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Autor Thema: Der treue und verständige Sklave  (Gelesen 39756 mal)
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Regenbogen
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« Antworten #50 am: 08. Juni 2010, 16:42:20 »

Und was ist mit dir? Kannst du dich lieben? Findest du dich: genial, einzigartig, lebenswert, liebenswert, so individuell, dass du in der Lage bist, dich sowohl als einzigartig, als auch als Teil des Gesamten zu begreifen. Siehst du deinen Platz im Teil des Ganzen? Darum geht es - letztlich - sich sowohl als Individuum, als auch als Teil des Ganzen zu begreifen. Es ist für uns ein geistiger Spagat.

Ricarda,
ja, das kann ich! Es geht für mich, wenn ich nicht mein Ich in den Vordergrund stelle, sondern mich als "Teil des Ganzen" sehe, eingebettet in Systeme - vor allem ins Herkunftssystem ... wenn ich zum Beispiel meine Mutter, mit all' dem, was sie mir angetan hat, auch als Teil ihres (und damit natürlich auch meines) Herkunftssystems sehe, dann kann ich "verstehen" ... ich sage bewusst "verstehen" und nicht "verzeihen", denn damit würde ich mich klein machen.

Wenn ich ständig "ich, ich, ich ... und noch einmal ich" sagen würde, dann verliere ich den "Blick für das Ganze", dann bin ich nur "bei mir" und mein Blick würde eng werden ... ! Und wenn mein Blick eng ist, dann kann ich mich nicht "öffnen" und "offen sein für den anderen" - damit geht für mich Authentizität verloren. Starheit und Kälte wären die Folgen ... !

Die Auseinandersetzung mit sich selbst als Teil des Ganzen ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Dinge überhaupt. So schnell "kritisiert" man den anderen, "urteilt" über ihn, "ärgert" sich ... doch meistens sind "eigene Anteile" dabei, die den Anlass dafür geben ...

liebe Nachmittagsgrüße ...


 
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Ricarda
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« Antworten #51 am: 08. Juni 2010, 16:55:53 »

da sind wir in zwei Dingen sehr nah beieinander. Ich fertige auch Ahnenhoroskope an und schaue mir die Plutoverstrickungen der Sippe an. Es geht dabei darum Ursache und Wirkung zu verstehen, um Verstrickungen beenden zu können.

Verzeihen - sich entschuldigen (ent - schulden) - darauf kommt es auch tatsächlich nicht an. Wenn sich die Inhalte nicht verändern, nützt eine andere Verpackung gar nichts. Verstehen hilft Inhalte zu ändern. Die Entschuldigung ist eigentlich eine Mogelpackung.
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Regenbogen
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« Antworten #52 am: 08. Juni 2010, 17:05:13 »

Verzeihen - sich entschuldigen (ent - schulden) - darauf kommt es auch tatsächlich nicht an. Wenn sich die Inhalte nicht verändern, nützt eine andere Verpackung gar nichts. Verstehen hilft Inhalte zu ändern. Die Entschuldigung ist eigentlich eine Mogelpackung.

... interessant, wie du das siehst.

Ich mache für mich noch einen Unterschied zwischen "ent-schuldigen" und "verzeihen" ... !

Wenn sich jemand "ent-schuldigt", steht für mich "die Schuld im Raum - also zwischen den beiden beteiligten Personen".
"Verzeihen" ist für mich tiefer - es setzt eine "EINSICHT" voraus ... eine Einsicht, dass jemand einen anderen verletzt, gequält oder was auch immer hat! Diese Person muss dann die "volle Verantwortung" für ihre Tat übernehmen, denn mit den Folgen muss sowieso das Opfer klar kommen. Und das ist meistens schlimm genug ... !



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Ricarda
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« Antworten #53 am: 08. Juni 2010, 17:18:41 »

Als mein Vater starb - sehr chaotisch -  Ärgerlich Ärgerlich Ärgerlich habe ich ihm zwar den gleichen Grabstein besorgt, den auch meine Mutter hat - aber ohne Rose! Ich war einfach unglaublich sauer auf meinen Vater. Trotzdem habe ich mein Versprechen eingehalten. er liegt etwa 100 m von meiner Mutter entfernt. Das hat mich richtig Nerven gekostet.

Ein halbes Jahr später konnte ich ihm verzeihen und habe meinen Eltern je eine Rose aufs Grab gelegt, um mit meinem Groll Frieden zu machen. Die Verzeihung ist also ein innerer Prozess.

