{"id":299,"date":"2011-04-12T12:43:05","date_gmt":"2011-04-12T11:43:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/?p=299"},"modified":"2011-04-12T12:45:46","modified_gmt":"2011-04-12T11:45:46","slug":"gericht-bverfg-2-senat-entscheidungsname-zeugen-jehovas-korperschaftsstatus-der-zeugen-jehovas","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/allgemein\/gericht-bverfg-2-senat-entscheidungsname-zeugen-jehovas-korperschaftsstatus-der-zeugen-jehovas.html","title":{"rendered":"Gericht: BVerfG 2. Senat &#8211; Entscheidungsname: Zeugen Jehovas, K&#246;rperschaftsstatus der Zeugen Jehovas"},"content":{"rendered":"<p>Entscheidungsdatum: 19.12.2000 Aktenzeichen: 2 BvR 1500\/97<br \/>\nLeitsatz<br \/>\n1. Eine Religionsgemeinschaft, die K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts werden will (GG Art 140<br \/>\niVm WRV Art 137 Abs 5 Satz 2), muss rechtstreu sein.<br \/>\na) Sie muss die Gew&#228;hr daf&#252;r bieten, dass sie das geltende Recht beachten, insbesondere die<br \/>\nihr &#252;bertragene Hoheitsgewalt nur in Einklang mit den verfassungsrechtlichen und sonstigen<br \/>\ngesetzlichen Bindungen aus&#252;ben wird.<br \/>\nb) Sie muss au&#223;erdem die Gew&#228;hr daf&#252;r bieten, dass ihr k&#252;nftiges Verhalten die in GG Art<br \/>\n79 Abs 3 umschriebenen fundamentalen Verfassungsprinzipien, die dem staatlichen Schutz<br \/>\nanvertrauten Grundrechte Dritter sowie die Grundprinzipien des freiheitlichen Religions- und<br \/>\nStaatskirchenrechts des Grundgesetzes nicht gef&#228;hrdet.<br \/>\n2. Eine dar&#252;ber hinausgehende Loyalit&#228;t zum Staat verlangt das Grundgesetz nicht.<br \/>\nOrientierungssatz<br \/>\n1a. Eine Religionsgemeinschaft, die K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts werden will, muss<br \/>\ndurch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die prognostische Einsch&#228;tzung st&#252;tzen,<br \/>\ndass sie auch in Zukunft dauerhaft bestehen wird. F&#252;r die Einsch&#228;tzung dauerhaften Bestands<br \/>\nist neben dem Kriterium der Mitgliederzahl der tats&#228;chliche Gesamtzustand der Gemeinschaft<br \/>\nzu w&#252;rdigen.<br \/>\n1b. Eine f&#246;rmliche Voraussetzung des Inhalts, dass sich eine Religionsgemeinschaft, die den<br \/>\nStatus einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts erstrebt, zun&#228;chst als eingetragener Verein zu<br \/>\nbew&#228;hren habe, folgt aus GG Art 140 iVm WRV Art 137 Abs 5 S 2 nicht.<br \/>\n1c. Auch der eschatologische Glaube steht einer positiven Einsch&#228;tzung der Gew&#228;hr der Dauer<br \/>\nnicht entgegen.<br \/>\nHier:<br \/>\nDer Beschwerdef&#252;hrerin, der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas, jedenfalls kann unter<br \/>\ndiesem Gesichtspunkt die Gew&#228;hr der Dauer nicht abgesprochen werden. Ihr Mitgliederbestand<br \/>\nist unbeeintr&#228;chtigt, obwohl mehrmals ein von ihr konkret berechneter Weltuntergang nicht<br \/>\nstattgefunden hat.<br \/>\n2a. Im Kontext des GG ist der den Religionsgemeinschaften in WRV Art 137 Abs 5 S 2<br \/>\nangebotene Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts ein Mittel zur Entfaltung<br \/>\nder Religionsfreiheit. Der Status soll die Eigenst&#228;ndigkeit und Unabh&#228;ngigkeit der<br \/>\nReligionsgemeinschaften unterst&#252;tzen.<br \/>\n2b. Die korporierten Religionsgemeinschaften unterscheiden sich im religi&#246;s-weltanschaulich<br \/>\nneutralen Staat des GG, der keine Staatskirche oder Staatsreligion kennt, grundlegend von den<br \/>\nK&#246;rperschaften des &#246;ffentlichen Rechts im verwaltungs- und staatsorganisationsrechtlichen<br \/>\nVerst&#228;ndnis. Sie nehmen keine Staatsaufgaben wahr, sind nicht in die Staatsorganisation<br \/>\neingebunden und unterliegen keiner staatlichen Aufsicht (vgl BVerfG, 1983-12-13, 2 BvL 13\/82,<br \/>\nBVerfGE 66, 1 <19f>).<br \/>\n2c. Ihnen werden aber mit dem K&#246;rperschaftsstatus bestimmte hoheitliche Befugnisse<br \/>\n&#252;bertragen. Diese und andere Verg&#252;nstigungen erleichtern es der Religionsgemeinschaft,<br \/>\nihre Organisation und ihr Wirken nach den Grunds&#228;tzen ihres religi&#246;sen Selbstverst&#228;ndnisses<br \/>\nzu gestalten und die hierf&#252;r erforderlichen Ressourcen, etwa in Form finanzieller Mittel, zu<br \/>\nerlangen.<br \/>\nDie Verg&#252;nstigungen bewirken mit erh&#246;hten Einflussm&#246;glichkeiten aber auch die erh&#246;hte<br \/>\nGefahr eines Missbrauchs zum Nachteil der Religionsfreiheit der Mitglieder oder zum Nachteil<br \/>\nanderer Verfassungsg&#252;ter. Deswegen muss bei der Bestimmung der Voraussetzungen f&#252;r die<br \/>\nErlangung eines K&#246;rperschaftsstatus auch die Verantwortung des Staates zur Geltung gebracht<br \/>\nwerden, welche das GG ihm auferlegt.<br \/>\n3. Zu Ls 1a:<br \/>\nAllerdings stellt nicht jeder einzelne Versto&#223; gegen Recht und Gesetz die Gew&#228;hr rechtstreuen<br \/>\nVerhaltens in Frage. Auch den korporierten Religionsgemeinschaften ist es unbenommen,<br \/>\nMeinungsverschiedenheiten mit staatlichen Beh&#246;rden &#252;ber Grenzen der Religionsfreiheit und<br \/>\ndes religi&#246;sen Selbstbestimmungsrechts durch die Gerichte kl&#228;ren zu lassen. Vorbehalte stehen<br \/>\nder Verleihung des K&#246;rperschaftsstatus so lange nicht im Wege, als die Religionsgemeinschaft<br \/>\nim Grundsatz bereit ist, Recht und Gesetz zu achten und sich in die verfassungsm&#228;&#223;ige<br \/>\nOrdnung einzuf&#252;gen.<br \/>\n4. Zu Ls 1b:<br \/>\n4a. Eine systematische Beeintr&#228;chtigung oder Gef&#228;hrdung dieser vom GG auf Dauer gestellten<br \/>\nGrunds&#228;tze, wozu die Prinzipien von Rechtsstaat und Demokratie geh&#246;ren, darf der Staat nicht<br \/>\nhinnehmen, auch nicht von Seiten einer als K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts verfassten<br \/>\nReligionsgemeinschaft.<br \/>\n4b. An die einzelnen Grundrechte sind die korporierten Religionsgemeinschaften &#8211; au&#223;er in<br \/>\nAus&#252;bung hoheitlicher Befugnisse &#8211; zwar nicht unmittelbar gebunden. Die Verleihung des Status<br \/>\neiner K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts bindet sie aber an die Achtung der fundamentalen<br \/>\nRechte der Person, die Teil der verfassungsm&#228;&#223;igen Ordnung ist.<br \/>\nDas GG verpflichtet den Staat, menschliches Leben und die k&#246;rperliche Unversehrtheit zu<br \/>\nsch&#252;tzen. Kinder stehen unter dem staatlichen Schutz von GG Art 2 Abs 1 und Abs 2 S 1<br \/>\nsowie GG Art 6 Abs 2 S 2. GG Art 4 Abs 1 und 2 fordert vom Staat, den Einzelnen und religi&#246;se<br \/>\nGemeinschaften vor Angriffen und Behinderungen von Anh&#228;ngern anderer Glaubensrichtungen<br \/>\noder konkurrierender Religionsgruppen zu sch&#252;tzen (vgl BVerfG, 1995- 05-16, 1 BvR 1087\/91,<br \/>\nBVerfGE 93, 1 <16> &#8211; Kruzifix-Beschlu&#223;).<br \/>\nEbenso darf das Verhalten solcher mit dem bevorzugten Status ausgestatteter<br \/>\nReligionsgemeinschaften die Grunds&#228;tze des freiheitlichen Staatskirchenrechts nicht<br \/>\nbeeintr&#228;chtigen oder gef&#228;hrden. Das Verbot einer Staatskirche sowie die Prinzipien von<br \/>\nNeutralit&#228;t und Parit&#228;t m&#252;ssen unangetastet bleiben.<br \/>\n4c. Andererseits d&#252;rfen die rechtlichen Anforderungen an eine Religionsgemeinschaft, die<br \/>\nK&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts werden will, nicht ihrerseits in Widerspruch zu den<br \/>\nprinzipiellen Wertungen des verfassungsrechtlichen Religions- und Staatskirchenrechts<br \/>\ngeraten. Wegen des Grundsatzes der religi&#246;s-weltanschaulichen Neutralit&#228;t darf der Staat eine<br \/>\nantragstellende Religionsgemeinschaft nicht nach ihrem Glauben, sondern nur nach ihrem<br \/>\nVerhalten beurteilen.<br \/>\nDen als K&#246;rperschaften des &#246;ffentlichen Rechts verfassten Religionsgemeinschaften bleibt es<br \/>\nunbenommen, ihr Verh&#228;ltnis zu anderen Religionen und Religionsgemeinschaften nach ihrem<br \/>\neigenen religi&#246;sen Selbstverst&#228;ndnis zu gestalten, solange sie den verfassungsrechtlichen<br \/>\nOrdnungsrahmen, der auch die Grundlage ihrer eigenen religi&#246;sen Freiheit bildet, nicht<br \/>\nbeeintr&#228;chtigen. Dies w&#228;re etwa der Fall, wenn sie auf die Verwirklichung einer theokratischen<br \/>\nHerrschaftsordnung hinwirkten.<br \/>\n5. Zu Ls 2:<br \/>\nDie korporierten Religionsgemeinschaften brauchen ihr Wirken nicht an den Interessen und<br \/>\nZielen des Staates auszurichten, weil die Religionsfreiheit es ihnen &#252;berl&#228;sst, wie sie den ihnen<br \/>\ner&#246;ffneten Freiheitsraum ausf&#252;llen. Au&#223;erdem ist &#8222;Loyalit&#228;t&#8220; ein vager Begriff, der auch auf eine<br \/>\ninnere Disposition und nicht nur auf ein &#228;u&#223;eres Verhalten zielt<br \/>\n6. Die Pr&#252;fung, ob eine Religionsgemeinschaft nach ihrem Verhalten die Gew&#228;hr daf&#252;r bietet,<br \/>\ndie in GG Art 79 Abs 3 umschriebenen fundamentalen Verfassungsprinzipien, die staatlichem<br \/>\nSchutz anvertrauten Grundrechte Dritter sowie die Grundprinzipien des Religions- und<br \/>\nStaatskirchenrechts des GG nicht zu beeintr&#228;chtigen oder zu gef&#228;hrden, setzt eine komplexe<br \/>\nPrognose voraus. Hier ist den Fachgerichten eine typisierende Gesamtbetrachtung und<br \/>\nGesamtw&#252;rdigung aller derjenigen Umst&#228;nde aufgegeben, die f&#252;r die Entscheidung &#252;ber den<br \/>\nK&#246;rperschaftsstatus von Bedeutung sind.<br \/>\n7a. Im vorliegenden Fall hat das BVerwG zutreffend angenommen, dass der Beschwerdef&#252;hrerin<br \/>\nder K&#246;rperschaftsstatus nicht schon wegen ihrer grunds&#228;tzlichen Haltung zum Staat versagt<br \/>\nwerden darf, auch wenn diese den Staat als &#8222;Bestandteil der Welt Satans&#8220; ansieht. Sie erkennt<br \/>\nihn als von Gott geduldete &#220;bergangsordnung an. Eine dar&#252;ber hinausgehende Zustimmung<br \/>\noder Hinwendung zum Staat verlangt das GG nicht.<br \/>\n7b. Aber auch das religi&#246;se Verbot der Teilnahme an staatlichen Wahlen rechtfertigt die<br \/>\nVersagung des K&#246;rperschaftsstatus nicht. Die Beschwerdef&#252;hrerin will nicht die Demokratie<br \/>\ndurch eine andere Staatsform ersetzen, sie verfolgt einen apolitischen Lebensentwurf. Ihr<br \/>\nVerhalten gegen&#252;ber staatlichen Wahlen ist ein Gesichtspunkt, der zwar bei der gebotenen<br \/>\ntypisierenden Gesamtbetrachtung Ber&#252;cksichtigung finden kann, der aber f&#252;r sich allein die<br \/>\nAnnahme einer Gef&#228;hrdung der unantastbaren Gehalte des Demokratieprinzips nicht tr&#228;gt.<br \/>\n7c. Das angegriffene Urteil des BVerwG verletzt GG Art 140 iVm WRV Art 137 Abs 5 S 2. Bei<br \/>\nder den Fachgerichten nunmehr aufgegeben erneuten Pr&#252;fung des Verleihensanspruchs wird<br \/>\ninsbesondere zu kl&#228;ren sein, ob die staatlichem Schutz anvertrauten Grundrechte Dritter einer<br \/>\nVerleihung des K&#246;rperschaftsstatus entgegenstehen. Im fachgerichtlichen Verfahren ist offen<br \/>\ngeblieben, ob die Beschwerdef&#252;hrerin durch die von ihr empfohlenen Erziehungspraktiken<br \/>\ndas Wohl der Kinder beeintr&#228;chtigt oder austrittswillige Mitglieder zwangsweise oder mit<br \/>\nvom GG missbilligten Mitteln in der Gemeinschaft festh&#228;lt und damit dem staatlichen Schutz<br \/>\nanvertraute Grundrechte beeintr&#228;chtigt.