{"id":182,"date":"2011-02-17T12:10:18","date_gmt":"2011-02-17T11:10:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/?p=182"},"modified":"2011-02-17T12:12:59","modified_gmt":"2011-02-17T11:12:59","slug":"kontroverse-ueber-glaubensgemeinschaft-weser-kurier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.zeugenjehovas-ausstieg.de\/03-blog\/allgemein\/kontroverse-ueber-glaubensgemeinschaft-weser-kurier.html","title":{"rendered":"Kontroverse &#252;ber Glaubensgemeinschaft  &#8211; Weser-Kurier"},"content":{"rendered":"<p>Jehovas Zeugen wollen mehr Rechte<br \/>\nVon Sara Sundermann<br \/>\nBremen. Die Zeugen Jehovas haben in Bremen mehr Rechte beantragt. Sie wollen als K&#246;rperschaft &#246;ffentlichen Rechts anerkannt werden. Durch diese Aufwertung w&#228;ren sie den Kirchen gleichgestellt. Am Mittwoch hat der Rechtsausschuss der B&#252;rgerschaft dazu verschiedene Stimmen geh&#246;rt \u2013 und hat sich mitten in die Kontroverse begeben. Die Kritik an der Glaubensgemeinschaft ist massiv.<\/p>\n<p>Die Stimmung im Saal ist ernst und konzentriert, erst ganz am Schluss kommt es zum Eklat. 30 Experten und fast ebenso viele G&#228;ste sind versammelt. Die meisten Redner sind um Sachlichkeit bem&#252;ht, doch die Vorw&#252;rfe gegen die Religionsgemeinschaft wiegen schwer: Isolationshaft f&#252;r Aussteiger, gegenseitige Bespitzelung von Mitgliedern, verweigerte Bluttransfusionen f&#252;r kranke Kinder, Bildungsfeindlichkeit, Schl&#228;ge und massive Indoktrination fallen als Stichworte im Ausschuss. <\/p>\n<p>Prinzipiell haben sich die Zeugen Jehovas allerdings bereits vor dem Verfassungsgericht das Recht auf die Aufwertung erstritten. Doch weil Religion L&#228;ndersache ist, entscheidet jedes Bundesland zus&#228;tzlich selbst &#252;ber die Anerkennung. Nur wenn die B&#252;rgerschaft fehlende Rechtstreue bei den Zeugen Jehovas erkennen w&#252;rde und den Antrag ablehnt, w&#228;re die Aufwertung in Bremen noch aufzuhalten. Eigentlich geht es also um Gesetzesverst&#246;&#223;e. Doch zugleich steht automatisch die gesamte Glaubensgemeinschaft im Visier.<\/p>\n<p>\u201eIch war bis zu meinem 37. Lebensjahr bei den Zeugen Jehovas\u201c, erz&#228;hlt Bernd Galeski vom Netzwerk Sektenausstieg e.V. in Barmstedt. Zwei seiner Br&#252;der machten sich in den Augen der Gemeinschaft der ,Hurerei\u2019 schuldig, weil sie unverheiratet eine Freundin hatten und das nicht bereuten. \u201eZwanzig Jahre lang habe ich deshalb nicht mit meinen Br&#252;dern gesprochen. Nach meinem Ausstieg habe ich mich als Erstes bei ihnen entschuldigt.\u201c<\/p>\n<p>Was er schildert, ist der Kontaktabbruch mit Gl&#228;ubigen, die sich nicht an die Regeln halten. \u201eDie Zeugen Jehovas haben eine interne Justiz, und die H&#246;chststrafe ist der Gemeinschaftsentzug\u201c, sagt Galeski. Die soziale Isolation, die ihm zufolge auch Aussteigern droht. Mehrere Experten und fr&#252;here Glaubensangeh&#246;rige im Ausschuss best&#228;tigten diese Praxis, die im Alltag ganze Familien auseinanderrei&#223;en kann. Zum Beispiel, wenn der Vater austritt und seine Kinder nicht mehr sehen kann oder von gro&#223;en Teilen des Familienlebens ausgeschlossen wird. Ein Vorgehen, das als Grundrechtsversto&#223; gelten k&#246;nnte. <\/p>\n<p>Bluttransfusionen sind verboten<\/p>\n<p>Doch das ist nicht der einzige umstrittene Aspekt. Kritisiert wird auch die Verweigerung von Bluttransfusionen. Die Zeugen Jehovas lehnen diese ab, weil die Bibel angeblich die Aufnahme von Blut verbietet. Wenn Eltern f&#252;r Kinder die Transfusion verweigern, bringen sie damit m&#246;glicherweise das Leben des Kindes in Gefahr. Und st&#252;rzen auch die &#196;rzte in ein Dilemma. <\/p>\n<p>Das wurde gestern deutlich, als zwei &#196;rzte von mehreren F&#228;llen in Bremer Krankenh&#228;usern berichteten.