaten irgendwie<br \/>\nerholen k&#246;nne. Es gebe jedoch keine Erfolgsgarantie f&#252;r derartige Operationen.<br \/>\nZur Frage, ob sich der Heilungsprozess aufgrund einer starken Blutverd&#252;nnung<br \/>\n\u2014 14 \u2014<br \/>\nverz&#246;gern k&#246;nne, f&#252;hrte Dr. Hofmann aus, dass bei einer sehr starken Verd&#252;nnung<br \/>\ndes Blutes einhergehend mit dem Verlust der H&#228;lfte oder von Zweidrittel seines urspr&#252;nglichen<br \/>\nBlutvolumens der Kreislauf nur durch Blutersatzstoffe, Kochsalzl&#246;sungen<br \/>\noder Plasmaexpander stabilisiert werden k&#246;nne. Dabei bestehe das Risiko, dass<br \/>\ndie Sauerstofftr&#228;ger entsprechend reduziert seien und die Sauerstoffversorgung so<br \/>\nweit absinke, dass bestimmte Organe definitiv einen Schaden erleiden k&#246;nnten \u2013 sei<br \/>\nes durch einen Herzinfarkt oder durch andere Organinfarkte. Bei Gelingen der Aktion<br \/>\ngehe der Patient mit einem sehr niedrigen Gehalt an roten Blutk&#246;rperchen in die<br \/>\nGenesung, sodass sich ein sehr langwieriger Heilungsprozess anschlie&#223;e, d. h., die<br \/>\nMobilisierung werde schwierig, weil die Sauerstoffkapazit&#228;t nicht ausreiche. Allerdings<br \/>\nsei einzur&#228;umen, dass es im Verlauf der letzten zehn oder 15 Jahre hinsichtlich<br \/>\nder Toleranz von Blutarmut medizinische Ver&#228;nderungen gegeben habe. Dabei<br \/>\nhabe die Debatte um HIV und die Tatsache immer knapper werdender Vorr&#228;te an<br \/>\nBlut zu einer Absenkung der Werte, ab denen unbedingt eine Transfusion ben&#246;tigt<br \/>\nwerde, gef&#252;hrt. Ein derartiges medizinisches Vorgehen erfordere besondere Ma&#223;nahmen<br \/>\nmit erheblichen Kostenfolgen und der Bindung zus&#228;tzlicher Ressourcen, die<br \/>\nanderen Patienten dann nicht zur Verf&#252;gung stehen w&#252;rden. Der h&#228;ufigste medizinisch<br \/>\nrelevante Vorgang sei die Geburt eines Kindes. Ein Vergleich der Sterblichkeit<br \/>\nvon M&#252;ttern bei der Geburt zwischen der Allgemeinbev&#246;lkerung und der bei den<br \/>\nZeugen Jehovas habe ergeben, dass die Sterblichkeit bei den den Zeugen Jehovas<br \/>\nangeh&#246;renden M&#252;ttern erheblich h&#246;her liege als bei anderen M&#252;ttern.<br \/>\n5. Kindeswohl<br \/>\nNach den Erkenntnissen der Senatorin f&#252;r Bildung und Wissenschaft seien angesichts<br \/>\nder gro&#223;en religi&#246;sen Heterogenit&#228;t in Bremen im Schulalltag zwar Probleme zu verzeichnen,<br \/>\njedoch k&#246;nnten keine Angaben &#252;ber die aus dem Bereich der Zeugen<br \/>\nJehovas stammenden Sch&#252;ler gemacht werden, da die Religionszugeh&#246;rigkeit generell<br \/>\nnicht erfasst werde. Aus diesem Grund k&#246;nne die Frage nach der Bildungsfeindlichkeit<br \/>\ndieser Religionsgemeinschaft nicht beantwortet werden. Die Kinder der<br \/>\nZeugen Jehovas seien im Vergleich zu den vielen Religionsgemeinschaften in Bremen<br \/>\nin der Schule nicht besonders auff&#228;llig und w&#252;rden sich in der Regel passiv<br \/>\nverhalten. Zur Frage innerer Gewissenskonflikte bei den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern<br \/>\nk&#246;nne die Bildungsbeh&#246;rde keine Ausk&#252;nfte erteilen. Bei Festen und Kindergeburtstagen<br \/>\nintervenieren die Eltern der Jehovas Zeugen, wenn zum Beispiel an einer<br \/>\nGrundschule der Kindergeburtstag sehr feierlich mit Kerze und Gesang begangen<br \/>\nwerde. In derartigen F&#228;llen komme es vor, dass Zeugen Jehovas sich meldeten und<br \/>\ndarum bitten, ihrem Kind die Teilnahme an diesen aus ihrer Sicht \u201eMassenveranstaltungen\u201c<br \/>\nzu ersparen. Dies erfolge in der Regel in der Schule vor Ort, sodass das<br \/>\nRessort im Einzelfall keine Kenntnis erhalte. Schulleiter berichten hinsichtlich der<br \/>\nKlassenfahrten, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler der Zeugen Jehovas h&#228;ufig zum Zeitpunkt<br \/>\nder Klassenfahrt krank w&#252;rden. Dar&#252;ber f&#252;hre das Ressort jedoch keine Statistiken.<br \/>\nAufgrund der Bremer Klausel werde kein konfessionell gebundener Religionsunterricht<br \/>\nangeboten, vielmehr finde der Unterricht im Fach Biblische Geschichte auf<br \/>\nallgemein christlicher Grundlage mit der M&#246;glichkeit der Abwahl statt. Die Sch&#252;lerinnen<br \/>\nund Sch&#252;ler der Zeugen Jehovas nehmen am Biblischen Geschichtsunterricht<br \/>\nnicht teil und w&#228;hlen dann nicht selten den Ersatzunterricht Philosophie\/Ethik, &#252;ber<br \/>\ndie Zahl dieser Anwahlen werde keine Statistik gef&#252;hrt. Aufgrund des Fachlehrermangels<br \/>\nwerde weder das Fach Biblische Geschichte noch das Ersatzfach durchg&#228;ngig<br \/>\nan allen Schulen erteilt.<br \/>\nEine Nachfrage beim Schulpsychologischen Dienst habe ergeben, dass ein Kausalzusammenhang<br \/>\nzwischen Zeugen Jehovas und in der Schule auftretenden Problemen<br \/>\nnicht bekannt sei. Auch hier werde die Religionszugeh&#246;rigkeit nicht erfasst,<br \/>\nsodass konkrete Aussagen nicht m&#246;glich seien.<br \/>\nDie von der Senatorin f&#252;r Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales entsandte<br \/>\nMitarbeiterin des Jugendamtes ist f&#252;r die Koordination des Kinderschutzes zust&#228;ndig.<br \/>\nEs gebe wenige \u2013 zurzeit drei \u2013 Einzelf&#228;lle, in denen Kinder von Zeugen<br \/>\nJehovas betroffen seien. Es handele sich in zwei F&#228;llen um pubertierende Jugendliche,<br \/>\ndie sich selbst gemeldet h&#228;tten. Ob die Meldung urs&#228;chlich mit der Religionszugeh&#246;rigkeit<br \/>\nder Eltern zur Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas im Zusammenhang<br \/>\ngestanden habe, sei ungewiss. M&#246;glicherweise k&#246;nne ein Grund ein zwischen<br \/>\nden Eltern und den Jugendlichen auftretender Konflikt sein, wenn in der Schule<br \/>\noder durch Mitsch&#252;ler eine Konfrontation mit abweichenden Ansichten und Mei\u2014<br \/>\n15 \u2014<br \/>\nnungen stattfinde. In beiden F&#228;llen h&#228;tten die Eltern sehr schnell in eine Fremdplatzierung<br \/>\neingewilligt und somit eine Einschaltung des Familiengerichtes vermieden.<br \/>\nIn einem weiteren Fall habe keine Fremdplatzierung stattgefunden. Die Kinder<br \/>\nim Alter von zehn und 13 Jahren lebten noch bei der zu den Zeugen Jehovas geh&#246;renden<br \/>\nMutter, der Vater geh&#246;re nicht der Glaubensgemeinschaft an. Die Mutter<br \/>\nhabe in eine Unterst&#252;tzung durch die sozialp&#228;dagogische Familienhilfe eingewilligt.<br \/>\nBei der Mutter scheinen gro&#223;e psychische Probleme zu bestehen, sodass in erster<br \/>\nLinie der Vater der Kinder als Ansprechpartner f&#252;r das Amt auftrete.<br \/>\nEine Recherche beim Kinder- und Jugendnotdienst habe keine Vorf&#228;lle unter Beteiligung<br \/>\nvon Zeugen Jehovas ergeben. Der Zugang zu den Familien der Zeugen Jehovas<br \/>\nsei in der Regel sehr schwer zu bewerkstelligen. Werden Kinder aber zum Beispiel<br \/>\nzu Haust&#252;rbesuchen mitgenommen, schreite die Jugendbeh&#246;rde in der Regel ein,<br \/>\nweil in diesen F&#228;llen gegen das Kindeswohl direkt versto&#223;en werde.<br \/>\nZur Adoption erkl&#228;rte die Vertreterin der Senatorin f&#252;r Arbeit, Frauen, Gesundheit,<br \/>\nJugend und Soziales, dass sie dar&#252;ber keine Ausk&#252;nfte geben k&#246;nne.<br \/>\nNach Erkenntnissen des Vertreters von KIDS e. V. sei nicht nachzuweisen, dass in<br \/>\nallen Familien der Zeugen Jehovas k&#246;rperliche Z&#252;chtigung gepredigt oder auch vorgenommen<br \/>\nwerde. Es seien jedoch F&#228;lle bekannt, dass Kinder &#252;ber Jahre hinweg<br \/>\nvon der leiblichen Mutter und auch von der Gro&#223;mutter, die der Religionsgemeinschaft<br \/>\nangeh&#246;ren, misshandelt worden seien. Aus eigenen betreuten F&#228;llen hat der<br \/>\nVertreter von KIDS e. V. Kenntnis von k&#246;rperlichen Z&#252;chtigungen erlangt.<br \/>\nDie im Grundgesetz verankerte Achtung der Menschenw&#252;rde und das Recht auf<br \/>\nfreie Entfaltung der Pers&#246;nlichkeit f&#252;r jedermann werden durch die Zeugen Jehovas<br \/>\nnicht beachtet. Vielmehr finde eine Indoktrination und Abschottung der Kinder statt,<br \/>\ndenen die Teilnahme an Klassenfahrten, Weihnachts- und Geburtstagsfeiern nicht<br \/>\ngestattet werde. Eine Erziehung zu einem religionsm&#252;ndigen B&#252;rger erfolge nicht.