<br \/>\nFundstellen<br \/>\nBVerfGE 102, 370-400 (Leitsatz und Gr&#252;nde)<br \/>\nNJW 2001, 429-433 (Leitsatz und Gr&#252;nde)<br \/>\nDVBl 2001, 284-289 (Leitsatz und Gr&#252;nde)<br \/>\nZevKR 46, 224-225 (2001 (Leitsatz und Gr&#252;nde)<br \/>\nDVP 2001, 250-251 (red. Leitsatz und Gr&#252;nde)<br \/>\nKirchE 38, 502-519 (2000) (Leitsatz und Gr&#252;nde)<br \/>\nweitere Fundstellen<br \/>\nNVwZ 2001, 316 (Leitsatz)<br \/>\nJuS 2001, 496 (Leitsatz)<br \/>\nJA 2001, 641 (Leitsatz)<br \/>\nBayVBl 2001, 720-721 (Leitsatz)<br \/>\nKuR 985, 93 (Leitsatz)<br \/>\nVerfahrensgang<br \/>\nvorgehend BVerwG 7. Senat, 26. Juni 1997, Az: 7 C 11\/96, Urteil<br \/>\nnachgehend BVerwG 7. Senat, 17. Mai 2001, Az: 7 C 1\/01, Urteil<br \/>\nnachgehend BVerfG 2. Senat, 24. Oktober 2001, Az: 2 BvR 1500\/97, Gegenstandswertfestsetzung im<br \/>\nverfassungsgerichtlichen Verfahren<br \/>\nDiese Entscheidung wird zitiert<br \/>\nRechtsprechung<br \/>\nVergleiche BFH 2. Senat, 30. Juni 2010, Az: II R 12\/09<br \/>\nVergleiche FG Hamburg 3. Senat, 5. November 2009, Az: 3 K 71\/09<br \/>\nVergleiche Nieders&#228;chsisches Finanzgericht 1. Senat, 22. Januar 2009, Az: 1 K 128\/07<br \/>\nVergleiche Nieders&#228;chsisches Finanzgericht 1. Senat, 22. Januar 2009, Az: 1 K 53\/08<br \/>\nVergleiche Nieders&#228;chsisches Finanzgericht 1. Senat, 22. Januar 2009, Az: 1 K 130\/07<br \/>\nVergleiche Nieders&#228;chsisches Finanzgericht 1. Senat, 22. Januar 2009, Az: 1 K 238\/07<br \/>\nVergleiche Nieders&#228;chsisches Finanzgericht 1. Senat, 22. Januar 2009, Az: 1 K 285\/08<br \/>\nVergleiche BFH 5. Senat, 27. November 2008, Az: V R 8\/07<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 14. November 2008, Az: 11 K 4225\/07 BG<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 14. November 2008, Az: 11 K 840\/08 BG<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 14. November 2008, Az: 11 K 662\/08 BG<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 14. November 2008, Az: 11 K 843\/08 BG<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 14. November 2008, Az: 11 K 1674\/08 BG<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 14. November 2008, Az: 11 K 3633\/07 BG<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 14. November 2008, Az: 11 K 3631\/07 BG<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 14. November 2008, Az: 11 K 3180\/07 BG<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 5. Februar 2008, Az: 11 V 4226\/07 A (BG)<br \/>\nVergleiche FG K&#246;ln 4. Senat, 5. September 2007, Az: 4 V 2092\/07<br \/>\nVergleiche FG D&#252;sseldorf 11. Senat, 28. Juni 2007, Az: 11 V 1910\/07 A (BG)<br \/>\nVergleiche BVerfG 2. Senat, 24. Oktober 2006, Az: 2 BvR 1908\/03<br \/>\nVergleiche BVerfG 1. Senat 2. Kammer, 2. Oktober 2003, Az: 1 BvR 536\/03<br \/>\nVergleiche BVerfG 1. Senat 2. Kammer, 12. August 2002, Az: 1 BvR 1044\/93<br \/>\nVergleiche BVerfG 1. Senat, 26. Juni 2002, Az: 1 BvR 670\/91<br \/>\nVergleiche BVerfG 2. Senat 3. Kammer, 26. M&#228;rz 2001, Az: 2 BvR 943\/99<br \/>\nVerwaltungsvorschriften<br \/>\nVergleiche VV NW OFD M&#252;nster 2001-02-01 S 2729-120-St 13-31<br \/>\nVergleiche VV SL FinMin 2001-03-01 B\/3-62\/2001-S 0171<br \/>\nVergleiche VV ST OFD Magdeburg 2001-03-19 S 0171-102-St 217<br \/>\nLiteraturnachweise<br \/>\nWerner Neumann, jurisPR-BVerwG 13\/2008 Anm. 5 (Anmerkung)<br \/>\nWerner Neumann, jurisPR-BVerwG 12\/2009 Anm. 4 (Anmerkung)<br \/>\nIno Augsberg, Der Staat 48, 239-258 (Aufsatz)<br \/>\nHorst Sendler, DVBl 2004, 8-16 (Aufsatz)<br \/>\nMarion Petri, JA 2001, 641-644 (Entscheidungsbesprechung)<br \/>\nStefan Muckel, Jura 2001, 456-462 (Entscheidungsbesprechung)<br \/>\nMichael Sachs, JuS 2001, 496-498 (Entscheidungsbesprechung)<br \/>\nReiner Tillmanns, Kirche und Recht im sozialen Rechtsstaat 2003, 919-943 (Festschriftenbeitrag)<br \/>\nRalf Poscher, NJ 2001, 364 (Anmerkung)<br \/>\nHorst Sendler, NJW 2002, 2611-2613 (Aufsatz)<br \/>\nHeinrich Wilms, NJW 2003, 1083-1090 (Entscheidungsbesprechung)<br \/>\nChristian Hillgruber, NVwZ 2001, 1347-1355 (Entscheidungsbesprechung)<br \/>\nHelmut Goerlich, NVwZ 2001, 1369-1371 (Entscheidungsbesprechung)<br \/>\nAxel von Campenhausen, ZevKR 46, 165-202 (2001) (Entscheidungsbesprechung)<br \/>\nJanbernd Oebbecke, ZfP 2008, 49-63 (Aufsatz)<br \/>\nPraxisreporte<br \/>\nWerner Neumann, jurisPR-BVerwG 13\/2008 Anm. 5 (Anmerkung)<br \/>\nWerner Neumann, jurisPR-BVerwG 12\/2009 Anm. 4 (Anmerkung)<br \/>\nKommentare<br \/>\nBachmann in: jurisPK-BGB, 5. Aufl. 2010, \u00a7 89 BGB<br \/>\nDiese Entscheidung zitiert<br \/>\nRechtsprechung<br \/>\nVergleiche BVerfG 1. Senat, 16. Mai 1995, Az: 1 BvR 1087\/91<br \/>\nVergleiche BVerfG 2. Senat, 13. Dezember 1983, Az: 2 BvL 13\/82<br \/>\nTenor<br \/>\n1. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 26. Juni 1997 &#8211; BVerwG 7 C 11.96 &#8211; verletzt<br \/>\ndie Beschwerdef&#252;hrerin in ihrem Recht aus Artikel 140 des Grundgesetzes in Verbindung mit<br \/>\nArtikel 137 Absatz 5 Satz 2 der Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919. Es wird<br \/>\naufgehoben. Die Sache wird an das Bundesverwaltungsgericht zur&#252;ckverwiesen.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nGr&#252;nde<br \/>\nA.<br \/>\n1 Die Verfassungsbeschwerde betrifft die Voraussetzungen, unter denen eine<br \/>\nReligionsgemeinschaft nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 der Verfassung vom 11.<br \/>\nAugust 1919 (Weimarer Reichsverfassung, im Folgenden: WRV) den Status einer K&#246;rperschaft<br \/>\ndes &#246;ffentlichen Rechts erlangen kann.<br \/>\nI.<br \/>\n2 1. Art. 140 GG erkl&#228;rt die Art. 136 bis 139 und 141 WRV zu Bestandteilen des Grundgesetzes.<br \/>\nNach Art. 137 Abs. 5 Satz 1 WRV behalten die Religionsgesellschaften, die bereits vor Erlass<br \/>\nder Weimarer Reichsverfassung K&#246;rperschaften des &#246;ffentlichen Rechts waren, diesen Status.<br \/>\nArt. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV bestimmt, dass anderen Religionsgesellschaften dieser Status auf<br \/>\nihren Antrag hin zu verleihen ist, wenn sie durch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder<br \/>\ndie Gew&#228;hr der Dauer bieten.<br \/>\n3 2. Der Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts vermittelt eine Reihe &#246;ffentlichrechtlicher<br \/>\nBefugnisse.<br \/>\n4 Nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 6 WRV sind die korporierten Religionsgemeinschaften<br \/>\nberechtigt, von ihren Mitgliedern Steuern zu erheben. Die Organisationsgewalt gibt ihnen die<br \/>\nBefugnis, &#246;ffentlich-rechtliche Untergliederungen und andere Institutionen mit Rechtsf&#228;higkeit<br \/>\nzu bilden.<br \/>\n5 Aufgrund ihrer Dienstherrenf&#228;higkeit k&#246;nnen sie &#246;ffentlich-rechtliche Dienstverh&#228;ltnisse<br \/>\nbegr&#252;nden. Sie k&#246;nnen eigenes Recht setzen und durch Widmung kirchliche &#246;ffentliche Sachen<br \/>\nschaffen. Das Parochialrecht gibt der Religionsgemeinschaft die Befugnis, die Zugeh&#246;rigkeit<br \/>\neines Mitglieds zu einer Gemeinde allein von der Wohnsitznahme abh&#228;ngig zu machen.<br \/>\n6 Der Gesetzgeber hat mit dem K&#246;rperschaftsstatus f&#252;r Religionsgemeinschaften eine<br \/>\nVielzahl von Einzelbeg&#252;nstigungen verbunden (sog. &#8222;Privilegienb&#252;ndel&#8220;). Zu ihnen geh&#246;ren<br \/>\nbeispielsweise steuerliche Beg&#252;nstigungen (\u00a7 54 AO, \u00a7 13 Abs. 1 Nr. 16 ErbStG, \u00a7 3 Abs. 1 Nr. 4<br \/>\nGrStG, \u00a7 2 Abs. 3 und \u00a7 4 a UStG), der Vollstreckungsschutz nach \u00a7 882 a ZPO und \u00a7 17 VwVG,<br \/>\ndie in \u00a7 1 Abs. 5 Satz 2 Nr. 6 BauGB angeordnete bauplanungsrechtliche R&#252;cksichtnahme auf<br \/>\ndie Erfordernisse der korporierten Religionsgemeinschaften, die institutionelle Absicherung der<br \/>\nZusammenarbeit der Sozialhilfetr&#228;ger mit den korporierten Religionsgemeinschaften in \u00a7 10<br \/>\nBSHG und ihre Anerkennung als Tr&#228;ger der freien Jugendhilfe durch \u00a7 75 Abs. 3 SGB VIII.<br \/>\n7 3. Neben den nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 1 WRV geborenen K&#246;rperschaften<br \/>\nhaben viele, auch kleinere, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften den<br \/>\nKorporationsstatus nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV erworben. Zu<br \/>\nihnen geh&#246;ren etwa die Alt-Katholische Kirche, der Bund Evangelisch-Freikirchlicher<br \/>\nGemeinden (Baptisten), der Bund freier evangelischer Gemeinden, der Bund freikirchlicher<br \/>\nPfingstgemeinden, der Bund freireligi&#246;ser Gemeinden, der Bund f&#252;r Geistesfreiheit in Bayern,<br \/>\ndie Christengemeinschaft, die Christliche Wissenschaft, die D&#228;nische Seemannskirche in<br \/>\nHamburg, die Deutschen Unitarier, die Europ&#228;isch-Festl&#228;ndische Br&#252;der- Unit&#228;t (Herrnhuter<br \/>\nBr&#252;dergemeinde), die Evangelisch-Bisch&#246;fliche Gemeinde in Hamburg, die Evangelisch-<br \/>\nMethodistische Kirche, die Franz&#246;sische Kirche zu Berlin (Hugenottenkirche), die Freigeistige<br \/>\nLandesgemeinschaft Nordrhein-Westfalen, die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten,<br \/>\ndie Heilsarmee in Deutschland, die Johannische Kirche in Berlin, die Kirche Jesu Christi der<br \/>\nHeiligen der letzten Tage (Mormonen), die Neuapostolische Kirche, die Russisch-Orthodoxe<br \/>\nKirche (Moskauer Patriarchat), die Russisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland, die<br \/>\nVereinigung der Mennoniten-Gemeinden oder die Wallonisch-Niederl&#228;ndische Gemeinde Hanau.<br \/>\nII.<br \/>\n8 1. a) Die Zeugen Jehovas sind &#8211; zun&#228;chst unter der Bezeichnung &#8222;Bibelforscher&#8220; &#8211; seit Ende<br \/>\ndes 19. Jahrhunderts in Deutschland aktiv. Als &#8222;Internationale Bibelforscher-Vereinigung&#8220;<br \/>\nwurde die Gemeinschaft 1927 als Verein im Vereinsregister des Amtsgerichts Magdeburg<br \/>\neingetragen. Unter dem Nationalsozialismus wurden die Zeugen Jehovas verfolgt und verboten;<br \/>\ndie Eintragung wurde gel&#246;scht. 1945 erfolgte eine vereinsrechtliche Neugr&#252;ndung mit<br \/>\nEintragung wiederum beim Amtsgericht Magdeburg. 1950 wurde dieser Verein erneut, nun<br \/>\ndurch das Innenministerium der DDR, verboten. Daraufhin konstituierte sich die Gemeinschaft<br \/>\nf&#252;r den Bereich der damaligen Bundesrepublik unter dem Namen &#8222;Wachtturm Bibel- und<br \/>\nTraktatgesellschaft, Deutscher Zweig e. V.&#8220; mit Sitz in Selters\/ Taunus.<br \/>\n9 b) Beschwerdef&#252;hrerin ist die &#8222;Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in Deutschland<br \/>\ne. V.&#8220;. Sie hat ihren Sitz in Berlin und ist aus der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas<br \/>\nin der DDR hervorgegangen. Diesen, den &#8222;Zeugen Jehovas in der DDR&#8220;, hat der Ministerrat<br \/>\nder DDR, Amt f&#252;r Kirchenfragen, auf Antrag mit Urkunde vom 14. M&#228;rz 1990 die &#8222;staatliche<br \/>\nAnerkennung&#8220; ausgesprochen.<br \/>\n10 c) Im Laufe des Verfassungsbeschwerde-Verfahrens haben die Zeugen Jehovas ihre rechtliche<br \/>\nOrganisation in Deutschland ver&#228;ndert. Der T&#228;tigkeitsbereich der Beschwerdef&#252;hrerin wurde<br \/>\nauf ganz Deutschland erweitert und diese am 14. Oktober 1999 in das Vereinsregister<br \/>\nbeim Amtsgericht Charlottenburg in Berlin eingetragen. Sie ist nunmehr die geistliche<br \/>\naufsichtsf&#252;hrende K&#246;rperschaft aller Zeugen Jehovas in Deutschland.