\u201eWir hatten ein Fr&#252;hgeborenes mit Blutarmut\u201c, erz&#228;hlt Hans-Iko Huppertz von der Professor Hess-Kinderklinik. \u201eDie Eltern waren Zeugen Jehovas. Mehrere Glaubensgenossen kamen hinzu. Schlie&#223;lich lehnten die Eltern die Transfusion ab.\u201c Sp&#228;ter seien sie aber noch einmal zu ihm gekommen und h&#228;tten von ihrem inneren Konflikt und der Angst vor der Aussto&#223;ung berichtet. Nur durch eine rasche richterliche Verf&#252;gung erhielt das Kind schlie&#223;lich die rettende Transfusion. <\/p>\n<p>Kritisiert wurde au&#223;erdem eine fehlende Distanzierung vom Einsatz k&#246;rperlicher Gewalt in der Kindererziehung. Verschiedene Schriften der Zeugen w&#252;rden Schl&#228;ge als Ma&#223;nahme empfehlen, best&#228;tigten mehrere Experten und Betroffene.<\/p>\n<p>Die Zeugen Jehovas selbst wurden nur ganz zuletzt und in aller K&#252;rze geh&#246;rt, was Gajus Glockentin, Vertreter und Justitiar der Wachtturm-Gesellschaft auch scharf kritisierte. Er nannte die Anh&#246;rung eine \u201eInszenierung\u201c und sagte: \u201eDas Zerrbild, das hier von unserer Religion gezeichnet wird, kann ich nicht wiedererkennen.\u201c Die Bremer Zeugen Jehovas seien sehr gut integriert und f&#252;hlten sich in ihrer Religion wohl. \u201eWir haben hier 2000 B&#252;rger in Bremen, die erneut mit Schmutz beworfen werden\u201c, so Glockentin. Er kritisierte pauschale Vorw&#252;rfe und sprach von haltlosen Beschuldigungen. Den Vorwurf des absoluten Kontaktabbruchs zu Aussteigern allerdings bestritt er nicht, sondern stellte ihn in Beispielen sogar als legitimes Handeln dar.<\/p>\n<p>Bislang haben zw&#246;lf Bundesl&#228;nder der rechtlichen Aufwertung der Zeugen Jehovas zugestimmt. Baden-W&#252;rtemberg und Rheinland-Pfalz dagegen urteilten, dass die Gemeinschaft gegen das Grundgesetz verst&#246;&#223;t und stimmten dagegen. Jetzt steht nur noch in Bremen und Nordrhein-Westfalen die Entscheidung aus.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.weser-kurier.de\/Artikel\/Bremen\/Vermischtes\/324036\/Jehovas+Zeugen+wollen+mehr+Rechte.html\">http:\/\/www.weser-kurier.de\/Artikel\/Bremen\/Vermischtes\/324036\/Jehovas+Zeugen+wollen+mehr+Rechte.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das wurde gestern deutlich, als zwei &#196;rzte von mehreren F&#228;llen in Bremer Krankenh&#228;usern berichteten.\u201eWir hatten ein Fr&#252;hgeborenes mit Blutarmut\u201c, erz&#228;hlt Hans-Iko Huppertz von der Professor Hess-Kinderklinik. \u201eDie Eltern waren Zeugen Jehovas. Mehrere Glaubensgenossen kamen hinzu. Schlie&#223;lich lehnten die Eltern die Transfusion ab.\u201c Sp&#228;ter seien sie aber noch einmal zu ihm gekommen und h&#228;tten von ihrem inneren Konflikt und der Angst vor der Aussto&#223;ung berichtet. 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