<br \/>\nVielmehr werden die Kinder in eine Au&#223;enseiterrolle gedr&#228;ngt, indem man ihnen<br \/>\nvon Anfang an erkl&#228;rt, was gut und b&#246;se ist und dass die nicht an Jehova Glaubenden<br \/>\nvom Satan beherrscht seien. Eine freie Entscheidung, welcher Religionsgemeinschaft<br \/>\nsie angeh&#246;ren wollen, k&#246;nnen die Kinder nicht treffen, sodass das Grundrecht<br \/>\nauf Religionsfreiheit verletzt werde. Die Kinder aus Familien der Zeugen Jehovas<br \/>\nwerden aufgrund des keine Kritik zulassenden hierarchischen Aufbaus der Religionsgemeinschaft,<br \/>\nder Andersdenkende aussto&#223;e und aus der Gemeinschaft aussortiere,<br \/>\nnicht zur Kritikf&#228;higkeit erzogen. Der Bundesgerichtshof habe in solchen F&#228;llen<br \/>\nmehrfach entschieden, dass dem Staat diesbez&#252;glich ein W&#228;chteramt zukomme<br \/>\nund ein Eingreifen in Sorge- und Umgangsrechtsf&#228;llen geboten sei.<br \/>\nDer Vertreter von KIDS e. V. betonte ausdr&#252;cklich, dass es nicht um ein Verbot der<br \/>\nZeugen Jehovas gehe, sondern um die Frage der Privilegierung durch die Zuerkennung<br \/>\ndes Status einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts. Um diesen Status zu erreichen,<br \/>\nsei die Religionsgemeinschaft gehalten, die Grundregeln des Staates zu beachten<br \/>\nund die Grundrechte zu wahren. Dies k&#246;nne, bezogen auf die Menschenw&#252;rde<br \/>\nund die freie Entfaltung der Pers&#246;nlichkeit, als nicht gew&#228;hrleistet betrachtet werden.<br \/>\nDie Weltanschauungsbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastorin<br \/>\nWitte, erl&#228;uterte, dass die Frage der k&#246;rperlichen Z&#252;chtigung insbesondere in den<br \/>\nBeratungen von inzwischen erwachsenen Kindern immer wieder thematisiert werde.<br \/>\nZum Kindesmissbrauch habe sie in Beratungsgespr&#228;chen keine Informationen<br \/>\nerhalten.<br \/>\nZur Frage der Z&#252;chtigung und des Kindesmissbrauches &#228;u&#223;erten sich die Vertreter<br \/>\nder Aussteigerorganisationen eingehend. So zitierte Siegfried Koloschin aus dem<br \/>\nEinsichtenbuch der Wachtturm-Gesellschaft, der Elberfelder Bibel: \u201eBlutige Striemen<br \/>\nl&#228;utern den B&#246;sen und Schl&#228;ge die Kammern des Leibes\u201c. Zu diesen Aussagen<br \/>\nder Elberfelder Bibel erl&#228;utere das Lexikon: \u201eIn der Heiligen Schrift wird wiederholt<br \/>\nbetont, wie n&#252;tzlich Schl&#228;ge als Strafmittel seien k&#246;nnen.\u201c Das bedeute, die Z&#252;chtigung<br \/>\nhabe so zu erfolgen, dass sich der Gez&#252;chtigte bessere. Der konkrete Text der<br \/>\nErl&#228;uterung laute: \u201eQuetschwunden sind es, die das Schlechte wegscheuern und<br \/>\nSchl&#228;ge die innersten Teile des Leibes. Der Gez&#252;chtigte sollte erkennen, dass er<br \/>\nt&#246;richt gehandelt hatte und dass er sich &#228;ndern sollte. Wer wirklich weise ist, l&#228;sst<br \/>\nsich mit Worten zurechtweisen, sodass es nicht n&#246;tig sein wird, ihn zu schlagen.\u201c<br \/>\nHieraus sei zweifelsfrei zu erkennen, dass die Z&#252;chtigung des Kindes durch Gewalt<br \/>\nund Schl&#228;ge dem Glaubensgrundsatz der Jehovas Zeugen entspreche. Insbesondere<br \/>\n\u2014 16 \u2014<br \/>\nw&#228;hrend der Versammlungen der Zeugen Jehovas w&#252;rden st&#246;rende Kinder aus dem<br \/>\nRaum entfernt und geschlagen. Bei ihrer R&#252;ckkehr seien sie in der Regel v&#246;llig ver&#228;ngstigt<br \/>\nund versch&#252;chtert und h&#228;tten verweinte Augen.<br \/>\nDer Vertreter der Netzwerkes Sektenausstieg e. V. best&#228;tigte die Aussagen unter<br \/>\nVerweis auf seine eigenen Erfahrungen in einer Familie von Zeugen Jehovas, die die<br \/>\nGlaubenslehren sehr ernst genommen habe. Er selbst habe Z&#252;chtigungen durch den<br \/>\nVater im Namen Jehovas erfahren, die dazu dienen sollten, die Kinder zu von der<br \/>\nReligionsgemeinschaft definierten vollwertigen Dienern Gottes zu erziehen.<br \/>\nDie Vertreterin der Zeugen Jehovas Ausstieg gGmbH in Gr&#252;ndung aus Hamburg<br \/>\nbest&#228;tigte hinsichtlich der k&#246;rperlichen Z&#252;chtigungen die Aussagen der Vertreter<br \/>\nder anderen Aussteigerorganisationen.<br \/>\nStellungnahme eines Vertreters der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland<br \/>\nF&#252;r die Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland &#228;u&#223;erte sich der Justiziar<br \/>\nder Religionsgemeinschaft, Gajus Glockentin, und kritisierte, dass von der Religionsgemeinschaft<br \/>\nein Zerrbild gezeichnet worden sei. Er spreche f&#252;r 2 000 Bremer<br \/>\nZeugen Jehovas, und verwies auf das dem Ausschuss zur Verf&#252;gung gestellte Informationsmaterial,<br \/>\naus dem deutlich werde, dass die Personen, die sich darin ge&#228;u&#223;ert<br \/>\nhaben, B&#252;rger seien, die wohl integriert in dieser Gesellschaft lebten, sich wohlf&#252;hlten,<br \/>\nin der vierten, f&#252;nften und sechsten Generation in Bremen zu Hause seien und<br \/>\ndie die Anh&#246;rung des Rechtsausschusses mit Emp&#246;rung zur Kenntnis nehmen w&#252;rden.<br \/>\nDie Anh&#246;rung sei eine Inszenierung. Durch die Auswahl der Referenten sei<br \/>\nnichts anderes zu erwarten gewesen.<br \/>\nJehovas Zeugen seien seit 2006 eine K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts, was auch<br \/>\nf&#252;r das Land Bremen Wirkung entfalte. In Bremen lebende Zeugen Jehovas seien<br \/>\nMitglieder einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts, die Geistlichen seien Geistliche<br \/>\neiner K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts und die fr&#252;her als eingetragene Vereine<br \/>\norganisierten Versammlungen seien in den Vereinsregistern gel&#246;scht worden<br \/>\nund partizipierten jetzt an dem &#246;ffentlich-rechtlichen Status von Jehovas Zeugen in<br \/>\nDeutschland. Die Religionsgemeinschaft habe an ihrem Sitz im Bundesland Berlin<br \/>\nden Antrag auf Anerkennung als K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts gestellt, sodass<br \/>\ndie dort erfolgte Anerkennung zweifelsfrei f&#252;r Deutschland insgesamt gelte.<br \/>\nNach dem f&#246;deralen System sei die Religion Angelegenheit der Bundesl&#228;nder, zwischen<br \/>\ndenen in den Jahren 1954 und 1962 Vereinbarungen getroffen worden seien,<br \/>\nwonach bei einem solchen Antrag ein Konsultationsprozess, ein Pr&#228;zedenzverfahren,<br \/>\ndurchgef&#252;hrt werde, wodurch die anderen L&#228;nder im Ergebnis faktisch gebunden<br \/>\nw&#252;rden. Im Rahmen der 1992 durchgef&#252;hrten Konsultationen sei das Land Berlin<br \/>\nangehalten worden, die K&#246;rperschaftsrechte nicht zu verleihen, obwohl es eigentlich<br \/>\nverleihungswillig gewesen w&#228;re. Im Jahr 2008 habe zwischen den Ministerpr&#228;sidenten<br \/>\nund den Staatssekret&#228;ren eine Abstimmung stattgefunden mit dem Ergebnis,<br \/>\ndie K&#246;rperschaftsrechte im Nachgang zu der Erstverleihung auch in den L&#228;ndern<br \/>\nzu verleihen.<br \/>\nF&#252;r ihn stelle sich die Frage, warum sich ein Parlament damit besch&#228;ftigen m&#252;sse. Es<br \/>\nhandele sich um ein Verfassungsrecht nach Artikel 140 Grundgesetz, das zur&#252;ckgehe<br \/>\nauf Artikel 137 Absatz 5 der Weimarer Verfassung, wonach eine Religionsgemeinschaft,<br \/>\ndie die Gew&#228;hr der Dauer biete, das Recht habe \u2013 und so sei das f&#252;r ein<br \/>\nplurales Land vorgesehen \u2013, die K&#246;rperschaftsrechte zu erlangen, um auf dieser rechtlichen<br \/>\nEbene mit anderen Religionsgemeinschaften gleichgestellt zu werden. In Bremen<br \/>\nverfolge man die Gleichstellung mit den Neuapostolen, der Christengemeinschaft<br \/>\nund anderen auch kleineren Religionsgemeinschaften. Er bestreite nicht, dass<br \/>\nder Weg &#252;ber die Gesetzgebung durch das Parlament in der Landesverfassung geregelt<br \/>\nwerden k&#246;nne, aber er verweise auf den Gesetzesantrag der FDP.<br \/>\nZur Frage der Rechtstreue sei zu pr&#252;fen, inwieweit die in der Verfassung verankerten<br \/>\nGrundrechte in einfaches Gesetz umgesetzt worden seien und ob insoweit Gesetzesverst&#246;&#223;e<br \/>\nvorliegen w&#252;rden. Nach seiner Ansicht sei es keine Frage der Grundrechte,<br \/>\nsondern beispielsweise des Familienrechtes im B&#252;rgerlichen Gesetzbuch, gegen<br \/>\ndas versto&#223;en werden m&#252;sste, um Gesetzesverst&#246;&#223;e feststellen zu k&#246;nnen. Die<br \/>\nBerichte &#252;ber tats&#228;chlich Erlebtes, &#252;ber Dinge, die Leid in Familien verursacht haben,<br \/>\nmachten ihn jedes Mal aufs Neue betroffen. Es seien Handlungen, die nicht<br \/>\ngutgehei&#223;en werden k&#246;nnen, die man von sich weisen m&#252;sse. Es seien aber auch die<br \/>\n\u2014 17 \u2014<br \/>\nanderen Familienangeh&#246;rigen zu h&#246;ren, die kritisiert w&#252;rden, denen sch&#228;ndliches<br \/>\nVerhalten vorgeworfen werde. Es stelle sich die Frage, welche Zusammenh&#228;nge<br \/>\nzwischen der Religionszugeh&#246;rigkeit und den der Religionsgemeinschaft vorgeworfenen<br \/>\nSachverhalten bestehen. Er k&#246;nne keine Rechtsverst&#246;&#223;e anhand von Entscheidungen<br \/>\nund praktischen F&#228;llen erkennen. Vielmehr handele es sich um pauschale<br \/>\nVorw&#252;rfe und die Schilderung vieler Begebenheiten. Herr Glockentin kritisierte, dass<br \/>\ndurch die Anh&#246;rung 2 000 B&#252;rger mit Schmutz beworfen w&#252;rden.