<br \/>\n11 2. a) Mit Schreiben vom 23. Oktober 1990 bat die Beschwerdef&#252;hrerin den Magistrat und<br \/>\nSenat von Berlin um Best&#228;tigung ihrer Rechtsstellung als K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\nund verwies auf die Urkunde des Ministerrats der DDR vom 14. M&#228;rz 1990. Am 8. April 1991<br \/>\nbeantragte sie zudem vorsorglich die Verleihung der K&#246;rperschaftsrechte gem&#228;&#223; Art. 140 GG i.<br \/>\nV. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV.<br \/>\n12 b) Mit Bescheid vom 20. April 1993 hat das Land Berlin, Senatsverwaltung f&#252;r Kulturelle<br \/>\nAngelegenheiten, die Antr&#228;ge abgewiesen. Die vom Ministerrat der DDR ausgesprochene<br \/>\nAnerkennung sei keine Verleihung des K&#246;rperschaftsstatus gewesen. Ein Anspruch auf<br \/>\nVerleihung der K&#246;rperschaftsrechte nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV<br \/>\nbestehe nicht. Dieser Anspruch setze ein positives, zumindest nicht distanziert- ablehnendes,<br \/>\nGrundverh&#228;ltnis der Beschwerdef&#252;hrerin zum Staat voraus. Au&#223;erdem m&#252;sse sie die zum<br \/>\nKernbestand des Grundgesetzes z&#228;hlenden Normen des Demokratie- und des Toleranzprinzips<br \/>\nbejahen.<br \/>\n13 Zu beobachten sei bereits ein strukturell negatives Grundverst&#228;ndnis gegen&#252;ber dem Staat.<br \/>\nAuch gebe es Zweifel hinsichtlich des Toleranzgebots. So werde, geleitet von einem religi&#246;sen<br \/>\nAusschlie&#223;lichkeitsanspruch im Verh&#228;ltnis zu anderen Religionsgemeinschaften, jede Form des<br \/>\nMiteinanders abgelehnt.<br \/>\n14 Entscheidend sei, dass die Beschwerdef&#252;hrerin das aktive wie das passive Wahlrecht ablehne<br \/>\nund lediglich die Mitgliedschaft in Berufsvertretungen zulasse. Auch habe offenbar keines ihrer<br \/>\nMitglieder Sitz und Stimme in einem Kommunal- oder Landesparlament. Die Teilnahme an der<br \/>\npolitischen Willensbildung durch Aus&#252;bung des aktiven und passiven Wahlrechts geh&#246;re aber<br \/>\nzu den elementaren Prinzipien der demokratischen Grundordnung. Die generelle Ablehnung<br \/>\neiner Mitwirkung am Prozess der politischen Willensbildung sei nicht mit dem Status einer<br \/>\nK&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts vereinbar.<br \/>\n15 3. a) Mit ihrer Klage zum Verwaltungsgericht Berlin beantragte die Beschwerdef&#252;hrerin<br \/>\nfestzustellen, dass sie eine K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts sei, hilfsweise, das Land Berlin<br \/>\nzu verpflichten, ihr die Rechtsstellung einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts zu verleihen.<br \/>\n16 b) Das Verwaltungsgericht Berlin hat mit Urteil vom 25. Oktober 1993 (NVwZ 1994, S. 609 ff.)<br \/>\nden Hauptantrag abgewiesen und dem Hilfsantrag stattgegeben.<br \/>\n17 Die Voraussetzungen f&#252;r eine Verleihung der Korporationsrechte gem&#228;&#223; Art. 140 GG i. V.<br \/>\nm. Art. 137 Abs. 5 WRV seien gegeben. Die Beschwerdef&#252;hrerin erf&#252;lle alle Merkmale einer<br \/>\nReligionsgemeinschaft. Die Dauerhaftigkeit ihrer Existenz sei unzweifelhaft.<br \/>\n18 Ebenso sei die weitere, ungeschriebene, Verleihensvoraussetzung der &#8222;Rechtstreue&#8220; bzw.<br \/>\nder &#8222;uneingeschr&#228;nkten Achtung der Rechtsordnung&#8220; erf&#252;llt. Anhaltspunkte daf&#252;r, dass die<br \/>\nBeschwerdef&#252;hrerin bei der Aus&#252;bung ihrer Rechtsstellung als K&#246;rperschaft im au&#223;erkirchlichen<br \/>\nBereich nicht die Gew&#228;hr der Rechtm&#228;&#223;igkeit ihrer Handlungen biete oder dem Staat aktiven<br \/>\nWiderstand leisten werde &#8211; was allein die Versagung der Verleihung von K&#246;rperschaftsrechten<br \/>\nbegr&#252;nden k&#246;nne -, seien nicht dargelegt und auch nicht ersichtlich. Angesichts des Umstands,<br \/>\ndass die Beschwerdef&#252;hrerin als mitgliederstarke Religionsgemeinschaft jahrzehntelang &#8211;<br \/>\nmit Ausnahme von Verboten und Verfolgungen w&#228;hrend der nationalsozialistischen und der<br \/>\nkommunistischen Gewaltherrschaft &#8211; in der demokratischen Gesellschaft unbeanstandet<br \/>\nt&#228;tig sei, m&#252;sse man davon ausgehen, dass es verfassungsfeindliche Bestrebungen und<br \/>\ngesetzeswidrige Verhaltensweisen nicht gebe.<br \/>\n19 Die Annahme, eine Religionsgemeinschaft mit Korporationsstatus m&#252;sse in Bezug auf das<br \/>\nToleranz- und das Demokratiegebot ein Mindestma&#223; an Bejahung erkennen lassen, verkenne<br \/>\ndie Besonderheit des K&#246;rperschaftsbegriffs i. S. d. Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 WRV.<br \/>\nDieser sei nicht im allgemeinen staatsorganisationsrechtlichen Sinn zu verstehen. Er sei<br \/>\nlediglich ein Hilfsbegriff, der die Zuerkennung eines &#246;ffentlichen, besonderen, nicht-staatlichen<br \/>\nStatus und damit die herausgehobene gesellschaftliche Bedeutung bestimmter Kirchen und<br \/>\nReligionsgemeinschaften unterstreichen solle.<br \/>\n20 Ihre Einstellung zum Staat und zu staatlichen Wahlen k&#246;nne der Beschwerdef&#252;hrerin nicht<br \/>\nentgegen gehalten werden.<br \/>\n21 Sie beruhe auf religi&#246;sen &#220;berzeugungen, die zu bewerten dem Staat auch dann versagt sei,<br \/>\nwenn ihre Auswirkungen in den &#246;ffentlichen Bereich hineinwirkten. Die Beschwerdef&#252;hrerin<br \/>\n&#252;berschreite auch die der Religionsfreiheit gezogenen Grenzen nicht, weil es jedem Mitglied<br \/>\nfreistehe, sein Recht zur Teilnahme an der politischen Willensbildung dennoch wahrzunehmen.<br \/>\n22 Auch die an das Toleranzgebot ankn&#252;pfende Begr&#252;ndung, die Beschwerdef&#252;hrerin lehne<br \/>\nim Verh&#228;ltnis zu anderen Religionsgemeinschaften jede Form des Miteinanders ab,<br \/>\nverkenne Bedeutung und Tragweite des Art. 4 GG. Anders als der Staat seien Kirchen und<br \/>\nReligionsgemeinschaften nicht zur Toleranz verpflichtet. Auch best&#252;nde keine Pflicht zur<br \/>\nZusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften.<br \/>\n23 Ob die Beschwerdef&#252;hrerin organisatorisch eine &#8222;demokratische Binnenstruktur&#8220; habe, sei<br \/>\nunbeachtlich. Die innere Organisation einer Religionsgemeinschaft entspringe dem kirchlichen<br \/>\nSelbstbestimmungsrecht. Der Einfluss der Religionsgemeinschaft auf ihre Mitglieder unterliege<br \/>\nebenfalls ihrer autonomen Gestaltung, sofern gew&#228;hrleistet sei, dass die Zugeh&#246;rigkeit zur<br \/>\nGlaubensgemeinschaft auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhe. Anhaltspunkte daf&#252;r, dass die<br \/>\nBeschwerdef&#252;hrerin dieses Gebot der Freiwilligkeit missachte, seien weder vorgetragen noch<br \/>\nersichtlich.<br \/>\n24 4. Mit Urteil vom 14. Dezember 1995 hat das Oberverwaltungsgericht Berlin (NVwZ 1996, S.<br \/>\n478 ff.) die Berufungen der Beschwerdef&#252;hrerin und des Landes Berlin zur&#252;ckgewiesen. Die<br \/>\nBeschwerdef&#252;hrerin besitze den Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts nicht, k&#246;nne<br \/>\naber dessen Verleihung durch das Land Berlin beanspruchen.<br \/>\n25 Die seit nahezu 100 Jahren auf vereinsrechtlicher Basis t&#228;tigen Zeugen Jehovas b&#246;ten<br \/>\nsowohl nach ihren Statuten und ihren Verm&#246;gensverh&#228;ltnissen als auch nach der Zahl<br \/>\nihrer Mitglieder die erforderliche Gew&#228;hr der Dauer. Die ungeschriebene Voraussetzung<br \/>\nder &#8222;Rechtstreue&#8220; sei ebenfalls erf&#252;llt. Dass die Beschwerdef&#252;hrerin bei der Aus&#252;bung ihr<br \/>\nzuerkannter K&#246;rperschaftsrechte nicht die Gew&#228;hr der Rechtm&#228;&#223;igkeit ihrer Handlungen biete<br \/>\noder dem Staat in k&#228;mpferischer Form aktiven Widerstand leisten werde, sei nicht zu erkennen.<br \/>\n26 Dar&#252;ber hinausgehende Forderungen lie&#223;en sich nicht aus dem Begriff oder der Bedeutung des<br \/>\nK&#246;rperschaftsstatus i. S. d. Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 WRV herleiten. Die Verpflichtung<br \/>\ndes Staates zu strikter religi&#246;ser und weltanschaulicher Neutralit&#228;t lasse sich nicht durch einen<br \/>\nR&#252;ckgriff auf das Demokratieprinzip in Frage stellen. Die Vorw&#252;rfe, mit denen die Versagung<br \/>\nder K&#246;rperschaftsrechte begr&#252;ndet w&#252;rden, betr&#228;fen im Wesentlichen Verhaltensweisen,<br \/>\ndie nach dem Selbstverst&#228;ndnis der Beschwerdef&#252;hrerin ihrem elementaren geistigreligi&#246;sen<br \/>\nAuftrag entspr&#228;chen, im staatlichen Zust&#228;ndigkeitsbereich keine unmittelbaren<br \/>\nRechtswirkungen entfalteten und sich staatlicher Bewertung deshalb von vornherein entz&#246;gen.<br \/>\nDer Appell zur umfassenden Wahlenthaltung beruhe auf dem religi&#246;sen Selbstverst&#228;ndnis<br \/>\nder Beschwerdef&#252;hrerin und sei nicht von der Zielsetzung getragen, das staatliche<br \/>\nDemokratieprinzip als solches in Frage zu stellen oder zu beseitigen.<br \/>\n27 5. Auf die wegen des Hilfsantrags zugelassene Revision des Landes Berlin hat das<br \/>\nBundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 26. Juni 1997 (BVerwGE 105, 117 ff.) die Urteile des<br \/>\nVerwaltungsgerichts und des Oberverwaltungsgerichts aufgehoben, soweit sie das Land Berlin<br \/>\nverpflichteten, der Beschwerdef&#252;hrerin die Rechtsstellung einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen<br \/>\nRechts im Land Berlin zu verleihen, und die Klage der Beschwerdef&#252;hrerin abgewiesen.<br \/>\n28 a) Anhaltspunkte daf&#252;r, dass die Beschwerdef&#252;hrerin im Falle ihrer Anerkennung die ihr<br \/>\nzuerkannten Hoheitsrechte nicht im Einklang mit dem einschl&#228;gigen Recht aus&#252;ben w&#252;rde,<br \/>\nseien nicht zu sehen.<br \/>\n29 b) Dem Einwand, die Beschwerdef&#252;hrerin praktiziere ein Zwangssystem, das der Wertordnung<br \/>\ndes Grundgesetzes widerspreche, sei entgegenzuhalten, dass die Verfassung den<br \/>\nReligionsgemeinschaften kein Demokratiemodell vorschreibe.<br \/>\n30 Vielmehr sei auch die Herausbildung hierarchischer oder autorit&#228;rer Organisationsstrukturen<br \/>\nverfassungsrechtlich gesch&#252;tzt.<br \/>\n31 c) Ob die Beschwerdef&#252;hrerin die Voraussetzung der &#8222;Rechtstreue&#8220; erf&#252;lle, ob insbesondere die<br \/>\nweiteren Vorw&#252;rfe &#8211; sie halte austrittswillige Mitglieder zwangsweise oder sonst mit unlauteren<br \/>\nMitteln in ihrer Gemeinschaft fest und beeintr&#228;chtige durch ihre Erziehungsgrunds&#228;tze<br \/>\nund -praktiken das Kindeswohl &#8211; berechtigt seien, k&#246;nne dahinstehen, weil der Anspruch<br \/>\nauf Verleihung der Korporationsrechte an einem anderen, durch den Sinn und Zweck des<br \/>\nKorporationsstatus vorgegebenen, Grund scheitere:<br \/>\n32 d) Von einer Religionsgemeinschaft, die mit ihrem Antrag auf Verleihung der Korporationsrechte<br \/>\ndie N&#228;he zum Staat suche und dessen spezifische rechtliche Gestaltungsformen und<br \/>\nMachtmittel f&#252;r ihre Zwecke in Anspruch nehmen wolle, k&#246;nne erwartet werden, dass sie die<br \/>\nGrundlagen der staatlichen Existenz nicht prinzipiell in Frage stelle. Die Gemeinschaft sei<br \/>\ndem Staatswesen gegen&#252;ber zwar grunds&#228;tzlich positiv eingestellt, lehne aber prinzipiell<br \/>\ndie Teilnahme an staatlichen Wahlen ab. Diese Ablehnung sei &#8211; ebenso wie die Ablehnung<br \/>\ndes Wehr- und des Ersatzdienstes &#8211; Ausdruck eines strikt zu befolgenden Glaubensgebots.<br \/>\nEin Zeuge Jehovas, der auf der Teilnahme an staatlichen Wahlen beharre, k&#246;nne nicht in der<br \/>\nGlaubensgemeinschaft verbleiben.