Die Entschuldigung dagegen ist der (unreelle) Versuch einer Person sich von Schuld freizukaufen, oft nur ein Lippenbekenntnis, Plapperei - nichts weiter. Mir hat eine Entschuldigung noch nie etwas bedeutet. Sie macht ja nichts ungeschehen. Leute, die sich bei mir entschuldigt haben (wofür auch immer) fühlten sich oft danach frei denselben Mist wieder zu machen. Da fährt jemand ein Kind tot und entschuldigt sich bei den Eltern. Wozu? Macht es das Kind wieder lebendig oder tröstet es die Eltern?Nein. Es erleichtert nur das Gewissen des Täters.

Oder ein Vater, der sein Kind sexuell missbraucht hat, über Jahre - was bedeutet da eine Entschuldigung. Etwa, damit er sich beser fühlt? Womöglich noch unter Tränen und betteln um Vergebung? Entschuldigungen haben für mich etwas extrem heuchlerisches.
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Regenbogen
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« Antworten #54 am: 08. Juni 2010, 17:27:39 »

Oder ein Vater, der sein Kind sexuell missbraucht hat, über Jahre - was bedeutet da eine Entschuldigung. Etwa, damit er sich beser fühlt? Womöglich noch unter Tränen und betteln um Vergebung? Entschuldigungen haben für mich etwas extrem heuchlerisches.

... nein, das geht nicht "so einfach" ... ! Hier geht es um Schuld! Das Opfer muss lernen, die Schuld beim Täter zu lassen und sich nicht dafür verantwortlich zu fühlen ...

Ein halbes Jahr später konnte ich ihm verzeihen und habe meinen Eltern je eine Rose aufs Grab gelegt, um mit meinem Groll Frieden zu machen. Die Verzeihung ist also ein innerer Prozess.

ja, ein "innerer Prozess", der Zeit braucht! Es geht oft nach dem Tod einer Person "leichter" ... auch ich bin schon "ganz ruhig" am Grab meiner Mutter gesessen ... ich werde an ihrem Grab sowieso innerlich immer ruhig ... ! Es ist vorbei ...
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Ga-chen
Gast
« Antworten #55 am: 13. Juni 2010, 02:39:31 »

OK Ga-chen,

das reizt mich zu einer Provokation. (Nicht böse sein).

Gott heißt Mächtiger. Als Gott dir vergeben hatte, ging es dir nicht gut. Erst als du selbst dir vergeben hast, ging es dir gut.
Die Frage ist doch: wer oder was hat Macht über dich? Was läßt du zu? Über dich hat Gott (außerhalb von dir) Jesus usw. Macht, obwohl du dich dadurch nicht gut gefühlt hast (was ich logisch finde, da fremdbestimmt).

Über mich habe ausschließlich ich Macht. Ich lasse nichts anderes mehr zu. Ich bestimme, was ich denke, was ich fühle, was ich tue, was ich unterlasse und übernehme dafür die Verantwortung. Ich habe die alleinige Macht über mich. Fazit: ich bin Gott Grinsend (Jedenfalls meiner Zwinkernd)

Ich verstehe dein Denken! Doch nützt es mir nichts, wenn ich mir selber vergebe, wenn Gott mir nicht vergeben hat. Ich wusste, dass Gott mir in dieser Sache vergeben hatte, doch suchte ich selber nach Lösungen, bis ich verstand, dass Gott für die Lösung sorgen würde, für eine bessere, als ich sie je finden würde, denn er kennt alle Umstände, was jeder von uns selber nicht alles überblicken kann. Als ich das "abgeben" konnte, konnte ich mir auch vergeben, denn ich begriff, dass ich am Geschehen nichts mehr würde ändern können, auch im Nachhinein nicht! Wer immer verändern kann ist Gott!
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Ga-chen
Gast
« Antworten #56 am: 13. Juni 2010, 02:41:03 »

Oh das ist schon so asbach. Zieh dir mal ein paar Kirschners rein, angefangen mit diesem:

http://www.amazon.de/Die-Kunst-ein-Egoist-sein/dp/3426822946



Ein Klassiker, den man unbedingt haben sollte.....
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Ga-chen
Gast
« Antworten #57 am: 13. Juni 2010, 02:43:42 »