<br \/>\nAus der Enquetekommission des Deutschen Bundestages aus dem Jahre 1996 seien<br \/>\nnach zweij&#228;hrigen Untersuchungen und in den Bundesl&#228;ndern durchgef&#252;hrten Umfragen<br \/>\nkeine konkreten F&#228;lle festgestellt worden. Aus diesem Grund seien Jehovas<br \/>\nZeugen die K&#246;rperschaftsrechte zu Recht zuerkannt worden. Angesichts der Zahl<br \/>\nder die Religionsgemeinschaft jedes Jahr Verlassenden, die sich zwischen 1 000 und<br \/>\n2 000 Personen bewege, handele es sich in dem Zeitraum der Verfahrensdauer von<br \/>\n20 Jahren um 40 000 Personen, die nicht mehr Zeugen Jehovas sind. Es sei zu fragen,<br \/>\nwo die Berichte &#252;ber eingetretene Sch&#228;den seien. Er sei in der vierten Generation<br \/>\nein Zeuge Jehovas und habe die in der Anh&#246;rung geschilderten Vorf&#228;lle nicht ansatzweise<br \/>\nerlebt.<br \/>\nDas Zitieren aus Schriften der Zeugen Jehovas sei nicht geeignet, ein objektives Bild<br \/>\nder Religionsgemeinschaft zu zeichnen. Die Weltanschauungsbeauftragten der Kirchen<br \/>\noder Personen, die sich mit einem missionarischen Eifer gegen die Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen verschrieben h&#228;tten, w&#252;rden nicht davor zur&#252;ckschrecken,<br \/>\ngef&#228;lschte Briefe ins Internet zu stellen und haltlose Anschuldigungen zu verbreiten.<br \/>\nEine Religionsgemeinschaft bestehe aus Einzelpersonen, die sich unterschiedlich<br \/>\nverhalten und aufgrund der Empfehlungen der Bibelauslegung den christlichen<br \/>\nGlauben auf die eine oder andere Weise praktizieren w&#252;rden. Die Aussagen &#252;ber<br \/>\ndie Innen- und Au&#223;endarstellung bei Jehovas Zeugen sei eine Verbr&#228;mung dessen,<br \/>\nwas als Ideal vorgegeben werde. Selbstverst&#228;ndlich werde empfohlen, sich m&#246;glichst<br \/>\neng an die Auslegung der Bibel zu halten, wobei zu beachten sei, dass jeder seinen<br \/>\nSpielraum nutze und dies auf die eine oder andere Weise praktiziere oder auch nicht.<br \/>\nIn der Anh&#246;rung sei aus Publikationen zitiert worden, die dem Wandel der Zeit unterl&#228;gen<br \/>\nund nicht mehr aktuell seien. Folglich seien sie auch nicht geeignet, ein reales<br \/>\nBild der Religionsgemeinschaft zu zeichnen. Er verweise auf Zeiten, in denen<br \/>\nKinder von Lehrern geschlagen worden seien, was heute nicht mehr geschehe.<br \/>\nIV. Nicht &#246;ffentliche Anh&#246;rung einer Aussteigerin in vertraulicher Sitzung am<br \/>\n16. Februar 2011<br \/>\nDer Rechtsausschuss setzte seine Sitzung am 16. Februar 2011 mit der Anh&#246;rung<br \/>\neiner Aussteigerin in einem nicht &#246;ffentlichen und vertraulichen Teil fort.<br \/>\nDie Aussteigerin berichtete &#252;ber ihre Erfahrungen nach dem Einstieg der Mutter bei<br \/>\nden Zeugen Jehovas und ihrem Ausstieg, der Jahre sp&#228;ter gemeinsam mit dem Ehemann<br \/>\nerfolgte. Freundschaften und soziale Kontakte au&#223;erhalb des Arbeitsplatzes<br \/>\nseien in der Folge abgebrochen worden. Besonders eindrucksvoll schilderte die Aussteigerin<br \/>\ndie Auswirkungen ihres Ausstiegs, der zu einem nahezu vollst&#228;ndigen<br \/>\nKontaktabbruch zur Mutter f&#252;hrte, sodass das urspr&#252;nglich sehr gute Verh&#228;ltnis zur<br \/>\nMutter faktisch beendet wurde. Des Weiteren belegte die Aussteigerin die in der Anh&#246;rung<br \/>\nzutage getretenen Probleme mit Bluttransfusionen bei notwendigen medizinischen<br \/>\nMa&#223;nahmen anhand ihrer eigenen Erfahrung bei der Geburt ihres ersten<br \/>\nKindes. Das seinerzeit zu Rate gezogene Krankenhausverbindungskomitee habe einen<br \/>\nKrankenhausaufenthalt im Klinikum Bremen-Mitte empfohlen, obgleich der damalige<br \/>\nWohnort ein Aufsuchen eines nahegelegenen Krankenhauses in Oldenburg<br \/>\nangezeigt h&#228;tte. Die Krankenhausverbindungskomitees werden zusammengesetzt<br \/>\nvon den &#196;ltesten der verschiedenen Gemeinden \u2013 so auch in Bremen und in Oldenburg.<br \/>\nZur Z&#252;chtigung von Kindern f&#252;hrte die Aussteigerin aus, dass ihr Ehepartner ab dem<br \/>\nZeitpunkt des Beitritts der Mutter zu den Zeugen Jehovas von dieser geschlagen<br \/>\nworden sei, was vorher nicht der Fall gewesen sei. Aus eigener Anschauung in den<br \/>\nVersammlungen erinnerte sie sich, dass von den Eltern der Kleinkinder erwartet<br \/>\nwerde, dass sich die Kinder ruhig verhalten und notfalls Schl&#228;ge eingesetzt werden.<br \/>\nSie selbst habe ihr Kind nicht geschlagen, sondern stattdessen den Versammlungsraum<br \/>\nmit dem Kind verlassen, um es drau&#223;en spielen zu lassen, was von anderen<br \/>\nZeugen Jehovas mit b&#246;sen Blicken quittiert worden sei. Sie habe auch Hinweise von<br \/>\nanderen Zeugen Jehovas erhalten, das Kind m&#252;sse durch Schl&#228;ge zum Stillsitzen ge\u2014<br \/>\n18 \u2014<br \/>\nzwungen werden. Andere M&#252;tter seien mit ihren Kindern regelm&#228;&#223;ig herausgegangen<br \/>\nund mit tr&#228;nen&#252;berstr&#246;mten Kindern auf dem Arm wieder zur&#252;ckgekehrt. Die<br \/>\nKinder h&#228;tten sich sodann v&#246;llig ver&#228;ngstigt hingesetzt.<br \/>\nZur Situation in der Familie f&#252;hrte die Aussteigerin aus, dass die Kontakte zu den<br \/>\ngetrennt lebenden V&#228;tern sowohl in ihrem als auch im Falle ihres Ehemannes weitestgehend<br \/>\nunterbunden werden sollten. Da dessen Vater im Ausland gelebt habe,<br \/>\nsei der Kontakt ohnehin nicht sehr intensiv gewesen; dennoch sei versucht worden,<br \/>\nDruck auf ihren Ehemann dahingehend auszu&#252;ben, den Kontakt zum Vater vollst&#228;ndig<br \/>\nabzubrechen.<br \/>\nZur zeitlichen Inanspruchnahme durch die Religionsgemeinschaft erl&#228;uterte die Aussteigerin,<br \/>\ndass jeweils am Dienstagabend eine Stunde Bibelstudium im kleineren<br \/>\nKreis privat bei einem Glaubensbruder oder einer Glaubensschwester mit ungef&#228;hr<br \/>\nzehn Personen stattgefunden habe. Am Donnerstagabend habe es f&#252;r circa zwei Stunden<br \/>\nund am Sonntag auch noch einmal f&#252;r circa zwei bis drei Stunden eine Zusammenkunft<br \/>\ngegeben. Aktuell sei eine Ver&#228;nderung insoweit eingetreten, als die Stunde<br \/>\nam Dienstag mit anderen Zusammenk&#252;nften zusammengelegt worden sei. Am<br \/>\nSamstagvormittag gebe es immer einen Treffpunkt f&#252;r den Predigtdienst, bevor alle<br \/>\nin ihre Predigtdienstgebiete starten. Dazwischen finde das &#252;bliche Programm mit<br \/>\ndem t&#228;glichen Lesen der Bibel und Tagestexte in den Wachtturm- und Erwachet-<br \/>\nZeitschriften und den Vorbereitungen auf Zusammenk&#252;nfte statt. Die Zeiten und der<br \/>\nUmfang seien weltweit einheitlich f&#252;r alle Zeugen Jehovas vorgeschrieben.<br \/>\nBeim Begehen von Straftaten, zum Beispiel K&#246;rperverletzung oder Diebstahl, sei es<br \/>\nnicht verboten, einen Glaubensbruder anzuzeigen, man werde daf&#252;r auch nicht ausgeschlossen.<br \/>\nAls Vorstufe des Ausschlusses werde man \u201ebezeichnet gehalten\u201c, das<br \/>\nbedeutet, dass man weiter zu den Zusammenk&#252;nften kommen darf, aber sich nicht<br \/>\nmehr aktiv beteiligen darf. Das Erstatten einer Strafanzeige gegen einen Glaubensbruder<br \/>\nsei insofern verp&#246;nt, als zun&#228;chst eine interne Regelung zu suchen sei; dies<br \/>\ngelte auch f&#252;r F&#228;lle von Kindesmissbrauch. Aus eigener Anschauung konnte die<br \/>\nAussteigerin nicht berichten, dass Straftaten nicht zur Anzeige gebracht werden durften;<br \/>\nsie verwies auf Informationen vom H&#246;rensagen.<br \/>\nV. Erg&#228;nzende Ausk&#252;nfte der Senatorin f&#252;r Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und<br \/>\nSoziales sowie der Senatorin f&#252;r Bildung und Wissenschaft am 16. M&#228;rz 2011<br \/>\nAufgrund in der &#246;ffentlichen Anh&#246;rung vom 16. Februar 2011 offen gebliebener Fragen<br \/>\nan die Ressorts Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales sowie Bildung<br \/>\nund Wissenschaft beschloss der Ausschuss, in seiner Sitzung am 16. M&#228;rz 2011 nochmals<br \/>\nVertreter dieser Ressorts zu h&#246;ren, die zum Umgang mit Kindern aus Familien<br \/>\nder Zeugen Jehovas und zu Erkenntnissen aus Adoptionsverfahren sowie zur Praxis<br \/>\nim Schulalltag Auskunft erteilen sollten. &#220;ber diesen Teil der &#246;ffentlichen Sitzung<br \/>\nwurde ein Wortprotokoll erstellt.