<br \/>\n33 Mit dem Verbot der Wahlteilnahme und dem entsprechenden Verhalten ihrer Mitglieder setze<br \/>\nsich die Beschwerdef&#252;hrerin in einen verfassungsrechtlich nicht hinnehmbaren Widerspruch zu<br \/>\ndem f&#252;r die staatliche Ordnung im Bund und in den L&#228;ndern konstitutiven Demokratieprinzip,<br \/>\ndas zum unantastbaren Kernbestand der Verfassung geh&#246;re. In dem Umfang, in dem die<br \/>\nBeschwerdef&#252;hrerin auf das Wahlverhalten der B&#252;rger Einfluss nehme oder k&#252;nftig gewinne,<br \/>\nschw&#228;che sie die Legitimationsbasis, auf die der Staat f&#252;r die Aus&#252;bung der Staatsgewalt &#8211;<br \/>\neinschlie&#223;lich der &#220;bertragung dieser Gewalt an Private &#8211; angewiesen sei.<br \/>\n34 Der Einwand, in der Bundesrepublik Deutschland bestehe keine Rechtspflicht zur Beteiligung an<br \/>\nParlamentswahlen, verfange nicht. Die Verfassung erlege allen B&#252;rgern die Verantwortung auf,<br \/>\nihr Recht auch tats&#228;chlich auszu&#252;ben.<br \/>\n35 Auch verkenne die Beschwerdef&#252;hrerin die Bedeutung des Art. 4 GG, wenn sie vortrage,<br \/>\nihre Einstellung zu den Wahlen sei unmittelbarer Ausfluss ihrer grundrechtlich gesch&#252;tzten<br \/>\nReligionsfreiheit und d&#252;rfe daher nicht mit Rechtsfolgen zu ihren Lasten verkn&#252;pft werden.<br \/>\nDer durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG gew&#228;hrleistete Freiraum bleibe einer Religionsgemeinschaft<br \/>\nn&#228;mlich uneingeschr&#228;nkt erhalten, gleichg&#252;ltig ob sie als K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\nanerkannt sei oder nicht.<br \/>\nIII.<br \/>\n36 Mit ihrer Verfassungsbeschwerde r&#252;gt die Beschwerdef&#252;hrerin eine Verletzung der Art. 3 Abs. 1<br \/>\nund Abs. 3, Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG i. V. m. Art. 140 GG, Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV.<br \/>\n37 1. Die Verfassungsbeschwerde sei zul&#228;ssig. Sie k&#246;nne zwar nicht unmittelbar auf die Verletzung<br \/>\ndes Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 WRV gest&#252;tzt werden. Die Beschwerdef&#252;hrerin<br \/>\nk&#246;nne aber eine Verletzung von Art. 4 GG r&#252;gen. Die Verleihung der Rechtsform sei eine<br \/>\nbesondere Form der &#8222;staatlichen Grundrechtssubventionierung&#8220;, die in gleicher Weise<br \/>\nallen Religionsgemeinschaften, die Tr&#228;ger des Grundrechts aus Art. 4 GG seien, zugute<br \/>\nkommen m&#252;sse. Es geh&#246;re zum Schutz der religi&#246;sen Vereinigungsfreiheit, dass eine<br \/>\nReligionsgemeinschaft, wenn sie die Verleihensvoraussetzungen erf&#252;lle, frei unter den<br \/>\nangebotenen Organisationsformen w&#228;hlen k&#246;nne. Im &#220;brigen sei auch Art. 3 Abs. 1 GG in<br \/>\nseiner Auspr&#228;gung als striktes Parit&#228;tsgebot verletzt.<br \/>\n38 2. Die Verfassungsbeschwerde sei auch begr&#252;ndet.<br \/>\n39 a) Die Beschwerdef&#252;hrerin erf&#252;lle alle ausdr&#252;cklich in der Verfassung genannten<br \/>\nVerleihensvoraussetzungen. Ihre eschatologische Ausrichtung stelle die Gew&#228;hr der Dauer<br \/>\nangesichts eines mehr als ein Jahrhundert w&#228;hrenden Bestands nicht in Frage. Im &#220;brigen gehe<br \/>\ndie Beschwerdef&#252;hrerin nach ihrem Selbstverst&#228;ndnis davon aus, dass sie das Ende der Welt<br \/>\n&#252;berdauern werde. Eine vorg&#228;ngige Bew&#228;hrung als eingetragener<br \/>\n40 Verein d&#252;rfe nicht verlangt werden. Im &#220;brigen habe sich die Beschwerdef&#252;hrerin &#8211; abgesehen<br \/>\nvon den Verbotsperioden der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des DDRUnrechtssystems<br \/>\n&#8211; als privater Verein bew&#228;hrt. Auf diese Frage komme es au&#223;erdem nicht mehr<br \/>\nan, nachdem sich die Beschwerdef&#252;hrerin in das Vereinsregister habe eintragen lassen.<br \/>\n41 b) Die rechtssch&#246;pferische Konstruktion des Bundesverwaltungsgerichts, &#252;ber die Anforderung<br \/>\nder &#8222;Rechtstreue&#8220; hinaus eine weitere ungeschriebene Verleihensvoraussetzung zu entwickeln<br \/>\nund eine besondere &#8222;Staatsloyalit&#228;t&#8220; zu fordern, sei von der Verfassung nicht gedeckt.<br \/>\nZwar werde vertreten, dass zu den Voraussetzungen eines Korporationsstatus nicht nur<br \/>\n&#8222;Rechtstreue&#8220;, sondern auch &#8222;Hoheitsf&#228;higkeit&#8220;, &#8222;Anerkennungsw&#252;rdigkeit&#8220; oder &#8222;Dignit&#228;t&#8220;<br \/>\ngeh&#246;rten. Bei genauerer Betrachtung sehe man jedoch, dass diese Begriffe lediglich eine<br \/>\nandere Umschreibung des Erfordernisses der &#8222;Rechtstreue&#8220; seien. Wollte man sie f&#252;r ein<br \/>\nzus&#228;tzliches materielles Kriterium halten, so liefe dies auf eine unzul&#228;ssige Qualit&#228;tspr&#252;fung<br \/>\nhinaus. Dann w&#252;rden n&#228;mlich inhaltlich-qualitative Anforderungen an die innere Ordnung<br \/>\nund an das Bekenntnis der Gemeinschaft eingef&#252;hrt. Eine solche Qualit&#228;tspr&#252;fung sei<br \/>\nbereits unter dem Gesichtspunkt der Statusgleichheit aller Religionsgemeinschaften<br \/>\nunzul&#228;ssig. Das Prinzip strikter Parit&#228;t werde unterlaufen, wenn mit Hilfe einer zus&#228;tzlichen,<br \/>\nungeschriebenen, Verleihensvoraussetzung inhaltliche, bekenntnisgebundene, Gesichtspunkte<br \/>\nals Abgrenzungskriterien herangezogen w&#252;rden.<br \/>\n42 Im &#220;brigen w&#252;rde die Beschwerdef&#252;hrerin auch solche Voraussetzungen erf&#252;llen.<br \/>\nIhr Staatsverst&#228;ndnis, das sich nicht grundlegend von dem anderer christlicher<br \/>\nReligionsgemeinschaften, insbesondere dem der gro&#223;en Kirchen, unterscheide, lasse eine<br \/>\ngrunds&#228;tzliche Akzeptanz der verfassungsrechtlichen Grundordnung erkennen.<br \/>\n43 c) Mit dem neu entwickelten Kriterium der &#8222;Staatsloyalit&#228;t&#8220; verlange das<br \/>\nBundesverwaltungsgericht nicht nur ein grunds&#228;tzlich positives Staatsverst&#228;ndnis und die<br \/>\nvorbehaltlose Hinnahme der Ergebnisse des demokratischen Prozesses, sondern dar&#252;ber hinaus<br \/>\ndie Bejahung aktiver Teilnahme am demokratischen Prozess. Dies schaffe ein Zwei-Klassen-<br \/>\nSystem von Verfassungsreligionsgemeinschaften und Religionsgemeinschaften minderen<br \/>\nStatus, welches die Legitimation des gesamten Staatskirchenrechts in Frage stellen k&#246;nne.<br \/>\nDer Korporationsstatus aber begr&#252;nde nicht eine besondere &#8222;N&#228;he zum Staat&#8220;, sondern sei<br \/>\nAusdruck staatlicher Grundrechtsf&#246;rderung. Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 WRV enthalte<br \/>\nzudem eine strikte Parit&#228;tsentscheidung. Diese sei im Zusammenhang mit Art. 140 GG i. V. m.<br \/>\nArt. 137 Abs. 1 WRV zu sehen. Kirchen als K&#246;rperschaften des &#246;ffentlichen Rechts seien keine<br \/>\nQuasi- Staatskirchen. Die Verleihung des K&#246;rperschaftsstatus d&#252;rfe deswegen nicht von einer<br \/>\nspezifischen Bindung an den Staat abh&#228;ngig gemacht werden.<br \/>\n44 Die Ablehnung, an Wahlen teilzunehmen, sei im &#220;brigen nicht Ausdruck mangelnder<br \/>\nLoyalit&#228;t. Da es im Geltungsbereich des Grundgesetzes keine Rechtspflicht zur Beteiligung<br \/>\nan Wahlen gebe, bedeute die Verkn&#252;pfung des Demokratieprinzips mit dem Gesichtspunkt<br \/>\nder &#8222;Staatsloyalit&#228;t&#8220; eine unzul&#228;ssige Umdeutung des Demokratieprinzips: von einem<br \/>\nStrukturprinzip der staatlichen Ordnung in eine an die Gesellschaft gerichtete Forderung auf<br \/>\nPartizipation.<br \/>\n45 Soweit die Entscheidung, sich nicht an staatlichen Wahlen zu beteiligen, religi&#246;s motiviert sei,<br \/>\nsei nicht nur die Propagierung dieser Glaubens&#252;berzeugung, sondern auch deren Praktizierung<br \/>\nspeziell, n&#228;mlich durch Art. 4 GG i. V. m. dem kirchlichen Selbstbestimmungsrecht (Art. 137<br \/>\nAbs. 3 WRV), gesch&#252;tzt. Die Praktizierung dieser Glaubens&#252;berzeugung dokumentiere nicht,<br \/>\ndass die Grundlagen staatlicher Existenz prinzipiell in Frage gestellt w&#252;rden. Wie die Schriften<br \/>\nder Zeugen Jehovas belegten, bedeute ihr Verst&#228;ndnis von religi&#246;ser Neutralit&#228;t &#8211; mit der<br \/>\nKonsequenz der Nichtteilnahme an Wahlen &#8211; nicht, dass sie die Wahlen als Grundlage des<br \/>\ndemokratischen Staates in Zweifel z&#246;gen. Die Zeugen Jehovas akzeptierten vielmehr die<br \/>\nErgebnisse demokratischer Wahlen als Grundlage einer staatlichen Obrigkeit, die auch im<br \/>\nLichte ihrer Religion legitim sei.<br \/>\n46 Im &#220;brigen weise das Verst&#228;ndnis der Zeugen Jehovas deutliche Parallelen zur protestantischen<br \/>\nGlaubens&#252;berzeugung auf. Auch die Haltung der katholischen Kirche, die Inkompatibilit&#228;ten<br \/>\nhinsichtlich politischer &#196;mter normiere, sei nur graduell, nicht aber grunds&#228;tzlich anders als die<br \/>\nAuffassung der Zeugen Jehovas. Man m&#252;sse auch beachten, dass die von den Zeugen Jehovas<br \/>\npraktizierte &#8222;gewisse Weltabkehr&#8220; und Zur&#252;ckhaltung gegen&#252;ber jedem Staat die Gemeinschaft<br \/>\nvor jeder Verstrickung, insbesondere in die zwei Gewaltherrschaften der j&#252;ngeren deutschen<br \/>\nVergangenheit, bewahrt und ihnen zugleich vielf&#228;ltige Verfolgung eingetragen habe.<br \/>\nIV.<br \/>\n47 Das Bundesverfassungsgericht hat den &#196;u&#223;erungsberechtigten Gelegenheit zur Stellungnahme<br \/>\ngegeben.<br \/>\n48 1. Die Bayerische Staatsregierung h&#228;lt die Verfassungsbeschwerde f&#252;r unbegr&#252;ndet.<br \/>\nDie Gemeinschaft der Zeugen Jehovas stelle sich in Widerspruch zur Werteordnung des<br \/>\nGrundgesetzes, wenn sie ihre Glaubensmitglieder daran hindere, als m&#252;ndige B&#252;rger in einem<br \/>\ndemokratischen Rechtsstaat ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen; ihre Lehre sei von<br \/>\nAbsolutheitsdenken gepr&#228;gt und wirke im Gemeinschaftsleben massiv auf einzelne Mitglieder<br \/>\nein.<br \/>\n49 2. Der Senat von Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung f&#252;r Wissenschaft, Forschung und<br \/>\nKultur, hat seinen<br \/>\n50 Beitritt zum Verfahren erkl&#228;rt, einen Beschluss der Landesregierung &#252;ber den Beitritt allerdings<br \/>\ntrotz Hinweises nicht vorgetragen. Der Senator f&#252;r Wissenschaft, Forschung und Kultur ist dem<br \/>\nVerfahren ebenfalls beigetreten. Sie tragen vor:<br \/>\n51 a) Die Verfassungsbeschwerde sei unzul&#228;ssig. Die staatskirchenrechtlichen Normen seien<br \/>\nkeine Grundrechte, und dies k&#246;nne auch nicht durch einen R&#252;ckgriff auf Art. 3 bzw. Art. 4 GG<br \/>\nkompensiert werden.<br \/>\n52 b) Die Verfassungsbeschwerde sei auch unbegr&#252;ndet.<br \/>\n53 Der Beschwerdef&#252;hrerin fehle es an der F&#228;higkeit zur dauerhaften Kooperation mit dem Staat,<br \/>\nweil sie nach ihrem Selbstverst&#228;ndnis nicht auf l&#228;ngere Dauer angelegt sei; sie erwarte n&#228;mlich<br \/>\nzu einem bestimmbaren, in n&#228;herer Zukunft liegenden, Zeitpunkt den Weltuntergang. Der<br \/>\nKorporationsstatus setze zudem Erfahrungen und Bew&#228;hrungen auf der vorangegangenen<br \/>\nRechtsstufe des eingetragenen Vereins voraus. Dies fehle der Beschwerdef&#252;hrerin.<br \/>\n54 Es sei ein un&#252;berbr&#252;ckbarer Wertungswiderspruch, wenn einerseits die Beschwerdef&#252;hrerin<br \/>\naufgrund staatlicher Privilegierung den Korporationsstatus erlange, andererseits der sie<br \/>\nprivilegierende Staat selbst mit Recht vor eben dieser K&#246;rperschaft warnen d&#252;rfe. Im Hinblick<br \/>\nauf schwerwiegende Verletzungen im Bereich sozialrechtlicher Schutz- und F&#252;rsorgepflichten,<br \/>\nangesichts der grundlegenden Verst&#246;&#223;e gegen das Datenschutzrecht sowie die sanktionierte<br \/>\nFremdbestimmung von h&#246;chstpers&#246;nlichen Gewissensentscheidungen sei dies der Fall.