*grins* jetzt bin ich wieder im vergangenen Wochendend und bei dem Gespräch vor dem fast alle ein flaues Gefühl im Bauch hatten... (insider)
Aber bei meinem Gespräch wurde mir gesagt: ---ich liebe mich--- ich weiß das ist ganz schön egoistisch---

Die Liebe die heilt ist das selbe wie Egoismus, nur netter Ausgedrückt :-)

Nein, das finde ich gar nicht egoistisch, sich selber zu lieben, denn es ist eine zwingend wichtige Grundlage für die eigene seelische Gesundheit und auch dafür, seinen Mitmenschen lieben zu können!!! Egoismus dagegen ist ein übersteigertes Wertigkeitsgefühl, dem ein mangelndes Selbstwertgefühl zugrunde liegt.....
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Ga-chen
Gast
« Antworten #58 am: 13. Juni 2010, 02:45:02 »

Du sollst deinen Nächsten lieben "wie dich selbst" setzt voraus, dass du sich zuerst selbst liebst. Hast du Haßgefühle gegen dich (z. B. borderliner), dann liebst du dich nicht und kannst andere gar nicht lieben. Das eine setzt das andere voraus. Wer das verstanden hat, weiß, dass Eigenliebe auch für die Liebe zu anderen gut ist.

Genau, ganz genauso sehe ich das auch.....
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Ga-chen
Gast
« Antworten #59 am: 13. Juni 2010, 02:50:32 »

da sind wir in zwei Dingen sehr nah beieinander. Ich fertige auch Ahnenhoroskope an und schaue mir die Plutoverstrickungen der Sippe an. Es geht dabei darum Ursache und Wirkung zu verstehen, um Verstrickungen beenden zu können.

Verzeihen - sich entschuldigen (ent - schulden) - darauf kommt es auch tatsächlich nicht an. Wenn sich die Inhalte nicht verändern, nützt eine andere Verpackung gar nichts. Verstehen hilft Inhalte zu ändern. Die Entschuldigung ist eigentlich eine Mogelpackung.

Das sehe ich immer noch anders! Das Verstehen geht sicherlich immer voraus, ohne den anderen verstehen zu können, ist eine Entschuldigung doch gar nicht möglich! Du meinst sicher Entschuldigungen, die so dahin gesagt werden, die nicht wirklich ernst gemeint sind, sondern nur, um aus der Angelegenheit raus zu kommen. Das ist m. M. nach ganz schön unehrlich. Doch finde ich, dass eine Entschuldigung mit Respekt dem anderen gegenüber zu tun hat, einzugestehen, falsch gehandelt und den anderen verletzt zu haben. Das ist für den anderen oftmals unglaublich wichtig! Besondern zwischen Eltern und ihren Kindern in einer Zeit, das Jugendliche ihre Erfahrungen und Verletzungen aufarbeiten wollen und sogar müssen, um ein unbelastetes und selbstbestimmtes Leben führen zu können. Selbst, wenn es um Fehler geht, die man nicht bewusst gemacht hat oder aus Lebenssituationen heraus, in denen man nicht anders handeln konnte....
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Ga-chen
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« Antworten #60 am: 13. Juni 2010, 02:56:29 »

Als mein Vater starb - sehr chaotisch -  Ärgerlich Ärgerlich Ärgerlich habe ich ihm zwar den gleichen Grabstein besorgt, den auch meine Mutter hat - aber ohne Rose! Ich war einfach unglaublich sauer auf meinen Vater. Trotzdem habe ich mein Versprechen eingehalten. er liegt etwa 100 m von meiner Mutter entfernt. Das hat mich richtig Nerven gekostet.

Ein halbes Jahr später konnte ich ihm verzeihen und habe meinen Eltern je eine Rose aufs Grab gelegt, um mit meinem Groll Frieden zu machen. Die Verzeihung ist also ein innerer Prozess.

Die Entschuldigung dagegen ist der (unreelle) Versuch einer Person sich von Schuld freizukaufen, oft nur ein Lippenbekenntnis, Plapperei - nichts weiter. Mir hat eine Entschuldigung noch nie etwas bedeutet. Sie macht ja nichts ungeschehen. Leute, die sich bei mir entschuldigt haben (wofür auch immer) fühlten sich oft danach frei denselben Mist wieder zu machen. Da fährt jemand ein Kind tot und entschuldigt sich bei den Eltern. Wozu? Macht es das Kind wieder lebendig oder tröstet es die Eltern?Nein. Es erleichtert nur das Gewissen des Täters.