<br \/>\nDie Vertreterinnen der Adoptionsstelle bei der Senatorin f&#252;r Arbeit, Frauen, Gesundheit,<br \/>\nJugend und Soziales konnten keine weitergehenden Ausk&#252;nfte zu Adoptionsentscheidungen<br \/>\nim Zusammenhang mit Familien der Zeugen Jehovas erteilen.<br \/>\nF&#252;r den Bereich der Schule stellte die Leiterin des F&#246;rderzentrums an der Marcusallee<br \/>\ndie Situation aus der Sicht der Schulpraxis dar. Die Schule umfasse die Klassenstufen<br \/>\n1 bis 10, sei zwar sehr klein, aber aufgrund dessen kenne man jeden einzelnen<br \/>\nSch&#252;ler und jedes Elternhaus. Zu unterscheiden sei zwischen dem Unterricht in<br \/>\nder Primarstufe und der Sekundarstufe. Der Unterricht in der Primarstufe entspreche<br \/>\ndem Jahresverlauf. Es gebe Feiern zu Ostern, zum Sommer- und Herbstanfang, zu<br \/>\nHalloween, Nikolaus und Weihnachten, an denen die Kinder der Zeugen Jehovas<br \/>\nnicht teilnehmen d&#252;rfen. Bei einer der letzten Weihnachtsfeiern habe eine Sch&#252;lerin<br \/>\nbereits eine Rolle &#252;bernommen gehabt, die sie sehr gerne habe spielen wollen. Nachdem<br \/>\ndie Eltern davon erfahren hatten, habe sie diese Rolle nicht mehr spielen d&#252;rfen,<br \/>\nsodass sie nur noch bei den Requisiten habe t&#228;tig sein k&#246;nnen. Auff&#228;llig sei, dass<br \/>\ndie Kinder am Montag in der Regel keine Hausaufgaben gemacht h&#228;tten. Es werde<br \/>\ndie Auffassung vertreten, dass das geringere Aufgabenvolumen vom Freitag zu erf&#252;llen<br \/>\nsei. Am Montag werde darauf verwiesen, dass die Kinder am Wochenende<br \/>\nkeine Zeit hatten, weil sie mit den Eltern zu den Feierlichkeiten der Zeugen Jehovas<br \/>\nunterwegs gewesen seien.<br \/>\nAuch im sozialen Bereich sei eine starke Ausgrenzung der Kinder zu beobachten.<br \/>\nW&#228;hrend die Schule die Inklusion als Ziel anstrebe, w&#252;rden die Kinder der Zeugen<br \/>\n\u2014 19 \u2014<br \/>\nJehovas exkludiert, da ihnen die Teilnahme an Feiern nicht gestattet werde. Das F&#246;rderzentrum<br \/>\nan der Marcusallee sei eine &#252;berregionale Schule, sodass sich die Kinder<br \/>\nnachmittags mit anderen verabreden, auch um eventuell zu &#252;bernachten. Diese Aktivit&#228;ten<br \/>\nseien den Kindern der Zeugen Jehovas ebenso wie die Teilnahme an Klassenfahrten<br \/>\nnicht erlaubt. Da Klassenfahrten im Lehrplan als verpflichtender Unterrichtsbestandteil<br \/>\nausgewiesen seien, m&#252;sse stattdessen f&#252;r die Kinder der Zeugen<br \/>\nJehovas eine vern&#252;nftige alternative Besch&#228;ftigung f&#252;r die Dauer der Klassenreise<br \/>\ngefunden werden. H&#228;ufig werde ihnen die Ableistung eines Praktikums angeboten.<br \/>\nEs finde aufgrund der Nichtteilnahme an au&#223;erunterrichtlichen Aktivit&#228;ten eine nahezu<br \/>\nvollst&#228;ndige Ausgrenzung statt. W&#228;hrend t&#252;rkische Eltern zum Teil nach Ansprache<br \/>\ndurch die Schule ihren Kindern die Teilnahme an diesen Aktivit&#228;ten erm&#246;glichen<br \/>\nw&#252;rden, seien die Eltern der Jehovas Zeugen in der Regel nicht zu &#252;berzeugen.<br \/>\nDer Vertreter des Ressorts Bildung und Wissenschaft erg&#228;nzte, dass im Rahmen von<br \/>\nSchulleiterdienstbesprechungen das Thema Klassenfahrten und die Teilnahme daran<br \/>\nbehandelt werde, wobei dies nicht nur ein Problem der Kinder der Zeugen Jehovas,<br \/>\nsondern muslimische Kinder betreffe. Gegenw&#228;rtig werde eine Handreichung vorbereitet,<br \/>\nwie mit religi&#246;ser Heterogenit&#228;t im Zusammenhang mit Klassenfahrten,<br \/>\nSchulfeiern, Festen und Abschlussfahrten umgegangen werden solle. Die als Pflichtveranstaltungen<br \/>\neinzuordnenden Klassenfahrten seien so offen zu gestalten, dass<br \/>\njeder Sch&#252;ler daran teilnehmen k&#246;nne. Im Rahmen von Einzelgespr&#228;chen seitens<br \/>\nder Schulleitungen, h&#228;ufig auch begleitet von Vertretern der Schulaufsicht, w&#252;rden<br \/>\nbei den muslimischen Eltern in der Regel Erfolge erzielt, sodass diesen Kindern die<br \/>\nTeilnahme erm&#246;glicht werde. Bei den Zeugen Jehovas gelinge dies hingegen nicht.<br \/>\nHinsichtlich des Auftrages der Schule, Kinder zu selbstst&#228;ndigen und selbstdenkenden<br \/>\nMenschen zu erziehen, erg&#228;nzte die Leiterin des F&#246;rderzentrums an der Marcusallee,<br \/>\ndass dies bei den Kindern der Zeugen Jehovas in der Regel nicht m&#246;glich sei.<br \/>\nVI. Auswertung der Anh&#246;rungen vom 16. Februar 2011 sowie der erg&#228;nzenden<br \/>\nAusf&#252;hrungen vom 16. M&#228;rz 2011 unter Einbeziehung der Stellungnahme der<br \/>\nZeugen Jehovas in Deutschland vom 28. M&#228;rz 2011<br \/>\nDie durch den Rechtsausschuss der B&#252;rgerschaft (Landtag) durchgef&#252;hrte Anh&#246;rung<br \/>\nergab, dass eine eigenst&#228;ndige Pr&#252;fung der Rechtstreue als Voraussetzung f&#252;r eine<br \/>\nVerleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts in der Freien Hansestadt<br \/>\nBremen auch nach einer sogenannten Erstverleihung durch das Bundesland<br \/>\nBerlin zul&#228;ssig ist. Die Frage der \u201eGew&#228;hr der Rechtstreue\u201c der Zeugen Jehovas im<br \/>\nHinblick auf die Beeintr&#228;chtigung oder Gef&#228;hrdung der Grundrechte Dritter wurde<br \/>\nf&#252;r die Freie Hansestadt Bremen noch nicht verbindlich gerichtlich entschieden, sodass<br \/>\neine andere rechtliche W&#252;rdigung als die bisher vom Oberverwaltungsgericht<br \/>\nBerlin f&#252;r das Land Berlin vertretene zul&#228;ssig ist. Das Oberverwaltungsgericht Berlin<br \/>\nhat anders als im Gesetzgebungsverfahren in der Freien Hansestadt Bremen die<br \/>\nAussagen ehemaliger Zeugen Jehovas, ihrer Angeh&#246;rigen, Vertretern von Selbsthilfevereinen<br \/>\nund Beratungsinstitutionen nicht in seine Entscheidungsfindung einbezogen.<br \/>\nDer Rechtsausschuss wertete die Anh&#246;rungen vom 16. Februar 2011 sowie die erg&#228;nzenden<br \/>\nAusf&#252;hrungen der Ressortvertreter vom 16. M&#228;rz 2011 unter Einbeziehung<br \/>\nder Stellungnahme der Zeugen Jehovas in Deutschland vom 28. M&#228;rz 2011 wie folgt<br \/>\naus:<br \/>\n1. Ehe und Familie<br \/>\nNach Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz stehen Ehe und Familie unter dem besonderen<br \/>\nSchutz der staatlichen Ordnung. Es ist zu beleuchten, ob und inwieweit die Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen durch ihr Verhalten und durch ihre Mitglieder den<br \/>\ngrundgesetzlich garantierten Schutz von Ehe und Familie beeintr&#228;chtigt oder gar<br \/>\ngef&#228;hrdet. Eine Beeintr&#228;chtigung oder Gef&#228;hrdung k&#246;nnte in der Ausgrenzung der<br \/>\nsich von der Religionsgemeinschaft abwendenden Familienmitglieder gesehen werden.<br \/>\nDabei kann es sich sowohl um Ehepartner als auch um Kinder \u2013 insbesondere<br \/>\nvollj&#228;hrige Kinder \u2013 einer Familie der Zeugen Jehovas handeln.<br \/>\nSowohl in der &#246;ffentlichen Anh&#246;rung als auch im nicht &#246;ffentlichen Teil erkl&#228;rten die<br \/>\nin der Aussteigerberatung t&#228;tigen Referenten sowie die Vertreter der Aussteigerorganisationen<br \/>\n&#252;bereinstimmend, dass sowohl nach den Schriften der Zeugen Jehovas<br \/>\n\u2014 20 \u2014<br \/>\nals auch nach dem Verhalten der &#196;ltesten aber auch der Mitglieder der Religionsgemeinschaft<br \/>\nselbst die Erwartungshaltung formuliert werde, dass der Kontakt zu einem<br \/>\nnicht mehr der Religionsgemeinschaft angeh&#246;renden Familienmitglied abgebrochen<br \/>\noder mindestens sehr stark eingeschr&#228;nkt werden m&#252;sse.<br \/>\nAuch wenn die Religionsgemeinschaft in der vom Rechtsausschuss erbetenen gesonderten<br \/>\nStellungnahme darstellt, dass die Mitglieder in diesen F&#228;llen einen Entscheidungsspielraum<br \/>\nh&#228;tten, so wurde von den Referenten in der Anh&#246;rung glaubhaft<br \/>\nversichert, dass aktiv auf die Trennung von ausgestiegenen Ehepartnern und Familienmitgliedern<br \/>\nhingewirkt werde. Der Justiziar der Religionsgemeinschaft Zeugen<br \/>\nJehovas hat dieser Darstellung in der Anh&#246;rung sowie in der Stellungnahme nicht<br \/>\nkonkret widersprochen.