<br \/>\n55 Der Feststellung des Bundesverwaltungsgerichts, die Zeugen Jehovas achteten den Staat,<br \/>\nm&#252;sse man widersprechen. Es sei h&#246;chst widerspr&#252;chlich, einem Staat g&#228;nzlich indifferent<br \/>\ngegen&#252;berzustehen, ihn als &#8222;Werkzeug des Satans&#8220; zu begreifen und zugleich von ihm<br \/>\nPrivilegien zu beanspruchen. Der Begriff &#8222;Loyalit&#228;t&#8220; sei m&#246;glicherweise nicht gl&#252;cklich gew&#228;hlt.<br \/>\nIn der Sache aber fordere das Bundesverwaltungsgericht keineswegs die Angleichung von<br \/>\nStrukturen und Aufgaben oder die Preisgabe von Glaubensinhalten.<br \/>\n56 Zur Wahrung seiner Legitimationsbasis und Glaubhaftigkeit d&#252;rfe der Staat eine<br \/>\nReligionsgemeinschaft, die ihm die demokratische Legitimation verweigere, nicht<br \/>\ndurch Verleihung staatlicher Machtbefugnisse f&#246;rdern. Dieses Argument mache den<br \/>\nK&#246;rperschaftsstatus nicht zur Pr&#228;mie f&#252;r Staatsn&#228;he.<br \/>\n57 Es gehe vielmehr um den Schutz elementarer Grunds&#228;tze. Der K&#246;rperschaftsstatus sei zu<br \/>\nversagen, wenn eine Religionsgemeinschaft grundlegende Verfassungsnormen wie etwa das<br \/>\nDemokratieprinzip nachhaltig verletze.<br \/>\n58 3. Das Bundesverwaltungsgericht hat eine &#196;u&#223;erung des 7. Senats vorgelegt, wonach ein<br \/>\nanderes Verfahren mit vergleichbarer Problematik nicht anh&#228;ngig sei.<br \/>\n59 4. F&#252;r die Bundesregierung hat das Bundesministerium des Innern Stellung genommen.<br \/>\nIm Wahlverbot der Beschwerdef&#252;hrerin zeige sich die Ablehnung des Staates und seiner<br \/>\ndemokratischen Willensbildung. Das ber&#252;hre die Lebensprinzipien des freiheitlichen<br \/>\nVerfassungsstaates.<br \/>\nB.<br \/>\nI.<br \/>\n60 Die Verfassungsbeschwerde ist zul&#228;ssig. Insbesondere ist die Beschwerdef&#252;hrerin befugt, die<br \/>\nVerfassungsbeschwerde zu erheben.<br \/>\n61 1. Als eine Vereinigung, die sich die Pflege und F&#246;rderung eines religi&#246;sen Bekenntnisses<br \/>\nund die Verk&#252;ndung des Glaubens ihrer Mitglieder zum Zweck gesetzt hat, ist die<br \/>\nBeschwerdef&#252;hrerin Tr&#228;gerin des Grundrechts der Religionsfreiheit aus Art. 4 Abs. 1 und 2<br \/>\nGG. Die Grundrechtstr&#228;gerschaft ist unabh&#228;ngig von dem Erwerb der Rechtsf&#228;higkeit als<br \/>\neingetragener Verein des Privatrechts (vgl. BVerfGE 24, 236 <247>; 99, 100 <118>), der erst<br \/>\nim Laufe dieses Verfahrens erfolgt ist.<br \/>\n62 2. Eine Verletzung der in Art. 4 Abs. 1 und 2 GG gew&#228;hrleisteten Religionsfreiheit ist<br \/>\nm&#246;glich. Aus der Religionsfreiheit folgt auch der Grundsatz staatlicher Neutralit&#228;t gegen&#252;ber<br \/>\nden unterschiedlichen Religionen und Bekenntnissen (BVerfGE 93, 1 <16>). Es ist nicht<br \/>\nausgeschlossen, dass das Bundesverwaltungsgericht mit seinem Erfordernis einer Loyalit&#228;t<br \/>\ngegen&#252;ber dem Staat nicht allein Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 WRV unrichtig ausgelegt<br \/>\nund angewendet, sondern zugleich zum Nachteil der Beschwerdef&#252;hrerin die Grenzen<br \/>\n&#252;berschritten hat, die dem Staat bei der Bewertung religi&#246;ser Lebens&#228;u&#223;erungen durch das<br \/>\nGebot der Neutralit&#228;t gezogen sind.<br \/>\nII.<br \/>\n63 Der Senator f&#252;r Wissenschaft, Forschung und Kultur ist dem Verfahren nach \u00a7 94 Abs. 5 Satz 1<br \/>\nBVerfGG i. V. m. \u00a7 94 Abs. 2 BVerfGG wirksam beigetreten. Der Beitritt des Senats von Berlin ist<br \/>\ndagegen unwirksam. Der Beitritt eines kollegialen Verfassungsorgans zu einem Verfahren vor<br \/>\ndem Bundesverfassungsgericht setzt einen Beschluss des Kollegialorgans voraus (BVerfGE 7,<br \/>\n282 <Leitsatz 1., 288 f.>). Ein solcher Beschluss ist trotz Hinweises nicht vorgetragen worden.<br \/>\nC.<br \/>\n64 Die Verfassungsbeschwerde ist begr&#252;ndet. Das angegriffene Urteil des<br \/>\nBundesverwaltungsgerichts verletzt die Beschwerdef&#252;hrerin in ihrem verfassungsm&#228;&#223;igen<br \/>\nRecht aus Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV.<br \/>\nI.<br \/>\n65 Bei der Beurteilung einer zul&#228;ssigen Verfassungsbeschwerde ist das Bundesverfassungsgericht<br \/>\nnicht darauf beschr&#228;nkt zu pr&#252;fen, ob die in Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, \u00a7\u00a7 13 Nr. 8a, 90 BVerfGG<br \/>\naufgef&#252;hrten Grundrechte und grundrechtsgleichen Rechte verletzt sind. Die angegriffene<br \/>\nEntscheidung kann vielmehr unter jedem in Betracht kommenden Gesichtspunkt auf<br \/>\nihre verfassungsrechtliche Unbedenklichkeit hin gepr&#252;ft werden (stRspr; vgl. BVerfGE 99,<br \/>\n100 <119>). Den verfassungsrechtlichen Ma&#223;stab f&#252;r die Pr&#252;fung des Anspruchs einer<br \/>\nReligionsgemeinschaft auf Verleihung des Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\nenth&#228;lt Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV.<br \/>\nII.<br \/>\n66 1. Als geschriebene Voraussetzung f&#252;r die Verleihung des Status einer K&#246;rperschaft des<br \/>\n&#246;ffentlichen Rechts verlangt Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV die &#8222;Gew&#228;hr der<br \/>\nDauer&#8220;. Eine Religionsgemeinschaft, die K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts werden will, muss<br \/>\ndurch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die prognostische Einsch&#228;tzung st&#252;tzen,<br \/>\ndass sie auch in Zukunft dauerhaft bestehen wird. Grundlage f&#252;r diese Einsch&#228;tzung sind der<br \/>\ngegenw&#228;rtige Mitgliederbestand der Religionsgemeinschaft und ihre Verfassung im &#220;brigen.<br \/>\n67 Dabei bezeichnet der Begriff der Verfassung mehr als eine den Erfordernissen des<br \/>\nRechtsverkehrs gen&#252;gende rechtliche Satzung. &#8222;Verfassung&#8220; im Kontext des Art. 140 GG i.<br \/>\nV. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV meint auch den tats&#228;chlichen Zustand einer Gemeinschaft,<br \/>\nihre Verfasstheit (allg. Meinung, vgl. etwa A. Frhr. v. Campenhausen, in: v. Mangoldt\/<br \/>\nKlein\/v. Campenhausen, GG, Bd. 14, 3. Aufl. 1991, Art. 140 GG\/Art. 137 WRV Rn. 150;<br \/>\nD. Ehlers, in: Sachs, GG, 2. Aufl. 1999, Art. 140 GG\/Art. 137 WRV Rn. 20; H. Weber, Die<br \/>\nVerleihung der K&#246;rperschaftsrechte an Religionsgemeinschaften, ZevKR 34 <1989>, S.<br \/>\n337, 350). Denn der tats&#228;chliche Gesamtzustand einer Religionsgemeinschaft kann eine<br \/>\naussagekr&#228;ftige Grundlage f&#252;r die Einsch&#228;tzung des k&#252;nftigen Fortbestehens bieten, um das<br \/>\nes nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV vor allem geht. Nach dem Willen der<br \/>\nWeimarer Nationalversammlung sollte diese Einsch&#228;tzung nicht auf ein zuf&#228;lliges, &#228;u&#223;eres<br \/>\nKriterium, sondern auf das &#8222;tiefere Moment des Inhalts ihrer Verfassung&#8220; gest&#252;tzt sein (vgl.<br \/>\nVerhandlungen der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung, Band 329, S. 2159).<br \/>\n68 F&#252;r die Einsch&#228;tzung dauerhaften Bestands ist also neben dem Kriterium der Mitgliederzahl<br \/>\nder tats&#228;chliche Gesamtzustand der Gemeinschaft zu w&#252;rdigen. Daf&#252;r wurden weitere Indizien<br \/>\nbenannt: eine ausreichende Finanzausstattung, eine Mindestbestandszeit und die Intensit&#228;t<br \/>\ndes religi&#246;sen Lebens (vgl. BVerfGE 66, 1 <24>; OVG Berlin, OVGE 10, 105 <108 ff.>, und<br \/>\nNVwZ 1996, S. 478, 480; VG M&#252;nchen, ZevKR 29 <1984>, S. 628, 630 ff.). Derartige Indizien<br \/>\nsind hilfreich, wenn sie nicht schematisch angewendet werden und die von Art. 140 GG i. V.<br \/>\nm. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV geforderte Gesamteinsch&#228;tzung nicht st&#246;ren. Zudem d&#252;rfen<br \/>\nnicht Umst&#228;nde in die Beurteilung einflie&#223;en, deren Bewertung dem religi&#246;s-weltanschaulich<br \/>\nneutralen Staat verwehrt ist.<br \/>\n69 2. Auf dieser Grundlage weckt das Vorbringen des Landes Berlin keine Zweifel an der<br \/>\nfachgerichtlichen Einsch&#228;tzung, die Beschwerdef&#252;hrerin biete die Gew&#228;hr der Dauer.<br \/>\n70 a) Eine f&#246;rmliche Voraussetzung des Inhalts, dass sich eine Religionsgemeinschaft, die<br \/>\nden Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts erstrebt, zun&#228;chst als eingetragener<br \/>\nVerein zu bew&#228;hren habe, folgt aus Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV nicht.<br \/>\nDer K&#246;rperschaftsstatus kann durchaus eine angemessene Rechtsform auch f&#252;r solche<br \/>\nReligionsgemeinschaften sein, die den Status eines eingetragenen Vereins nicht erlangen<br \/>\nk&#246;nnen oder wollen, etwa weil ihre innere Struktur und Organisation, wie sie von ihrem<br \/>\nreligi&#246;sen Selbstverst&#228;ndnis gefordert sind, mit Vorgaben des Vereinsrechts in Konflikt liegen<br \/>\n(vgl. BVerfGE 83, 341 <356 f.>).<br \/>\n71 Dass eine Religionsgemeinschaft, die eine K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts werden<br \/>\nwill, noch nicht als eingetragener Verein organisiert ist, kann bei der gebotenen<br \/>\nGesamteinsch&#228;tzung k&#252;nftigen Fortbestands nicht mehr als ein Indiz neben anderen sein. Im<br \/>\nFall der Beschwerdef&#252;hrerin ist dieser Umstand nicht geeignet, die positive fachgerichtliche<br \/>\nEinsch&#228;tzung in Frage zu stellen.<br \/>\n72 b) Auch der eschatologische Glaube der Beschwerdef&#252;hrerin steht einer positiven Einsch&#228;tzung<br \/>\nder Gew&#228;hr der Dauer nicht entgegen. Ohnehin w&#228;re es dem religi&#246;s-weltanschaulich neutralen<br \/>\nStaat verwehrt, die Beschwerdef&#252;hrerin gleichsam beim Wort zu nehmen und ihren dauerhaften<br \/>\nBestand wegen des nach ihrem Glauben bevorstehenden Weltendes zu verneinen. Staatlicher<br \/>\nBeurteilung zug&#228;nglich w&#228;re allein die Frage, ob es einer Religionsgemeinschaft tats&#228;chlich<br \/>\ngelingen k&#246;nnte, ihren zuk&#252;nftigen Fortbestand auch in dem Fall zu sichern, dass ein konkret<br \/>\nprophezeiter Weltuntergang ausbleibt. Dadurch k&#246;nnten entt&#228;uschte Mitglieder zum Austritt<br \/>\nveranlasst und so der Fortbestand der Religionsgemeinschaft m&#246;glicherweise gef&#228;hrdet<br \/>\nwerden. Der Beschwerdef&#252;hrerin jedenfalls kann unter diesem Gesichtspunkt die Gew&#228;hr<br \/>\nder Dauer nicht abgesprochen werden. Ihr Mitgliederbestand ist unbeeintr&#228;chtigt, obwohl<br \/>\nmehrmals ein von ihr konkret berechneter Weltuntergang nicht stattgefunden hat.<br \/>\nIII.<br \/>\n73 F&#252;r die Verleihung des Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts an eine<br \/>\nReligionsgemeinschaft m&#252;ssen &#8211; im Rahmen der Grundwerte der Verfassung &#8211; weitere, in Art.<br \/>\n140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV nicht ausdr&#252;cklich genannte, Voraussetzungen<br \/>\nerf&#252;llt sein.<br \/>\n74 1. Art. 140 GG erkl&#228;rt die Weimarer Kirchenartikel zu Bestandteilen des Grundgesetzes. Ihre<br \/>\nAuslegung hat sich nunmehr von den Wertungen des Grundgesetzes leiten zu lassen (BVerfGE<br \/>\n19, 226 <236>; 53, 366 <400>). Insbesondere sind die Weimarer Kirchenartikel Bestandteil<br \/>\ndes Religions- und Staatskirchenrechts des Grundgesetzes, welches das Grundrecht der<br \/>\nReligionsfreiheit ohne Gesetzesvorbehalt in den Katalog unmittelbar verbindlicher Grundrechte<br \/>\n&#252;bernommen und es so gegen&#252;ber der Weimarer Reichsverfassung erheblich verst&#228;rkt hat (vgl.