<br \/>\nDas Verhalten der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas gef&#228;hrdet insbesondere<br \/>\nden Bestand von Familien, da in diversen Schriften Verhaltensregeln aufgestellt werden,<br \/>\nnach denen der Kontakt zu aus der Religionsgemeinschaft ausgeschlossenen<br \/>\noder ausgetretenen Familienmitgliedern abzubrechen sei. Dieser Umstand wurde<br \/>\nvon den Referenten der Beratungsinstitutionen und Aussteigerorganisationen in der<br \/>\nAnh&#246;rung sowie durch Zitate aus Ver&#246;ffentlichungen der Religionsgemeinschaft belegt.<br \/>\nDas Bundesverfassungsgericht spricht in seiner Entscheidung vom 19. Dezember<br \/>\n2000 (2 BvR 1500\/97) von einer typisierenden Gesamtbetrachtung. Der Sachverhalt<br \/>\ndes Trennungsgebotes wurde auch von der Aussteigerin, die in nicht &#246;ffentlicher<br \/>\nSitzung angeh&#246;rt wurde, best&#228;tigt. Die Mutter der Aussteigerin brach den urspr&#252;nglich<br \/>\nsehr intensiven Kontakt zur Tochter nach deren Austritt aus der Religionsgemeinschaft<br \/>\nnahezu vollst&#228;ndig ab.<br \/>\nDas Verhalten der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas stellt auch eine Gef&#228;hrdung<br \/>\ndes Bestandes der Ehe dar. Der Ehepartner, der ausgeschlossen wird oder<br \/>\naus der Gemeinschaft austritt, gilt als \u201eabtr&#252;nnig\u201c. Auch in diesen F&#228;llen wird der<br \/>\nAbbruch des Kontaktes von der Religionsgemeinschaft sowohl nach ihren Schriften<br \/>\nals auch nach ihrem Verhalten erwartet. Diesen Sachverhalt haben die umfangreichen<br \/>\nStellungnahmen der Vertreterinnen und Vertreter der Aussteigerorganisationen<br \/>\nbest&#228;tigt.<br \/>\nDer Weltanschauungsbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche berichtete<br \/>\nanhand seiner praktischen Erfahrung und aus langj&#228;hriger Beratungst&#228;tigkeit, dass<br \/>\ndie Religionsgemeinschaft erwarte, dass sich der noch an Jehova Glaubende von dem<br \/>\nsich einer anderen Glaubens- oder Lebensanschauung n&#228;hernden Partner trenne<br \/>\nund keinerlei Kontakt mehr halte. Im Jahr 2010 habe er insgesamt 15 entsprechende<br \/>\nBeratungsf&#228;lle betreffend Jehovas Zeugen gehabt, die damit eindeutig an der Spitze<br \/>\nim Vergleich zu anderen Sekten oder Religionsgemeinschaften stehen.<br \/>\nIm Ergebnis ist festzustellen, dass die Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen durch<br \/>\nihr Verhalten und durch ihre Schriften Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz verletzt, indem<br \/>\nsie den Schutz von Ehe und Familie beeintr&#228;chtigt oder gef&#228;hrdet.<br \/>\n2. Religionsfreiheit<br \/>\nNach Artikel 4 Absatz 1 Grundgesetz ist die Freiheit des Glaubens, des Gewissens<br \/>\nund die Freiheit des religi&#246;sen und weltanschaulichen Bekenntnisses unverletzlich.<br \/>\nDie Verfassungsvorschrift beinhaltet somit ausdr&#252;cklich eine negative Komponente<br \/>\nder Religionsfreiheit, sodass die Entscheidung f&#252;r oder gegen einen Glauben ausschlie&#223;lich<br \/>\nSache des Einzelnen und nicht des Staates ist. Der Staat darf einen Glauben<br \/>\noder eine Religion weder vorschreiben noch verbieten. Die Glaubensfreiheit beinhaltet<br \/>\nnicht nur die Freiheit, einen Glauben zu haben, sondern auch die Freiheit,<br \/>\nnach eigenen Glaubens&#252;berzeugungen zu leben und zu handeln. Diese Freiheit<br \/>\nschlie&#223;t das Recht eines jeden ein, kultischen Handlungen eines nicht geteilten Glaubens<br \/>\nfern bleiben zu k&#246;nnen (vergleiche Bundesverfassungsgericht, Urteil vom<br \/>\n16. Mai 1995 \u2013 1 BvR 1087\/91). Die Religionsfreiheit dokumentiert sich auch darin,<br \/>\nein Bekenntnis oder eine Zugeh&#246;rigkeit zu einer Kirche oder einer Religionsgemeinschaft<br \/>\nselbst und frei von staatlichem Zwang zu bestimmen. Eingeschlossen ist ausdr&#252;cklich<br \/>\ndie Freiheit, einer Kirche oder einer solchen Religionsgemeinschaft fern<br \/>\nbleiben zu k&#246;nnen, ebenso wie die freie Entscheidung, sich jederzeit von der kirchlichen<br \/>\nMitgliedschaft durch Austritt zu befreien. Dies vorausgesetzt, hat das Bundesverfassungsgericht<br \/>\nin seinem Urteil vom 19. Dezember 2000 (2 BvR 1500\/97) den mit<br \/>\nder Pr&#252;fung des Antrags der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas auf Verleihung<br \/>\nder Rechte einer &#246;ffentlich-rechtlichen K&#246;rperschaft betrauten Beh&#246;rden und<br \/>\n\u2014 21 \u2014<br \/>\nGerichten ausdr&#252;cklich den Auftrag erteilt, zu pr&#252;fen, ob die Religionsgemeinschaft<br \/>\nder Zeugen Jehovas Austrittwillige zwangsweise oder mit vom Grundgesetz missbilligten<br \/>\nMitteln in der Gemeinschaft festh&#228;lt und damit die von Artikel 4 Grundgesetz<br \/>\npostulierte negative Religionsfreiheit beeintr&#228;chtigt oder gef&#228;hrdet.<br \/>\nDas Bundesverfassungsgericht fasst in seiner Entscheidung zusammen, dass ein solches<br \/>\nVerhalten zur Versagung des &#246;ffentlich-rechtlichen K&#246;rperschaftsstatus f&#252;hren<br \/>\nm&#252;sse. Beeintr&#228;chtigt oder gef&#228;hrdet der Austritt aus der Religionsgemeinschaft der<br \/>\nZeugen Jehovas den grundgesetzlich garantierten Schutz von Ehe und Familie, so<br \/>\nhat dies regelm&#228;&#223;ig Auswirkungen auf das beabsichtigte Ausscheiden aus der Religionsgemeinschaft,<br \/>\nsodass eine Verletzung der Religionsfreiheit nach Artikel 4 Grundgesetz<br \/>\ndie Folge sei (vergleiche Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 17. Mai 2001<br \/>\n\u2013 7 C 1\/01).<br \/>\nNach allem kann eine Beeintr&#228;chtigung und Gef&#228;hrdung der negativen Religionsfreiheit<br \/>\naustrittwilliger Mitglieder durch die Zeugen Jehovas angenommen werden.<br \/>\nDem steht auch nicht die Aus&#252;bung der positiven Religionsfreiheit der Zeugen Jehovas<br \/>\nals Rechtfertigungsgrund entgegen. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem<br \/>\nUrteil vom 19. Dezember 2000 ausdr&#252;cklich festgestellt, dass sich eine Gemeinschaft<br \/>\nnicht auf die Aus&#252;bung ihrer Religionsfreiheit berufen k&#246;nne, um eine Beeintr&#228;chtigung<br \/>\noder Gef&#228;hrdung der Grundrechte Dritter zu rechtfertigen. Vielmehr sei eine<br \/>\nReligionsgemeinschaft als K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts dazu angehalten, die<br \/>\nihr &#252;bertragene Hoheitsgewalt im Einklang mit den verfassungsrechtlichen und sonstigen<br \/>\ngesetzlichen Vorgaben auszu&#252;ben, auch wenn nicht jeder einzelne Versto&#223;<br \/>\ngegen Recht und Gesetz die Gew&#228;hr rechtstreuen Verhaltens infrage stelle.<br \/>\nDie Verleihung des Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts setzt voraus,<br \/>\ndass die selbst nicht an die einzelnen Grundrechte gebundenen Religionsgemeinschaften<br \/>\ndie Grundrechte beachten. Hierzu geh&#246;ren der Schutz von Ehe und Familie<br \/>\nnach Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz sowie die Religionsfreiheit nach Artikel 4 Grundgesetz.<br \/>\nDie Voraussetzung der Rechtstreue wird verfassungsrechtlich insoweit beschr&#228;nkt,<br \/>\nals die an die Rechtstreue gerichteten Anforderungen nicht so zu fassen<br \/>\nsind, dass sie ihrerseits im Widerspruch zu den prinzipiellen Wertungen des verfassungsrechtlichen<br \/>\nReligions- und Staatskirchenrechts stehen. Wegen des staatlichen<br \/>\nNeutralit&#228;tsgebotes d&#252;rfe daher nicht der Glaube als solcher, sondern das Verhalten<br \/>\neiner Religionsgemeinschaft beziehungsweise ihrer Mitglieder bewertet werden. So<br \/>\nverlange die Religionsfreiheit ferner, dass sich aus der Verfassung keine Vorgabe f&#252;r<br \/>\ndie Binnenstruktur einer Religionsgemeinschaft ergeben und dass eine besondere,<br \/>\n&#252;ber die Rechtstreue hinausgehende Loyalit&#228;t zum Staat auch von einer K&#246;rperschaft<br \/>\ndes &#246;ffentlichen Rechts nicht gefordert werden d&#252;rfe (vergleiche Bundesverfassungsgericht,<br \/>\nUrteil vom 19. Dezember 2000 \u2013 2 BvR 1500\/97).<br \/>\nIm Ergebnis ist festzuhalten, dass ein die Grundrechte Dritter beeintr&#228;chtigendes<br \/>\noder gef&#228;hrdendes Verhalten grunds&#228;tzlich nicht mit der Wahrnehmung der eigenen<br \/>\nReligionsfreiheit zu rechtfertigen ist. Das von Artikel 4 Abs&#228;tze 1 und 2 Grundgesetz<br \/>\numfasste einheitliche Grundrecht, zu glauben oder nicht zu glauben, die Freiheit,<br \/>\nden Glauben zu bekunden und zu verbreiten, schlie&#223;t ebenso das Recht des<br \/>\nEinzelnen, sein gesamtes Verhalten an den Lehren seines Glaubens auszurichten<br \/>\nund entsprechend seiner inneren Glaubens&#252;berzeugung zu handeln, ein. Artikel 4<br \/>\nGrundgesetz sch&#252;tzt gleicherma&#223;en die Werbung f&#252;r einen Glauben und das Abwerben<br \/>\nvon einem anderen Glauben (vergleiche Bundesverfassungsgericht, Entscheidung<br \/>\nvom 8. November 1960 \u2013 1 BvR 59\/65).<br \/>\nUngeachtet der in Artikel 4 Abs&#228;tze 1 und 2 Grundgesetz vorbehaltlos verb&#252;rgten<br \/>\nGlaubensfreiheit k&#246;nnen sich aus der Verfassung selbst Einschr&#228;nkungen ergeben,<br \/>\ninsbesondere, wenn Grundrechte Dritter sowie Gemeinschaftswerte von Verfassungsrang<br \/>\nber&#252;hrt sind (vergleiche Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 24. September<br \/>\n2003 \u2013 2 BvR 1436\/02). Diese Einschr&#228;nkungen begr&#252;nden sich aus dem Schutz der<br \/>\nFamilie als Lebens- und Begegnungsgemeinschaft nach Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz,<br \/>\naus der negativen Religionsfreiheit nach Artikel 4 Grundgesetz sowie aus dem<br \/>\nvon Artikel 79 Absatz 3 Grundgesetz auch bei der Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft<br \/>\ndes &#246;ffentlichen Rechts nach Artikel 140 Grundgesetz, Artikel 137 Absatz 5<br \/>\nWeimarer Verfassung gebotenen Schutzauftrag des Staates.<br \/>\nUnber&#252;hrt bleibt das Recht einer Religionsgemeinschaft \u2013 wie zum Beispiel Zeugen<br \/>\nJehovas \u2013, selbst dar&#252;ber zu bestimmen, wer Mitglied sein und wer wegen einer<br \/>\nNicht&#252;bereinstimmung mit der Lehre von der Religionsgemeinschaft ausgeschlos\u2014<br \/>\n22 \u2014<br \/>\nsen werden kann. Eine dar&#252;ber hinausgehende Sanktionierung eines Austrittes oder<br \/>\neines Ausschlusses, die geeignet ist, Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz und damit Grundrechte<br \/>\nDritter zu verletzen, ist verfassungsrechtlich unzul&#228;ssig, da das Grundrecht<br \/>\nDritter h&#246;her zu bewerten ist (vergleiche Bundesverfassungsgericht, Beschluss der<br \/>\n3. Kammer des 1. Senats vom 21. Juli 2005 \u2013 1 BvR 817\/05). Der aus religi&#246;sen Gr&#252;nden<br \/>\nempfohlene Abbruch des Kontaktes zu \u201eabtr&#252;nnigen\u201c Familienangeh&#246;rigen ist<br \/>\nzwar von der Glaubensfreiheit erfasst, aber verfassungsrechtlich mit geringerem Gewicht<br \/>\neinzuordnen als das Grundrecht auf negative Religionsfreiheit eines austrittswilligen<br \/>\nMitglieds der Zeugen Jehovas. Die Androhung eines Kontaktabbruchs soll<br \/>\nden Austrittswilligen zum Verbleib in der Religionsgemeinschaft zwingen, sodass<br \/>\ndieser in seiner Religionsfreiheit nachhaltig beeintr&#228;chtigt wird.<br \/>\nIm Ergebnis ist festzuhalten, dass das Verhalten der Zeugen Jehovas den Schutz der<br \/>\nFamilie und im Falle der \u201eAbtr&#252;nnigkeit\u201c eines Partners auch den Schutz der Ehe<br \/>\n(Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz) beeintr&#228;chtigt und gef&#228;hrdet. Zudem wird die negative<br \/>\nReligionsfreiheit nach Artikel 4 Grundgesetz beeintr&#228;chtigt und gef&#228;hrdet.<br \/>\nDiese Grundrechtspositionen &#252;berwiegen im Rahmen einer Abw&#228;gung die Religionsfreiheit<br \/>\nder Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas, sodass die Verletzung<br \/>\ndieser Grundrechte der Verleihung des K&#246;rperschaftsstatus nach Artikel 140 Grundgesetz,<br \/>\nArtikel 137 Absatz 5 Weimarer Verfassung entgegensteht.<br \/>\n3. Recht auf Leben und k&#246;rperliche Unversehrtheit<br \/>\nNach Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 Grundgesetz hat jeder das Recht auf Leben und k&#246;rperliche<br \/>\nUnversehrtheit, dies gilt insbesondere f&#252;r Kinder, die noch nicht &#252;ber einen<br \/>\neigenen Entscheidungswillen verf&#252;gen. Grunds&#228;tzlich untersagt die Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen ihren Mitgliedern, die Zustimmung zu Bluttransfusionen bei<br \/>\nminderj&#228;hrigen Kindern zu erteilen, auch dann, wenn nach &#228;rztlicher Beurteilung<br \/>\ndie Bluttransfusion das einzige Mittel ist, um das Leben des Kindes zu erhalten.<br \/>\nAus den Stellungnahmen der Experten in der Anh&#246;rung ergab sich zweifelsfrei, dass<br \/>\ndie Religionsgemeinschaft Zeugen Jehovas die Durchf&#252;hrung von Bluttransfusionen,<br \/>\nauch wenn sie zum Erhalt des Lebens zwingend erforderlich sind, grunds&#228;tzlich ablehnt.<br \/>\nDie Mediziner berichteten in der Anh&#246;rung allgemein aus ihrer Praxis unter<br \/>\nBer&#252;cksichtigung der &#228;rztlichen Schweigepflicht. Eine Bluttransfusion wird bei Minderj&#228;hrigen<br \/>\ngegen den Willen der Eltern durchgef&#252;hrt. Verweigern die Eltern die<br \/>\nZustimmung wird eine richterliche Entscheidung herbeigef&#252;hrt, die das Leben des<br \/>\nbetroffenen Kindes rettet.<br \/>\nDie Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen hingegen legte in der Anh&#246;rung dar,<br \/>\ndass sie sich allein gegen den \u201eeigenh&#228;ndigen\u201c Beitrag von Mitgliedern zur Bluttransfusion<br \/>\nin der Form der Zustimmungserkl&#228;rung wende, sodass die ersetzte Einverst&#228;ndniserkl&#228;rung<br \/>\nkein Problem bedeute.<br \/>\nDies entspricht nicht den Erfahrungsberichten aus der medizinischen Praxis. Zur Rolle<br \/>\nder Verbindungskomitees f&#252;hrte Prof. Dr. Huppertz in der Anh&#246;rung aus, dass er<br \/>\nderen Teilnahme nicht als unterst&#252;tzend, sondern im Gegenteil als die Entscheidung<br \/>\nerschwerend wahrgenommen habe. Die sich aus den Schriften ergebenden Grunds&#228;tze<br \/>\nzur Bluttransfusion sind eindeutig, sodass davon ausgegangen werden muss,<br \/>\ndass ein Zeuge Jehovas es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren darf, einer Bluttransfusion<br \/>\nbei seinem minderj&#228;hrigen Kind zuzustimmen. Zum Teil wird in den Schriften<br \/>\nder Religionsgemeinschaft ausgef&#252;hrt, dass Kinder vor einer Bluttransfusion zu<br \/>\nsch&#252;tzen seien. Die von den Zeugen Jehovas unterhaltenen Krankenhausverbindungskomitees<br \/>\nsorgen daf&#252;r, dass Mitglieder der Religionsgemeinschaft nur solche<br \/>\nKliniken aufsuchen, in denen &#196;rzte ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zur<br \/>\nAnwendung alternativer Methoden erkl&#228;rt haben; hingegen unkooperative &#196;rzte<br \/>\nund Krankenh&#228;user von Mitgliedern der Religionsgemeinschaft zu meiden sind. Diese<br \/>\nVorgaben k&#246;nnen im Einzelfall zu einer Gef&#228;hrdung des Lebens Minderj&#228;hriger f&#252;hren,<br \/>\nwenn im Notfall nicht das n&#228;chstgelegene Krankenhaus aufgesucht wird. Inwieweit<br \/>\nnach einer dennoch durchgef&#252;hrten Bluttransfusion bei einem Minderj&#228;hrigen<br \/>\ndie Glaubensgemeinschaft die Eltern anh&#228;lt, das Kind zur Adoption freizugeben,<br \/>\nkonnte nicht verifiziert werden.<br \/>\nDie Verhaltensregeln der Zeugen Jehovas f&#252;r den Fall einer drohenden Bluttransfusion<br \/>\nbei Minderj&#228;hrigen stellen nicht nur eine Best&#228;rkung im Glauben dar. Es wird<br \/>\nvielmehr starker psychischer Druck ausge&#252;bt, damit sich die Eltern gegen eine Bluttransfusion<br \/>\nmit m&#246;glichst allen legalen Mitteln zur Wehr setzen. Die Folge kann sein,<br \/>\n\u2014 23 \u2014<br \/>\ndass Eltern in ihrem Bem&#252;hen, gegen eine staatlich verordnete Transfusion anzuk&#228;mpfen,<br \/>\ndas Leben oder die Gesundheit ihrer Kinder riskieren, insbesondere wenn<br \/>\nsie zu sp&#228;t um &#228;rztliche oder um gen&#252;gende medizinische Hilfe nachsuchen. Daraus<br \/>\nergibt sich die Gefahr, dass eine gerichtliche Entscheidung nach \u00a7 1666 B&#252;rgerliches<br \/>\nGesetzbuch unterbleibt. Dies stellt eine Verletzung des gebotenen Schutzes von Leib<br \/>\nund Leben Minderj&#228;hriger und somit einen Versto&#223; gegen Artikel 2 Absatz 2 Satz 1<br \/>\nGrundgesetz dar, sodass sich die Zeugen Jehovas insoweit nicht rechtstreu verhalten.<br \/>\nDar&#252;ber hinaus vertritt der Rechtsausschuss die Auffassung, dass im Verbot von Bluttransfusionen<br \/>\neine grunds&#228;tzlich erhebliche Grundrechtsgef&#228;hrdung f&#252;r Kinder liegt,<br \/>\nauch wenn diese Gef&#228;hrdung bisher in Bremen durch &#228;rztliches und gerichtliches<br \/>\nHandeln \u201egeheilt\u201c werden konnte. Anhand der in der Anh&#246;rung geschilderten Sachverhalte<br \/>\nwird deutlich, dass die Religionsgemeinschaft Grundrechtsgef&#228;hrdungen<br \/>\nbis hin zu Todesf&#228;llen von Kindern in Kauf nimmt und diesbez&#252;glich auch massiv<br \/>\nEinfluss auf Elternentscheidungen nimmt. Aus Sicht des Rechtsausschusses liegt hierin<br \/>\neine Grundrechtsgef&#228;hrdung des Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 Grundgesetz, die der<br \/>\nVerleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts an Zeugen Jehovas in<br \/>\nBremen entgegensteht.