<br \/>\nBVerfGE 33, 23 <30 f.>). Die Gew&#228;hrleistungen der Weimarer Kirchenartikel sind funktional auf<br \/>\ndie Inanspruchnahme und Verwirklichung des Grundrechts der Religionsfreiheit angelegt (Art. 4<br \/>\nAbs. 1 und 2 GG; vgl. BVerfGE 42, 312 <322>).<br \/>\n75 2. Im Kontext des Grundgesetzes ist der den Religionsgemeinschaften in Art. 137 Abs. 5 Satz<br \/>\n2 WRV angebotene Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts ein Mittel zur Entfaltung<br \/>\nder Religionsfreiheit (vgl. K. Meyer-Teschendorf, Der K&#246;rperschaftsstatus der Kirchen, A&#246;R 103<br \/>\n<1978>, S. 329 ff.; M. Morlok\/M. Heinig, Parit&#228;t im Leistungsstaat &#8211; K&#246;rperschaftsstatus nur<br \/>\nbei Staatsloyalit&#228;t?, NVwZ 1999, S. 697, 700 f.). Der Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen<br \/>\nRechts soll die Eigenst&#228;ndigkeit und Unabh&#228;ngigkeit der Religionsgemeinschaften unterst&#252;tzen.<br \/>\nDie Religionsgemeinschaften mit &#246;ffentlich- rechtlichem Status sind in gleichem Umfang<br \/>\ngrundrechtsf&#228;hig wie Religionsgemeinschaften privat-rechtlicher Rechtsform.<br \/>\n76 Sie stehen dem Staat als Teile der Gesellschaft gegen&#252;ber (vgl. BVerfGE 53, 366 <387>;<br \/>\n70, 138 <160 f.>). Dass sie ihre T&#228;tigkeit frei von staatlicher Bevormundung und<br \/>\nEinflussnahme entfalten k&#246;nnen, schafft die Voraussetzung und den Rahmen, in dem die<br \/>\nReligionsgemeinschaften das Ihre zu den Grundlagen von Staat und Gesellschaft beitragen<br \/>\nk&#246;nnen (vgl. E.-W. B&#246;ckenf&#246;rde, Die Entstehung des Staates als Vorgang der S&#228;kularisation,<br \/>\nin: S&#228;kularisation und Utopie. Ernst Forsthoff zum 65. Geburtstag, Stuttgart et al. 1967, S. 75,<br \/>\n93; ders., Demokratie als Verfassungsprinzip, in: J. Isensee\/P. Kirchhof <Hrsg.>, Handbuch des<br \/>\nStaatsrechts, Bd. I, 2. Aufl. 1995, \u00a7 22 Rn. 61 f.).<br \/>\n77 Damit unterscheiden sich die korporierten Religionsgemeinschaften im religi&#246;s-weltanschaulich<br \/>\nneutralen Staat des Grundgesetzes, der keine Staatskirche oder Staatsreligion kennt (Art.<br \/>\n140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 1 WRV), grundlegend von den K&#246;rperschaften des &#246;ffentlichen<br \/>\nRechts im verwaltungs- und staatsorganisationsrechtlichen Verst&#228;ndnis. Sie nehmen keine<br \/>\nStaatsaufgaben wahr, sind nicht in die Staatsorganisation eingebunden und unterliegen keiner<br \/>\nstaatlichen Aufsicht (vgl. BVerfGE 18, 385 <386>; 19, 1 <5>; 30, 415 <428>; 42, 312 <332>;<br \/>\n66, 1 <19 f.>).<br \/>\n78 3. Verglichen mit dem Begriff der &#246;ffentlich-rechtlichen K&#246;rperschaft im allgemeinen<br \/>\nVerst&#228;ndnis hat dieser Begriff im Regelungszusammenhang des Art. 140 GG i. V. m. Art.<br \/>\n137 Abs. 5 Satz 2 WRV nur die Funktion eines &#8222;Mantelbegriffs&#8220; (BVerfGE 83, 341 <357>).<br \/>\nEr ist aber mehr als eine leere Form, weil er den korporierten Religionsgemeinschaften<br \/>\nauch eine besondere Rechtsstellung vermittelt, die &#252;ber diejenige privatrechtlich verfasster<br \/>\nReligionsgemeinschaften hinausgeht: Mit dem K&#246;rperschaftsstatus werden ihnen bestimmte<br \/>\nhoheitliche Befugnisse &#252;bertragen, sowohl gegen&#252;ber ihren Mitgliedern &#8211; etwa beim<br \/>\nBesteuerungsrecht und der Dienstherrenf&#228;higkeit &#8211; als auch &#8211; bei der Widmungsbefugnis &#8211;<br \/>\ngegen&#252;ber Anderen.<br \/>\n79 Zudem verschafft ihnen das &#246;ffentlich-rechtliche Kleid in der Wahrnehmung der Gesellschaft<br \/>\neine besondere Stellung (vgl. A. Frhr. v. Campenhausen, Staatskirchenrecht, 3. Aufl. 1996,<br \/>\nS. 139 ff.; A. Hollerbach, Grundlagen des Staatskirchenrechts, in: J. Isensee\/P. Kirchhof<br \/>\n<Hrsg.>, Handbuch des Staatsrechts, Bd. VI, 1989, \u00a7 138 Rn. 130; P. Kirchhof, Die Kirchen<br \/>\nund Religionsgemeinschaften als K&#246;rperschaften des &#246;ffentlichen Rechts, in: J. Listl\/D. Pirson<br \/>\n<Hrsg.>, Handbuch des Staatskirchenrechts, Bd. I, 2. Aufl. 1994, \u00a7 22, S. 651 ff.). Diese<br \/>\nVerg&#252;nstigungen erleichtern es der Religionsgemeinschaft, ihre Organisation und ihr Wirken<br \/>\nnach den Grunds&#228;tzen ihres religi&#246;sen Selbstverst&#228;ndnisses zu gestalten und die hierf&#252;r<br \/>\nerforderlichen Ressourcen, etwa in Form finanzieller Mittel, zu erlangen.<br \/>\n80 Die Verg&#252;nstigungen bewirken mit erh&#246;hten Einflussm&#246;glichkeiten aber auch die erh&#246;hte<br \/>\nGefahr eines Missbrauchs zum Nachteil der Religionsfreiheit der Mitglieder oder zum Nachteil<br \/>\nanderer Verfassungsg&#252;ter. Bei der Bestimmung der Voraussetzungen, unter denen eine<br \/>\nReligionsgemeinschaft den Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts erlangen kann,<br \/>\nmuss deswegen auch die Verantwortung des Staates zur Geltung gebracht werden, welche das<br \/>\nGrundgesetz ihm auferlegt. Es gibt ihm die Achtung und den Schutz der Menschenw&#252;rde als<br \/>\ndes tragenden Konstitutionsprinzips und obersten Grundwerts der freiheitlichen, demokratisch<br \/>\nverfassten Grundordnung auf (Art. 1 Abs. 1 GG, vgl. dazu BVerfGE 96, 375 <398>) und<br \/>\nverpflichtet ihn zur Wahrung und zum Schutz der Grundwerte der Verfassung (vgl. BVerfGE 40,<br \/>\n287 <291 f.>).<br \/>\n81 4. Der Wortlaut des Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV schlie&#223;t nicht aus, dass<br \/>\nder in dieser Gew&#228;hrleistung einger&#228;umte Verleihensanspruch weiteren Einschr&#228;nkungen aus<br \/>\ndem Zusammenhang des Grundgesetzes unterliegt. Der Parlamentarische Rat hatte bei der<br \/>\n&#220;bernahme der Weimarer Kirchenartikel weder die Frage der Verleihensvoraussetzungen im<br \/>\nBlick noch verwandte er seine Aufmerksamkeit darauf, Art. 137 WRV materiell in die Ordnung<br \/>\ndes Grundgesetzes einzupassen. Er begn&#252;gte sich damit, durch redaktionelle &#196;nderungen<br \/>\ndes sp&#228;teren Art. 4 GG doppelte Gew&#228;hrleistungen zu vermeiden (ParlR, HA-Prot., 22. Sitzung<br \/>\nvom 8. Dezember 1948, S. 255 &#8211; 261; 39. Sitzung vom 14. Januar 1949, S. 483, 489 &#8211; 491; 46.<br \/>\nSitzung vom 20. Januar 1949, S. 599 &#8211; 601; 51. Sitzung vom 10. Februar 1949, S. 673, 682; 57.<br \/>\nSitzung vom 5. Mai 1949, S. 743, 745 f. und 765; Redaktionsausschuss, Kurzprot. vom 28. April<br \/>\n1949, S. 1; vgl. auch BVerfGE 83, 341 <354 f.> zur religi&#246;sen Vereinigungsfreiheit).<br \/>\n82 Dass es mit den geschriebenen Verleihensvoraussetzungen nicht sein Bewenden haben<br \/>\nkann, wird im Ergebnis auch in Rechtsprechung und Literatur nicht bezweifelt. Nach nahezu<br \/>\neinhelliger Auffassung ist der K&#246;rperschaftsstatus jedenfalls dann zu versagen, wenn die<br \/>\nVoraussetzungen erf&#252;llt sind, unter denen eine private Vereinigung nach Art. 9 Abs. 2 GG zu<br \/>\nverbieten w&#228;re (vgl. etwa BVerwGE 105, 117 <121 f.>; OVG Berlin, NVwZ 1996, S. 478, 480; VG<br \/>\nBerlin, NVwZ 1994, S. 609; St. Korioth, Loyalit&#228;t im Staatskirchenrecht?, in: Ged&#228;chtnisschrift<br \/>\nf&#252;r Bernd Jeand&#8217;Heur, 1999, S. 221, 236; M. Morlok\/M. Heinig, Parit&#228;t im Leistungsstaat &#8211;<br \/>\nK&#246;rperschaftsstatus nur bei Staatsloyalit&#228;t?, NVwZ 1999, S. 697, 703 f.; G. Robbers, Sinn und<br \/>\nZweck des K&#246;rperschaftsstatus im Staatskirchenrecht, in: Festschrift f&#252;r Martin Heckel, 1999, S.<br \/>\n411, 414; H. Weber, Die Verleihung der K&#246;rperschaftsrechte an Religionsgemeinschaften, ZevKR<br \/>\n34 <1989>, S. 337, 356). Es w&#228;re auch nicht einsichtig, dass Vereinigungen, die K&#246;rperschaften<br \/>\ndes &#246;ffentlichen Rechts sind, insoweit weniger festen Bindungen unterliegen sollten als private<br \/>\nVereinigungen.<br \/>\n83 5. Die Grenzen, innerhalb deren eine Religionsgemeinschaft als K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen<br \/>\nRechts frei handeln darf, zieht die Verfassung gerade auch durch ihre grundlegenden<br \/>\nWertentscheidungen. Zu diesen Wertentscheidungen geh&#246;ren die Religionsfreiheit, aus der Art.<br \/>\n140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 WRV als Verst&#228;rkung der Entfaltung grundrechtlicher Freiheit<br \/>\nletztlich seine Rechtfertigung bezieht, das Verbot jeglicher Staatskirche oder Staatsreligion<br \/>\n(Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 1 WRV) sowie die Grunds&#228;tze der religi&#246;s-weltanschaulichen<br \/>\nNeutralit&#228;t des Staates und der Parit&#228;t der Religionen und Bekenntnisse.<br \/>\nIV.<br \/>\n84 Eine Religionsgemeinschaft, die K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts werden will, muss<br \/>\nrechtstreu sein. Sie muss die Gew&#228;hr daf&#252;r bieten, dass sie das geltende Recht beachten,<br \/>\ninsbesondere die ihr &#252;bertragene Hoheitsgewalt nur in Einklang mit den verfassungsrechtlichen<br \/>\nund den sonstigen gesetzlichen Bindungen aus&#252;ben wird.<br \/>\n85 1. Das ist auch in der Literatur allgemein anerkannt (vgl. A. Frhr. v. Campenhausen, in: v.<br \/>\nMangoldt\/Klein\/v. Campenhausen, GG, 3. Aufl. 1991, Art. 140 GG\/Art. 137 WRV Rn. 150;<br \/>\nCh. Link, Zeugen Jehovas und K&#246;rperschaftsstatus, ZevKR 43 <1998>, S. 1, 20, m. w. N.).<br \/>\nSchon aus der Bindung aller &#246;ffentlichen Gewalt an Gesetz, Recht und Verfassung (Art. 20<br \/>\nAbs. 3 GG) folgt, dass eine Religionsgemeinschaft als K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts<br \/>\ndie Gew&#228;hr daf&#252;r bieten muss, die ihr &#252;bertragene Hoheitsgewalt in Einklang mit den<br \/>\nverfassungsrechtlichen und den sonstigen gesetzlichen Vorgaben auszu&#252;ben.<br \/>\n86 Diese rechtsstaatliche Bindung scheitert nicht daran, dass korporierte Religionsgemeinschaften<br \/>\ndie ihnen &#252;bertragene Hoheitsgewalt nicht &#8211; wie Beliehene &#8211; zur Erf&#252;llung staatlicher Aufgaben<br \/>\neinsetzen, sondern zu eigenen Zwecken. Denn unter dem Grundgesetz ist jegliche Aus&#252;bung<br \/>\nvon Hoheitsgewalt an die Verfassung und an die gesetzliche Ordnung gebunden.<br \/>\n87 2. Freilich darf auch au&#223;erhalb des Bereichs hoheitlichen Handelns von den korporierten<br \/>\nReligionsgemeinschaften Rechtstreue verlangt werden. Jede Vereinigung hat, wie jeder B&#252;rger,<br \/>\ndie staatsb&#252;rgerliche Pflicht zur Beachtung der Gesetze.<br \/>\n88 Zwar trifft sie bei Verletzung dieser Pflicht nur die im Gesetz jeweils vorgesehene Sanktion,<br \/>\nund ein Verbot der Vereinigung ist erst unter den in Art. 9 Abs. 2 GG bestimmten besonderen<br \/>\nVoraussetzungen angeordnet. Von einer Vereinigung aber, die in &#246;ffentlich-rechtlicher Gestalt<br \/>\nauftritt, darf erwartet werden, dass sie nicht erst durch die Drohung mit staatlichen Sanktionen<br \/>\nund Zwangsmechanismen zu rechtskonformem Handeln angehalten werden muss. Ansonsten<br \/>\nst&#252;nde nicht nur zu bef&#252;rchten, dass diese Vereinigung auch ihre hoheitlichen Befugnisse nicht<br \/>\nrechtskonform aus&#252;ben werde. Der Staat muss vielmehr darauf bedacht sein und daf&#252;r Sorge<br \/>\ntragen, dass durch das Handeln &#246;ffentlich-rechtlicher Gebilde Rechte Dritter nicht verletzt<br \/>\nwerden, selbst wenn diese Zuordnung zum &#246;ffentlichen Recht eine eher formelle ist.<br \/>\n89 3. Allerdings stellt nicht jeder einzelne Versto&#223; gegen Recht und Gesetz die Gew&#228;hr<br \/>\nrechtstreuen Verhaltens in Frage. Auch den korporierten Religionsgemeinschaften ist es<br \/>\nunbenommen, Meinungsverschiedenheiten mit staatlichen Beh&#246;rden dar&#252;ber, wo im Einzelfall<br \/>\ndie der Religionsfreiheit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) und dem religi&#246;sen Selbstbestimmungsrecht<br \/>\n(Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 WRV) durch das Gesetz gezogene Grenze verl&#228;uft, durch<br \/>\ndie Gerichte kl&#228;ren zu lassen (vgl. G. Robbers, Sinn und Zweck des K&#246;rperschaftsstatus im<br \/>\nStaatskirchenrecht, in: Festschrift f&#252;r Martin Heckel, 1999, S. 411, 413).<br \/>\n90 Au&#223;erdem erheben viele Religionen, die die Autorit&#228;t staatlicher Gesetze f&#252;r sich grunds&#228;tzlich<br \/>\nanerkennen, gleichwohl einen Vorbehalt zu Gunsten ihres Gewissens und ihrer aus dem<br \/>\nGlauben begr&#252;ndeten Entscheidungen und bestehen letztlich darauf, im unausweichlichen<br \/>\nKonfliktfall den Glaubensgeboten mehr zu gehorchen als den Geboten des Rechts. Derartige<br \/>\nVorbehalte sind Ausdruck der f&#252;r Religionen nicht untypischen Unbedingtheit ihrer<br \/>\nGlaubenss&#228;tze. Sie sind auch von manchen alt- und neukorporierten Religionsgemeinschaften<br \/>\nbekannt, und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie, je nach Lage des Einzelfalls, unter dem<br \/>\nSchutz des Art. 4 GG stehen. Aus R&#252;cksicht auf die Religionsfreiheit, der der Status einer<br \/>\nK&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts aus Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 WRV letztlich<br \/>\ndient, stehen sie der Verleihung dieses Status jedenfalls so lange nicht im Wege, als die<br \/>\nReligionsgemeinschaft im Grundsatz bereit ist, Recht und Gesetz zu achten und sich in die<br \/>\nverfassungsm&#228;&#223;ige Ordnung einzuf&#252;gen.<br \/>\nV.<br \/>\n91 Eine Religionsgemeinschaft, die den Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts erwerben<br \/>\nwill, muss insbesondere die Gew&#228;hr daf&#252;r bieten, dass ihr k&#252;nftiges Verhalten die in Art. 79<br \/>\nAbs. 3 GG umschriebenen fundamentalen Verfassungsprinzipien, die dem staatlichen Schutz<br \/>\nanvertrauten Grundrechte Dritter sowie die Grundprinzipien des freiheitlichen Religions- und<br \/>\nStaatskirchenrechts des Grundgesetzes nicht gef&#228;hrdet.<br \/>\n92 1. a) Art. 79 Abs. 3 GG entzieht die in Art. 1 Abs. 1 und Art. 20 GG niedergelegten Grunds&#228;tze<br \/>\njeglicher &#196;nderung. Das Grundgesetz erkl&#228;rt damit neben dem in Art. 1 Abs. 1 GG verankerten<br \/>\nGrundsatz der Menschenw&#252;rde und den von ihm umfassten Kerngehalt der nachfolgenden<br \/>\nGrundrechte (vgl. BVerfGE 84, 90 <120 f.>; 94, 12 <34>) auch andere Garantien f&#252;r<br \/>\nunantastbar, die in Art. 20 GG festgehalten sind.<br \/>\n93 Dazu geh&#246;ren die Prinzipien von Rechtsstaat und Demokratie (vgl. BVerfGE 89, 155 <182>; 94,<br \/>\n49 <103>). Eine systematische Beeintr&#228;chtigung oder Gef&#228;hrdung dieser vom Grundgesetz auf<br \/>\nDauer gestellten Grunds&#228;tze darf der Staat nicht hinnehmen, auch nicht von Seiten einer als<br \/>\nK&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts verfassten Religionsgemeinschaft.<br \/>\n94 b) Die korporierten Religionsgemeinschaften sind &#8211; soweit sie au&#223;erhalb des ihnen<br \/>\n&#252;bertragenen Bereichs hoheitlicher Befugnisse handeln &#8211; an die einzelnen Grundrechte nicht<br \/>\nunmittelbar gebunden (P. Kirchhof, Die Kirchen und Religionsgemeinschaften als K&#246;rperschaften<br \/>\ndes &#246;ffentlichen Rechts, in: J. Listl\/D. Pirson <Hrsg.>, Handbuch des Staatskirchenrechts,<br \/>\nBd. I, 2. Aufl. 1994, \u00a7 22, S. 651, 676 ff.). Die Verleihung des Status einer K&#246;rperschaft des<br \/>\n&#246;ffentlichen Rechts bindet sie aber an die Achtung der fundamentalen Rechte der Person, die<br \/>\nTeil der verfassungsm&#228;&#223;igen Ordnung ist. Das Grundgesetz unterstellt die Menschenw&#252;rde und<br \/>\nandere Grundrechte dem Schutz der Verfassung. So verpflichtet es den Staat, menschliches<br \/>\nLeben und die k&#246;rperliche Unversehrtheit zu sch&#252;tzen (BVerfGE 56, 54 <73>; 79, 174 <201\nf.>; 88, 203 <251>). Kinder k&#246;nnen staatlichen Schutz ihres Grundrechts aus Art. 2 Abs. 1<br \/>\nund Abs. 2 Satz 1 GG beanspruchen; dabei bildet das Kindeswohl den Richtpunkt f&#252;r den<br \/>\nstaatlichen Schutzauftrag aus Art. 6 Abs. 2 Satz 2 GG (BVerfGE 99, 145 <156>). Und Art. 4<br \/>\nAbs. 1 und 2 GG fordert vom Staat, den Einzelnen und religi&#246;se Gemeinschaften vor Angriffen<br \/>\nund Behinderungen von Anh&#228;ngern anderer Glaubensrichtungen oder konkurrierender<br \/>\nReligionsgruppen zu sch&#252;tzen (BVerfGE 93, 1 <16>).<br \/>\n95 Korporierte Religionsgemeinschaften haben einen &#246;ffentlich-rechtlichen Status und sind<br \/>\nmit bestimmten hoheitlichen Befugnissen ausgestattet. Sie verf&#252;gen damit &#252;ber besondere<br \/>\nMachtmittel und einen erh&#246;hten Einfluss in Staat und Gesellschaft. Ihnen liegen deshalb<br \/>\ndie besonderen Pflichten des Grundgesetzes zum Schutz der Rechte Dritter n&#228;her als<br \/>\nanderen Religionsgemeinschaften. Diese Pflichten verbieten die Verleihung des Status einer<br \/>\nK&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts an eine Religionsgemeinschaft, gegen die einzuschreiten<br \/>\nder Staat zum Schutz grundrechtlicher Rechtsg&#252;ter berechtigt oder gar verpflichtet w&#228;re.<br \/>\n96 c) Der Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts ist ein Mittel zur Erleichterung und<br \/>\nEntfaltung der Religionsfreiheit. F&#252;r die korporierten Religionsgemeinschaften begr&#252;ndet<br \/>\ner eine bevorzugte Rechtsstellung. Er ist in das freiheitliche Staatskirchenrecht des<br \/>\nGrundgesetzes eingebettet. Dieses Staatskirchenrecht hat die Religionsfreiheit zum leitenden<br \/>\nBezugspunkt. Es hat Staatskirche und Staatsreligion abgeschafft. Es achtet die Grunds&#228;tze<br \/>\nder religi&#246;s-weltanschaulichen Neutralit&#228;t des Staates und der Parit&#228;t der Religionen<br \/>\nund Bekenntnisse, und es gew&#228;hrleistet, dass der K&#246;rperschaftsstatus die Freiheitlichkeit<br \/>\ndes Religionsverfassungsrechts insgesamt nicht schm&#228;lert. Diese Verfassung setzt dem<br \/>\nK&#246;rperschaftsstatus Grenzen, und diese Grenzen m&#252;ssen auch die mit dem bevorzugten Status<br \/>\nausgestatteten Religionsgemeinschaften achten. Ihr Verhalten darf diese Grunds&#228;tze des<br \/>\nfreiheitlichen Staatskirchenrechts nicht beeintr&#228;chtigen oder gef&#228;hrden. Das Grundgesetz<br \/>\nverbietet die Verleihung des Status einer K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts an eine<br \/>\nReligionsgemeinschaft, die nicht die Gew&#228;hr daf&#252;r bietet, dass das Verbot einer Staatskirche<br \/>\nsowie die Prinzipien von Neutralit&#228;t und Parit&#228;t unangetastet bleiben.<br \/>\n97 2. Rechtliche Anforderungen an eine Religionsgemeinschaft, die K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen<br \/>\nRechts werden will, m&#252;ssen in ihren Inhalten so gefasst werden, dass sie nicht ihrerseits<br \/>\nin Widerspruch zu den prinzipiellen Wertungen des verfassungsrechtlichen Religions- und<br \/>\nStaatskirchenrechts geraten.<br \/>\n98 a) Ob einer antragstellenden Religionsgemeinschaft der K&#246;rperschaftsstatus zu versagen ist,<br \/>\nrichtet sich nicht nach ihrem Glauben, sondern nach ihrem Verhalten. Der Grundsatz religi&#246;sweltanschaulicher<br \/>\nNeutralit&#228;t (vgl. BVerfGE 19, 206 <216>; 93, 1 <17>) verwehrt es dem<br \/>\nStaat, Glaube und Lehre einer Religionsgemeinschaft als solche zu bewerten. Mangels Einsicht<br \/>\nund geeigneter Kriterien darf der neutrale Staat im Bereich genuin religi&#246;ser Fragen nichts<br \/>\nregeln und bestimmen (BVerfGE 12, 1 <4>; 41, 65 <84>; 72, 278 <294>; 74, 244 <255>).<br \/>\nDas hindert ihn freilich nicht daran, das tats&#228;chliche Verhalten einer Religionsgemeinschaft<br \/>\noder ihrer Mitglieder nach weltlichen Kriterien zu beurteilen, auch wenn dieses Verhalten<br \/>\nletztlich religi&#246;s motiviert ist.<br \/>\n99 Ob dabei Glaube und Lehre der Gemeinschaft, soweit sie sich nach au&#223;en manifestieren,<br \/>\nR&#252;ckschl&#252;sse auf ihr zu erwartendes Verhalten zulassen, ist eine Frage des Einzelfalls.<br \/>\n100 b) Die in Art. 20 GG niedergelegten Grundprinzipien und die Grunds&#228;tze des Religionsund<br \/>\nStaatskirchenrechts sind schon ihrer Herkunft und ihrem Inhalt nach Strukturvorgaben<br \/>\nstaatlicher Ordnung. Nur als solche verdienen sie Schutz. Sie enthalten keine Vorgaben f&#252;r die<br \/>\nBinnenstruktur einer Religionsgemeinschaft.<br \/>\n101 &#220;berdies widerspr&#228;che es der Religionsfreiheit und dem in Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs.<br \/>\n3 WRV gew&#228;hrleisteten Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften, von einer<br \/>\nkorporierten Religionsgemeinschaft etwa eine demokratische Binnenstruktur zu verlangen<br \/>\noder ihre &#196;u&#223;erungen &#252;ber andere Religionen und Religionsgemeinschaften dem Gebot der<br \/>\nNeutralit&#228;t zu unterstellen. Auch den als K&#246;rperschaften des &#246;ffentlichen Rechts verfassten<br \/>\nReligionsgemeinschaften bleibt es unbenommen, ihr Verh&#228;ltnis zu anderen Religionen und<br \/>\nReligionsgemeinschaften nach ihrem eigenen religi&#246;sen Selbstverst&#228;ndnis zu gestalten,<br \/>\nsolange sie den verfassungsrechtlichen Ordnungsrahmen, der auch die Grundlage ihrer eigenen<br \/>\nreligi&#246;sen Freiheit bildet, nicht beeintr&#228;chtigen. Dies w&#228;re etwa der Fall, wenn sie auf die<br \/>\nVerwirklichung einer theokratischen Herrschaftsordnung hinwirkten.<br \/>\n102 c) Von den korporierten Religionsgemeinschaften eine &#252;ber die genannten Anforderungen<br \/>\nhinausgehende Loyalit&#228;t zum Staat zu verlangen, ist zum Schutz der verfassungsrechtlichen<br \/>\nGrundwerte nicht notwendig und mit ihnen im &#220;brigen auch nicht vereinbar.<br \/>\n103 Das Wirken und der Status einer korporierten Religionsgemeinschaft bleiben, soweit nicht<br \/>\nverfassungsrechtliche Einschr&#228;nkungen geboten sind, von der grundrechtlichen Freiheit des<br \/>\nArt. 4 Abs. 1 und 2 GG gepr&#228;gt. Dem Tr&#228;ger dieser Freiheit ist es &#252;berlassen, ob und wie er<br \/>\nseinen Freiheitsraum ausf&#252;llt. Grundrechtliche Freiheit ist, vom Staat aus betrachtet, formale<br \/>\nFreiheit. Der Grundrechtstr&#228;ger muss sein Handeln nicht an den Interessen des Staates<br \/>\norientieren. Dies aber w&#252;rde man von einer Religionsgemeinschaft verlangen, die ihr Wirken<br \/>\nauf die Ziele des Staates, seine Verfassungsordnung und die dort niedergelegten Werte &#8222;loyal&#8220;<br \/>\nauszurichten h&#228;tte (vgl. St. Korioth, Loyalit&#228;t im Staatskirchenrecht?, in: Ged&#228;chtnisschrift f&#252;r<br \/>\nBernd Jeand&#8217;Heur, 1999, S. 221, 243).