<br \/>\n4. Kindeswohl<br \/>\nDer Verleihung der K&#246;rperschaftsrechte k&#246;nnte eine Gef&#228;hrdung des Kindeswohls,<br \/>\ndas insbesondere k&#246;rperliche Z&#252;chtigungen und Kindesmissbrauch verbietet und<br \/>\nSchulbildung und Pers&#246;nlichkeitsentwicklung gebietet, entgegenstehen (Artikel 2<br \/>\nAbsatz 1 einhergehend mit der staatlichen Schutzpflicht aus Artikel 6 Absatz 2 Satz 2<br \/>\nGrundgesetz). Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil vom 17. Mai 2001<br \/>\n(7 C 1\/01) zur Pr&#252;fung der Rechtstreue im Hinblick auf die Haltung der Zeugen Jehovas<br \/>\nzu k&#246;rperlichen Z&#252;chtigungen keine inhaltlichen Vorgaben gemacht.<br \/>\nDer in \u00a7 1631 Absatz 2 B&#252;rgerliches Gesetzbuch formulierte Rechtsanspruch der Kinder<br \/>\nauf gewaltfreie Erziehung, wonach eine k&#246;rperliche Bestrafung, seelische Verletzungen<br \/>\nund andere entw&#252;rdigende Ma&#223;nahmen unzul&#228;ssig sind, wird von den<br \/>\nZeugen Jehovas nach Auffassung und aufgrund der Erkenntnisse aus der Anh&#246;rung<br \/>\nim Rechtsausschuss nicht hinreichend beachtet. Die von Vertretern der Aussteigerorganisationen<br \/>\nin der Anh&#246;rung am 16. Februar 2011 zitierten Textpassagen aus<br \/>\nVer&#246;ffentlichungen der Religionsgemeinschaft lassen den Schluss zu, dass k&#246;rperliche<br \/>\nZ&#252;chtigung als probates Mittel empfohlen wird.<br \/>\nEhemalige Zeugen Jehovas &#228;u&#223;erten in der &#246;ffentlichen Anh&#246;rung ausnahmslos, dass<br \/>\nsie selbst von Z&#252;chtigungen betroffen waren oder Zeugen derartiger Z&#252;chtigungen<br \/>\nbis in die Gegenwart geworden sind. Das Gleiche gilt f&#252;r die Aussage der Betroffenen<br \/>\nin nicht &#246;ffentlicher Sitzung. Auch der Weltanschauungsbeauftragte der Bremischen<br \/>\nEvangelischen Kirche berichtete aus seiner praktischen Erfahrung und aus<br \/>\nlangj&#228;hriger Beratungst&#228;tigkeit, dass das Z&#252;chtigungsrecht der Eltern gegen&#252;ber den<br \/>\nKindern immer wieder in der Beratung von Aussteigern auftauchte.<br \/>\nDer Rechtsausschuss ist daher zu der Auffassung gelangt, dass die Religionsgemeinschaft<br \/>\nder Zeugen Jehovas das Kindeswohl aufgrund der Bef&#252;rwortung und verbreiteten<br \/>\nPraktizierung der k&#246;rperlichen Z&#252;chtigungen von Kindern gef&#228;hrdet.<br \/>\nZur Frage, ob sich aus dem Umgang mit F&#228;llen des Kindesmissbrauchs bei den Zeugen<br \/>\nJehovas Zweifel an der Rechtstreue ergeben, haben die Vertreterinnen und Vertreter<br \/>\nder Aussteigerorganisationen unterschiedliche Angaben gemacht. Mindestens<br \/>\nproblematisch erscheint, dass die sogenannte Zweizeugenregelung dem Opfer eine<br \/>\nBeweisf&#252;hrung des sexuellen Missbrauchs nahezu unm&#246;glich macht. Aber auch wenn<br \/>\nsich daraus gewisse Zweifel an der Rechtstreue der Religionsgemeinschaft ergeben<br \/>\nsollten, so sind tats&#228;chliche Vorkommnisse weder in der &#246;ffentlichen noch in der<br \/>\nnicht &#246;ffentlichen Anh&#246;rung belastbar best&#228;tigt worden, sodass hier kein Versagungsgrund<br \/>\ngegeben sein d&#252;rfte.<br \/>\n5. Schulbildung und Pers&#246;nlichkeitsentwicklung<br \/>\nDie Vertreter der Aussteigerorganisationen berichteten nahezu &#252;bereinstimmend,<br \/>\ndass die Schulbildung und insbesondere auch die Pers&#246;nlichkeitsentwicklung von<br \/>\nKindern aus Familien der Zeugen Jehovas keinen gro&#223;en Stellenwert hat und belegten<br \/>\ndies anhand eigener Erfahrungen und von Zitaten aus den internen Schriften der<br \/>\n\u2014 24 \u2014<br \/>\nReligionsgemeinschaft. Kinder aus Familien der Zeugen Jehovas werden nach den<br \/>\nAussagen und erg&#228;nzenden Stellungnahmen der Vertreter der Senatorin f&#252;r Bildung<br \/>\nund Wissenschaft ausgegrenzt, indem sie an &#252;blichen Veranstaltungen \u2013 mit teilweise<br \/>\nverpflichtendem Charakter \u2013 in der Schule nicht teilnehmen d&#252;rfen. Nach ihrem Glauben<br \/>\nist ihnen untersagt, Geburtstage zu feiern, Theater zu spielen, an Feiern zu Weihnachten<br \/>\nund Ostern sowie an Klassenfahrten teilzunehmen. Sie nehmen am regul&#228;ren<br \/>\nUnterricht einschlie&#223;lich Schulsport teil und sind insoweit in eine Klassengemeinschaft<br \/>\nintegriert.<br \/>\nDurch die Expertenaussagen konnte jedoch nicht abschlie&#223;end gekl&#228;rt werden, ob<br \/>\nJehovas Zeugen tats&#228;chlich eine bildungsfeindliche Grundhaltung haben und daraus<br \/>\nNachteile insbesondere bez&#252;glich der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung entstehen k&#246;nnten.<br \/>\nAuch unter Einbeziehung der in der Anh&#246;rung vorgetragenen Zitate und der Erfahrungen<br \/>\naus der p&#228;dagogischen Praxis kann hinsichtlich der Aspekte Bildung und allgemeine<br \/>\nPers&#246;nlichkeitsentwicklung eine Gef&#228;hrdung des Kindeswohls nicht sicher<br \/>\nfestgestellt werden.<br \/>\n6. Erg&#228;nzende Stellungnahme Jehovas Zeugen in Deutschland vom 28. M&#228;rz 2011<br \/>\nzur Anh&#246;rung vom 16. Februar 2011<br \/>\nDer Rechtsausschuss gab der Religionsgemeinschaft Zeugen Jehovas in Deutschland<br \/>\nnach der &#246;ffentlichen Anh&#246;rung am 16. Februar 2011 noch einmal Gelegenheit<br \/>\nzu einer schriftlichen Stellungnahme und &#252;bersandte zu diesem Zweck das vollst&#228;ndige<br \/>\nWortprotokoll dieser Anh&#246;rung. Im Rahmen der Beschlussfassung zu diesem<br \/>\nBericht er&#246;rterte der Rechtsausschuss die Stellungnahme der Zeugen Jehovas in<br \/>\nDeutschland vom 28. M&#228;rz 2011.<br \/>\nDie Zeugen Jehovas kritisieren die Vorgehensweise des Rechtsausschusses, die rechtsstaatlichen<br \/>\nMindeststandards nicht gen&#252;ge. Insbesondere wird bem&#228;ngelt, dass sich<br \/>\nder Rechtsausschuss zun&#228;chst nicht mit den wissenschaftlichen Grundlagen zum<br \/>\nThema befasst und diese nicht zur Basis seiner Beratung gemacht habe.<br \/>\nDie Religionsgemeinschaft kritisiert des Weiteren die Auswahl der Referenten, die<br \/>\nmit Ausnahme der beh&#246;rdlichen Vertreter und &#196;rzte ausschlie&#223;lich aus Aussteigern<br \/>\nder Religionsgemeinschaft zusammengesetzt gewesen seien, mit dem Vorwurf, die<br \/>\nweltanschauliche Neutralit&#228;t des Staates nicht beachtet zu haben. Die an den Rechtsausschuss<br \/>\ngerichtete Forderung, der Religionsgemeinschaft Gelegenheit zu geben,<br \/>\nentsprechende Zeugen zu benennen und anzuh&#246;ren, damit die verzerrte Darstellung<br \/>\nder Glaubenspraxis der Religionsgemeinschaft, die durch die Anh&#246;rung vom<br \/>\n16. Februar 2011 entstanden sei, richtig gestellt werden k&#246;nne, war aus Sicht des<br \/>\nRechtsausschusses nicht geboten.<br \/>\nNach Ansicht der Zeugen Jehovas ist der Rechtsausschuss mit der Wahl der Themenkomplexe<br \/>\nf&#252;r die &#246;ffentliche Anh&#246;rung weit &#252;ber den Pr&#252;fungsansatz der Rechtstreue<br \/>\nnach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts sowie des Bundesverwaltungsgerichts<br \/>\nhinausgegangen. Unter Berufung auf das Bundesverwaltungsgericht<br \/>\nwird vorgetragen, dass das behauptete Verbot des Kontaktes mit nicht gl&#228;ubigen<br \/>\nKindern, das Verbot der Teilnahme an weltlichen Veranstaltungen \u2013 wie Geburtstagsfeiern,<br \/>\nSchulsport oder sonstigen Jugendveranstaltungen, an Klassenfahrten sowie<br \/>\nan allgemein schulischen Aktivit&#228;ten au&#223;erhalb des Lehrplans \u2013 keine Gef&#228;hrdung<br \/>\ndes Kindeswohls bedeute. Auch die damit einhergehende Au&#223;enseiterstellung<br \/>\nder Kinder von Zeugen Jehovas k&#246;nne nicht mit einer Gef&#228;hrdung des Kindeswohls<br \/>\ngleichgesetzt werden. Dies gelte auch f&#252;r die Behauptung, dass eine h&#246;here Schulbildung<br \/>\noder Hochschulausbildung nicht f&#252;r erstrebenswert gehalten werde. Eine<br \/>\nGrundrechtsgef&#228;hrdung aus diesem Anlass zu behaupten, sei unzul&#228;ssig, da anderenfalls<br \/>\nGesellschaftsgruppen, deren Kinder ebenfalls einen niedrigen Anteil am akademischen<br \/>\nNachwuchs stellten, ein &#228;hnliches Fehlverhalten anzulasten sei. Unter<br \/>\nBerufung auf das Urteil des Oberwaltungsgerichts Berlin tragen die Zeugen Jehovas<br \/>\nvor, die erhobenen Vorw&#252;rfe h&#228;tten sich im &#220;brigen nicht verifizieren lassen.