<br \/>\n104 &#220;berdies ist die Forderung, eine korporierte Religionsgemeinschaft m&#252;sse loyal zum Staat<br \/>\nstehen, rechtlich nicht leicht zu handhaben. &#8222;Loyalit&#228;t&#8220; ist ein vager Begriff, der au&#223;erordentlich<br \/>\nviele Deutungsm&#246;glichkeiten er&#246;ffnet bis hin zu der Erwartung, die Religionsgemeinschaft<br \/>\nm&#252;sse sich bestimmte Staatsziele zu Eigen machen oder sich als Sachwalter des Staates<br \/>\nverstehen. Der Begriff zielt n&#228;mlich auch auf eine innere Disposition, auf eine Gesinnung, und<br \/>\nnicht nur auf ein &#228;u&#223;eres Verhalten. Damit gef&#228;hrdet er nicht nur die Rechtssicherheit, sondern<br \/>\nf&#252;hrt auch in eine Ann&#228;herung von Religionsgemeinschaft und Staat, die das Staatskirchenrecht<br \/>\ndes Grundgesetzes weder verlangt noch billigt.<br \/>\n105 Aus den gleichen Gr&#252;nden kann es unter dem Grundgesetz nicht Ziel einer Verleihung des<br \/>\nK&#246;rperschaftsstatus sein, eine Religionsgemeinschaft durch Privilegien zur Kooperation mit<br \/>\ndem Staat anzuhalten. Das Grundgesetz sieht eine Zusammenarbeit des Staates mit den<br \/>\nReligionsgemeinschaften zum Teil ausdr&#252;cklich vor &#8211; etwa bei der Erhebung von Kirchensteuern<br \/>\n(Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 6 WRV) oder beim Religionsunterricht (Art. 7 Abs. 3 GG)<br \/>\n&#8211; und l&#228;sst sie in weiteren Bereichen zu. Es macht sie den Religionsgemeinschaften aber<br \/>\nnicht zur Bedingung. Ob sie derartige Angebote annehmen oder Distanz zum Staat wahren<br \/>\nm&#246;chten, bleibt ihrem religi&#246;sen Selbstverst&#228;ndnis &#252;berlassen. Andererseits h&#228;ngt es von<br \/>\nden Charakteristika der jeweiligen Kooperationsangebote und den konkreten Vorgaben der<br \/>\nauf Neutralit&#228;t und Parit&#228;t bedachten Verfassung ab, welchen Religionsgemeinschaften sie<br \/>\noffen stehen. Dass das Grundgesetz Religionsunterricht und Anstaltsseelsorge im Grundsatz<br \/>\nallen Religionsgemeinschaften zug&#228;nglich macht, zeigt aber, dass es Verg&#252;nstigungen<br \/>\nund Mitwirkungschancen nicht schematisch danach zuweist, in welcher Rechtsform eine<br \/>\nReligionsgemeinschaft organisiert ist. Einen Automatismus zwischen dem Status einer<br \/>\nK&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts und staatlichen Verg&#252;nstigungen, die nicht bereits mit<br \/>\ndiesem Status selbst gew&#228;hrleistet sind (&#8222;Privilegien&#8220;), gibt es nicht.<br \/>\n106 3. Die Pr&#252;fung, ob eine Religionsgemeinschaft nach ihrem gegenw&#228;rtigen und zu erwartenden<br \/>\nVerhalten die Gew&#228;hr daf&#252;r bietet, die in Art. 79 Abs. 3 GG umschriebenen fundamentalen<br \/>\nVerfassungsprinzipien, die staatlichem Schutz anvertrauten Grundrechte Dritter sowie<br \/>\ndie Grundprinzipien des Religions- und Staatskirchenrechts des Grundgesetzes nicht zu<br \/>\nbeeintr&#228;chtigen oder zu gef&#228;hrden, setzt eine komplexe Prognose voraus. Dabei muss eine<br \/>\nVielzahl von Elementen zusammengestellt und gew&#252;rdigt werden. Mathematische Genauigkeit<br \/>\nist nicht zu erreichen. F&#252;r eine solche Prognose nicht untypisch w&#228;re die Annahme, dass sich<br \/>\neine Gef&#228;hrdung der genannten Schutzg&#252;ter erst aus dem Zusammenwirken vieler einzelner<br \/>\nUmst&#228;nde ergibt. Andererseits stellen blo&#223; punktuelle Defizite die geforderte Gew&#228;hr nicht in<br \/>\nFrage. Hier ist den Fachgerichten eine typisierende Gesamtbetrachtung und Gesamtw&#252;rdigung<br \/>\naller derjenigen Umst&#228;nde aufgegeben, die f&#252;r die Entscheidung &#252;ber den K&#246;rperschaftsstatus<br \/>\nvon Bedeutung sind.<br \/>\nVI.<br \/>\n107 Nach diesen Ma&#223;st&#228;ben verletzt das angegriffene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts das<br \/>\nRecht der Beschwerdef&#252;hrerin aus Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV.<br \/>\n108 1. Zutreffend nimmt das Bundesverwaltungsgericht allerdings an, dass der Beschwerdef&#252;hrerin<br \/>\nder K&#246;rperschaftsstatus nicht schon wegen ihrer grunds&#228;tzlichen Haltung zum Staat versagt<br \/>\nwerden darf. Dass die Beschwerdef&#252;hrerin in ihren religi&#246;sen Lehren jedes politische System<br \/>\nund damit auch die Verfassungsordnung des Grundgesetzes als &#8222;Bestandteil der Welt Satans&#8220;<br \/>\nansieht (vgl. Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft <Hrsg.>, Du kannst f&#252;r immer im<br \/>\nParadies auf Erden leben, 1982\/1989, S. 210), ist nicht ausschlaggebend. Es ist dem religi&#246;sweltanschaulich<br \/>\nneutralen Staat verwehrt, Glauben und Lehre als solche zu bewerten.<br \/>\nMa&#223;geblich ist vielmehr das tats&#228;chliche Verhalten der Religionsgemeinschaft. In diesem<br \/>\ntats&#228;chlichen Verhalten erkennt die Beschwerdef&#252;hrerin den Staat des Grundgesetzes wie<br \/>\nandere &#8222;obrigkeitliche Gewalten&#8220; als von Gott geduldete &#220;bergangsordnung an. Eine dar&#252;ber<br \/>\nhinausgehende Zustimmung oder Hinwendung zum Staat verlangt das Grundgesetz nicht.<br \/>\n109 2. Allein das religi&#246;se Verbot der Teilnahme an staatlichen Wahlen rechtfertigt die Versagung<br \/>\ndes K&#246;rperschaftsstatus nicht.<br \/>\n110 Zu dem gem&#228;&#223; Art. 79 Abs. 3 GG nicht antastbaren Gehalt des Demokratieprinzips geh&#246;rt, dass<br \/>\nsich die Wahrnehmung staatlicher Aufgaben und die Aus&#252;bung staatlicher Befugnisse auf das<br \/>\nStaatsvolk zur&#252;ckf&#252;hren lassen m&#252;ssen (BVerfGE 89, 155 <182>). Das hat die freie Wahl der<br \/>\nVolksvertreter als Grundakt demokratischer Legitimation zur Voraussetzung (vgl. BVerfGE 44,<br \/>\n125 <140>).<br \/>\n111 Das Grundgesetz richtet an seine B&#252;rger die Erwartung, dass sie die ihnen er&#246;ffneten<br \/>\nM&#246;glichkeiten demokratischer Mitwirkung auch wahrnehmen. Es hat aber aus guten Gr&#252;nden<br \/>\ndavon abgesehen, diese vorrechtliche Verantwortung zu einer Rechtspflicht auszugestalten.<br \/>\nDenn das Einverst&#228;ndnis der B&#252;rger mit der vom Grundgesetz geschaffenen Staatsordnung,<br \/>\nohne die die freiheitliche Demokratie nicht leben k&#246;nnte, l&#228;sst sich nicht durch eine<br \/>\nVerpflichtung zum Gehorsam oder gar durch Sanktionen erzwingen. Das Lebenselement<br \/>\nder Demokratie ist die freie geistige Auseinandersetzung (vgl. BVerfGE 69, 315 <344 f.>).<br \/>\nSie schafft die motivierenden Kr&#228;fte, die die Bereitschaft der B&#252;rger zur Teilnahme an den<br \/>\ndemokratischen Wahlen hinreichend, wahrscheinlich sogar besser gew&#228;hrleisten.<br \/>\n112 Die Enthaltsamkeit der Beschwerdef&#252;hrerin gegen&#252;ber staatlichen Wahlen betrifft deswegen<br \/>\ndas Demokratieprinzip nicht in seinen normativen Gehalten, sondern in seinen tats&#228;chlichen<br \/>\nVoraussetzungen. Sie ist weder politisch begr&#252;ndet noch intentional auf eine Schw&#228;chung der<br \/>\nDemokratie gerichtet. Die Beschwerdef&#252;hrerin will nicht die Demokratie durch eine andere<br \/>\nStaatsform ersetzen. Sie entwirft und verfolgt kein politisches Programm, sie verfolgt im<br \/>\nGegenteil einen apolitischen Lebensentwurf. Die Bestrebungen der Beschwerdef&#252;hrerin richten<br \/>\nsich nicht gegen die freiheitliche Verfassungsordnung, sondern auf ein Leben jenseits des<br \/>\npolitischen Gemeinwesens in &#8222;christlicher Neutralit&#228;t&#8220;.<br \/>\n113 Diese Deutung von Programm und Zielen der Beschwerdef&#252;hrerin best&#228;tigen auch die<br \/>\ntats&#228;chlichen Entwicklungen.<br \/>\n114 Man m&#252;sste erwarten, dass sich die Haltung der Beschwerdef&#252;hrerin in ihren praktischen<br \/>\nFolgen negativ auf die vom Demokratieprinzip geforderte demokratische Legitimation<br \/>\nder Staatsgewalt durch Wahlen auswirkt, wenn es ihr gel&#228;nge, erhebliche Teile der<br \/>\nwahlberechtigten Bev&#246;lkerung von einer Teilnahme an staatlichen Wahlen abzuhalten. Das ist in<br \/>\nden &#252;ber hundert Jahren ihres Bestehens aber nicht der Fall gewesen. In ihrer auf Abgrenzung<br \/>\nbedachten Haltung, die sich auf religi&#246;s begr&#252;ndete Verlautbarungen beschr&#228;nkt und sich<br \/>\npolitischer Optionen enth&#228;lt, &#252;bt die Beschwerdef&#252;hrerin offenbar keinen sp&#252;rbaren Einfluss auf<br \/>\nNichtmitglieder aus. Deshalb ist ihr Verhalten gegen&#252;ber staatlichen Wahlen ein Gesichtspunkt,<br \/>\nder zwar bei der gebotenen typisierenden Gesamtbetrachtung Ber&#252;cksichtigung finden<br \/>\nkann, der aber f&#252;r sich allein die Annahme einer Gef&#228;hrdung der unantastbaren Gehalte des<br \/>\nDemokratieprinzips nicht tr&#228;gt.<br \/>\n115 3. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts verletzt damit Art. 140 GG i. V. m. Art. 137<br \/>\nAbs. 5 Satz 2 WRV. Die Entscheidung beruht auf diesem Verfassungsversto&#223;, weil nach dem<br \/>\nbisherigen Sach- und Streitstand nicht abzusehen ist, ob der Beschwerdef&#252;hrerin der Status<br \/>\neiner K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts aus anderen Gr&#252;nden zu versagen w&#228;re oder nicht.<br \/>\n116 Insbesondere ist im fachgerichtlichen Verfahren offen geblieben, ob die Beschwerdef&#252;hrerin<br \/>\n&#8211; wie das Land Berlin behauptet &#8211; durch die von ihr empfohlenen Erziehungspraktiken das<br \/>\nWohl der Kinder beeintr&#228;chtigt oder austrittswillige Mitglieder zwangsweise oder mit vom<br \/>\nGrundgesetz missbilligten Mitteln in der Gemeinschaft festh&#228;lt und damit dem staatlichen<br \/>\nSchutz anvertraute Grundrechte beeintr&#228;chtigt.<br \/>\nVII.<br \/>\n117 1. Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ist aufzuheben und das Verfahren an das<br \/>\nBundesverwaltungsgericht zur&#252;ckzuverweisen (\u00a7 95 Abs. 2 BVerfGG). Bei der den Fachgerichten<br \/>\nnunmehr aufgegebenen erneuten Pr&#252;fung des Verleihensanspruchs im Wege der typisierenden<br \/>\nGesamtbetrachtung wird insbesondere zu kl&#228;ren sein, ob die staatlichem Schutz anvertrauten<br \/>\nGrundrechte Dritter einer Verleihung des K&#246;rperschaftsstatus entgegenstehen.<br \/>\n118 2. Soweit die Verfassungsbeschwerde auch den Bescheid der Senatsverwaltung f&#252;r<br \/>\nKulturelle Angelegenheiten vom 20. April 1993 einbezieht, kommt dem in diesem Verfahren<br \/>\nkeine eigenst&#228;ndige Bedeutung zu, weil die Verwaltungsgerichte diesen Bescheid auf die<br \/>\nVerpflichtungsklage der Beschwerdef&#252;hrerin hin in vollem Umfang &#252;berpr&#252;ft und ihrerseits &#252;ber<br \/>\nden Anspruch der Beschwerdef&#252;hrerin entschieden haben.<br \/>\n119 3. Die Bundesrepublik Deutschland hat der Beschwerdef&#252;hrerin gem&#228;&#223; \u00a7 34a Abs. 2 BVerfGG<br \/>\ndie notwendigen Auslagen zu erstatten.<br \/>\nD.<br \/>\n120 Diese Entscheidung ist einstimmig ergangen.<br \/>\nQuelle: \u00a9 juris GmbH<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entscheidungsdatum: 19.12.2000 Aktenzeichen: 2 BvR 1500\/97 Leitsatz 1. Eine Religionsgemeinschaft, die K&#246;rperschaft des &#246;ffentlichen Rechts werden will (GG Art 140 iVm WRV Art 137 Abs 5 Satz 2), muss rechtstreu sein. a) Sie muss die Gew&#228;hr daf&#252;r bieten, dass sie &hellip; <a href=\"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/allgemein\/gericht-bverfg-2-senat-entscheidungsname-zeugen-jehovas-korperschaftsstatus-der-zeugen-jehovas.html\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-299","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=299"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":302,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions\/302"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}