<br \/>\nIm Weiteren &#228;u&#223;erten die Zeugen Jehovas Kritik an der Art und Weise der Untersuchung<br \/>\nund Fragestellung des Rechtsausschusses. Der Rechtsausschuss stellt fest, dass<br \/>\ndie Aussagen der angeh&#246;rten Expertinnen und Experten als glaubhaft einzusch&#228;tzen<br \/>\nsind und im deutlichen Gegensatz zu den Angaben der Zeugen Jehovas stehen.<br \/>\nEinem parlamentarischen Ausschuss steht es zu, &#252;ber die Inhalte seiner Arbeit und<br \/>\nsein Vorgehen frei zu entscheiden.<br \/>\n\u2014 25 \u2014<br \/>\nB. Ergebnis der Beratungen des Rechtsausschusses<br \/>\nDer Rechtsausschuss kommt in seiner Gesamtbewertung \u2013 und in &#252;berwiegender<br \/>\n&#220;bereinstimmung mit der Landesregierung Baden-W&#252;rttemberg \u2013 zu folgendem Ergebnis:<br \/>\n1. Bremen ist verfassungsrechtlich befugt, die Voraussetzungen f&#252;r die Verleihung<br \/>\nder Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts f&#252;r das Land Bremen auch<br \/>\nnach einer sogenannten Erstverleihung durch ein anderes Bundesland eigenst&#228;ndig<br \/>\nzu pr&#252;fen.<br \/>\n2. Die Frage, ob die Zeugen Jehovas die \u201eGew&#228;hr der Rechtstreue\u201c im Hinblick<br \/>\nauf die Beeintr&#228;chtigung oder Gef&#228;hrdung der Grundrechte Dritter bieten, ist<br \/>\nf&#252;r Bremen noch nicht verbindlich gerichtlich entschieden. Insoweit besteht die<br \/>\nM&#246;glichkeit einer anderen rechtlichen W&#252;rdigung, als sie bisher vom Oberverwaltungsgericht<br \/>\nBerlin f&#252;r das Land Berlin vertreten worden ist. Das Urteil<br \/>\ndes Oberverwaltungsgerichts Berlin weist nach Auffassung des Rechtsausschusses<br \/>\nM&#228;ngel auf.<br \/>\n3. Es kann vertretbar angenommen werden, dass die Religionsgemeinschaft der<br \/>\nZeugen Jehovas keine Gew&#228;hr der Rechtstreue bietet:<br \/>\n\u2014 Sie beeintr&#228;chtigt und gef&#228;hrdet wegen des von ihr geforderten Verbots<br \/>\ndes Kontakts mit ausgetretenen oder ausgeschlossenen Mitgliedern der<br \/>\nZeugen Jehovas das Grundrecht auf Achtung des Familienlebens und der<br \/>\nEhe (Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz).<br \/>\n\u2014 Damit h&#228;lt sie zugleich mit vom Grundgesetz missbilligten Mitteln austrittswillige<br \/>\nMitglieder in der Religionsgemeinschaft fest und beeintr&#228;chtigt und<br \/>\ngef&#228;hrdet das Grundrecht auf (negative) Religionsfreiheit (Artikel 4 Grundgesetz).<br \/>\n\u2014 Die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas gef&#228;hrdet wegen des nach<br \/>\nihren Regeln bestehenden Verbots, auch im &#228;u&#223;ersten Notfall Blut- oder<br \/>\nHauptbestandteile des Blutes anzunehmen, Leib und Leben minderj&#228;hriger<br \/>\nKinder und Jugendlicher (Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 Grundgesetz).<br \/>\n\u2014 Dar&#252;ber hinaus ist der Rechtsausschuss zu der Auffassung gelangt, dass die<br \/>\nReligionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas das Kindeswohl aufgrund der<br \/>\nBef&#252;rwortung und verbreiteten Praktizierung von k&#246;rperlichen Z&#252;chtigungen<br \/>\nvon Kindern gef&#228;hrdet.<br \/>\n4. Hilfsweise ist die Auffassung vertretbar, dass der Antrag auf Verleihung der besonderen<br \/>\n&#246;ffentlich-rechtlichen K&#246;rperschaftsrechte auch dann abgelehnt werden<br \/>\nkann, wenn die Gew&#228;hr der Rechtstreue trotz aller zumutbaren Aufkl&#228;rungsversuche<br \/>\nunklar bleibt.<br \/>\nDie Gew&#228;hr der Rechtstreue ist nicht gegeben, da wegen des geforderten Kontaktverbotes<br \/>\nmit ausgetretenen oder ausgeschlossenen Mitgliedern der Zeugen Jehovas<br \/>\nder Grundrechtsschutz von Familie und Ehe beeintr&#228;chtigt und gef&#228;hrdet wird. Des<br \/>\nWeiteren liegt eine Beeintr&#228;chtigung und Gef&#228;hrdung des Grundrechts auf negative<br \/>\nReligionsfreiheit, bedingt durch die Sanktionen gegen&#252;ber austrittswilligen Mitgliedern,<br \/>\nvor.<br \/>\nIm Weiteren ist eine Gef&#228;hrdung durch das nach den Glaubensregeln bestehende<br \/>\nVerbot, auch im &#228;u&#223;ersten Notfall Blut oder Hauptbestandteile des Blutes anzunehmen,<br \/>\nf&#252;r Leib und Leben minderj&#228;hriger Kinder und Jugendlicher gegeben.<br \/>\nHinzu kommt eine generelle Gef&#228;hrdung des Kindeswohls aufgrund der Bef&#252;rwortung<br \/>\nund Praktizierung von k&#246;rperlicher Z&#252;chtigung von Kindern, die bis in die Gegenwart<br \/>\nvon Aussteigern und ihren Selbsthilfeorganisationen geschildert wurden.<br \/>\nDie Grundrechte des Schutzes von Ehe und Familie, der Religionsfreiheit sowie der<br \/>\nUnversehrtheit von Leib und Leben insbesondere minderj&#228;hriger Kinder werden nach<br \/>\nAnsicht des Rechtsausschusses durch die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas<br \/>\nbeeintr&#228;chtigt oder gef&#228;hrdet, sodass die Gew&#228;hr der Rechtstreue nicht konstatiert<br \/>\nwerden kann. Infolge dessen ist der Gesetzesantrag auf Verleihung der Rechte einer<br \/>\nK&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts an die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas<br \/>\nabzulehnen.<br \/>\nDer Rechtsausschuss weist ausdr&#252;cklich darauf hin, dass in diesem Verfahren nicht<br \/>\n&#252;ber ein Verbot der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas und ihrer Glaubens\u2014<br \/>\n26 \u2014<br \/>\nbet&#228;tigung, sondern lediglich &#252;ber die Verleihung eines Privilegiertenstatus mit besonderen<br \/>\nRechten in Bremen zu entscheiden ist.<br \/>\nC. Beschlussempfehlung des Rechtsausschusses<br \/>\nDer Rechtsausschuss schloss seine Beratungen in seiner Sitzung am 14. April 2011<br \/>\nmit dem Beschluss &#252;ber diesen Bericht ab und leitet der B&#252;rgerschaft (Landtag) die<br \/>\nnachfolgenden Beschlussempfehlungen zu:<br \/>\n1. Gesetz &#252;ber die Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\nan Jehovas Zeugen in Deutschland (Drs. 17\/819)<br \/>\nDer Rechtsausschuss empfiehlt der B&#252;rgerschaft (Landtag) einstimmig, das Gesetz<br \/>\n&#252;ber die Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts an<br \/>\nJehovas Zeugen in Deutschland (Drs. 17\/819) abzulehnen und der Religionsgemeinschaft<br \/>\nJehovas Zeugen die Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\nin der Freien Hansestadt Bremen im Wege der Zweitverleihung nicht zuzubilligen.<br \/>\n2. Gesetz &#252;ber die Ver&#228;nderung des Verfahrens hinsichtlich der Anerkennung von<br \/>\nKirchen und Religionsgemeinschaften sowie Weltanschauungsgemeinschaften<br \/>\nals K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts (Drs. 17\/913)<br \/>\nDer Rechtsausschuss empfiehlt der B&#252;rgerschaft (Landtag) einstimmig, den von<br \/>\nder damaligen Fraktion der FDP mit der Drucksache 17\/913 (Neufassung der<br \/>\nDrs. 17\/892) eingebrachten Gesetzesantrag &#252;ber die Ver&#228;nderung des Verfahrens<br \/>\nhinsichtlich der Anerkennung von Kirchen und Religionsgemeinschaften<br \/>\nsowie Weltanschauungsgemeinschaften als K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\nabzulehnen.<br \/>\nD. Antrag des Rechtsausschusses<br \/>\n1. Der Rechtsausschuss empfiehlt der B&#252;rgerschaft (Landtag) einstimmig, das<br \/>\nGesetz &#252;ber die Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\nan Jehovas Zeugen in Deutschland (Drs. 17\/819) abzulehnen.<br \/>\n2. Der Rechtsausschuss empfiehlt der B&#252;rgerschaft (Landtag) einstimmig, das<br \/>\nGesetz &#252;ber die Ver&#228;nderung des Verfahrens hinsichtlich der Anerkennung von<br \/>\nKirchen und Religionsgemeinschaften sowie Weltanschauungsgemeinschaften<br \/>\nals K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts (Drs. 17\/913) abzulehnen.<br \/>\nInsa Peters-Rehwinkel<br \/>\n(Vorsitzende)<br \/>\nDruck: Anker-Druck Bremen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2014 1 \u2014 BREMISCHE B&#220;RGERSCHAFT Landtag 17. Wahlperiode Drucksache 17 \/ 1753 (zu Drs. 17\/819 und 17\/913) 20. 04. 11 Bericht und Antrag des Rechtsausschusses Gesetz &#252;ber die Verleihung der Rechte einer K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts an Jehovas Zeugen in Deutschland &hellip; <a href=\"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/allgemein\/bericht-und-antrag-des-rechtsausschusses.html\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-337","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=337"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/337\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":339,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/337\/revisions\/339"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}