Oder ein Vater, der sein Kind sexuell missbraucht hat, über Jahre - was bedeutet da eine Entschuldigung. Etwa, damit er sich beser fühlt? Womöglich noch unter Tränen und betteln um Vergebung? Entschuldigungen haben für mich etwas extrem heuchlerisches.


Da geht es wohl eher um Vergebung! Vl. liegt es auch einfach daran, dass wir Wörter unterschiedlich definieren. Ich finde, wenn es ehrlich gemeint ist, so gehört zur Entschuldigung, um Verzeihung oder Vergebung bitten eine ganze Menge Verantwortung! Dass es damit oftmals nicht getan ist, ist eine andere Sache und ganz besonders in solch schlimmen Fällen.
Und sicher hast du Recht, wenn bei einem ermordeten Kind der Täter die Eltern um Verzeihung bittet, ich weiß gar nicht, ob das möglich ist, geht das nicht nur im direkten Weg also demgegenüber, dem man etwas zugefügt hat? Was in dem Fall ja nicht mehr möglich ist! Hier wäre wohl besser der Täter könnte glaubwürdig rüberbringen, dass er sein Verhalten zutiefst bereut! Eine Vergebung kann er wohl nicht erwarten. Das ist eine Sache der "Genesung" der Eltern, ob es für sie jemals möglich sein wird. Der Täter kommt lebenslang aus seiner Verantwortung nicht raus....
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Ricarda
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« Antworten #61 am: 13. Juni 2010, 07:31:28 »

Schaut man etwas weiter zurück in die Geschichte - über eine Reihe von Inkarnationen - dann sieht man, wie das Pendel immer hin und herschlägt. Banal: in einem Leben bringst du mich um, im nächten ich dich, dann wieder du mich usw. Das zieht sich oft über Generationen hin (die Plutoverstrickungen z. B.) bis es einer schafft damit aufzuhören und die Kette durchbricht. Entschuldigungen und Vergebungen durchbrechen die Kette nicht, Veränderungen im Handeln dagegen machen frei von solchen Verstrickungen.

Wenn du Lust hast lies dir auf meiner Seite www.margitricardarolf.de Kindheit /Konni warum durch. Mein Ex-Mann und ich haben die Kette durchbrochen, indem wir nicht zu meinen Großeltern gefahren sind. Die Geschichte hat sich nicht bei meiner Tochter wiederholt. Das war eine bewußte Entscheidung, die sich durch Handeln ausgedrückt hat. An Entschuldigung oder Vergebung wäre ich nicht interessiert. Eher daran zu verstehen, warum jemand so handelt.
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Regenbogen
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« Antworten #62 am: 13. Juni 2010, 09:24:34 »

Doch finde ich, dass eine Entschuldigung mit Respekt dem anderen gegenüber zu tun hat, einzugestehen, falsch gehandelt und den anderen verletzt zu haben. Das ist für den anderen oftmals unglaublich wichtig! Besondern zwischen Eltern und ihren Kindern in einer Zeit, das Jugendliche ihre Erfahrungen und Verletzungen aufarbeiten wollen und sogar müssen, um ein unbelastetes und selbstbestimmtes Leben führen zu können. Selbst, wenn es um Fehler geht, die man nicht bewusst gemacht hat oder aus Lebenssituationen heraus, in denen man nicht anders handeln konnte....

... danke Ga-chen, genau    d a r u m    geht es ... !

Der Täter kommt lebenslang aus seiner Verantwortung nicht raus....

... danke Ga-chen, auch hier hast du meine Zustimmung. Und diese "Verantwortung" muss beim Täter bleiben. Oft fühlen sich nämlich die Opfer für diese schrecklichen Taten verantwortlich - glauben, sie haben Schuld an all' dem, was ihnen angetan wurde. Manchmal wird es ja auch so vermittelt, damit der Täter seine "scheinbare Macht" weiterhin und unter Umständen noch stärker missbrauchen kann ...



@ Hallo Ricarda,
es ist schön, dass du deine Tochter diesbezüglich schützen konntest. "Handeln macht frei" von Verstrickungen - du konntest es, weil du "dort hinschauen konntest, was   d i r     als Kind angetan wurde". Viele Mütter/Menschen können das nicht. Sie leugnen, verdrängen, beschönigen, entschuldigen scheinbar den Mißbrauch und sind, wenn sie beim eigenen Kind wiederholen sollte, "wie gelähmt" - sie können nicht schützen, werden zum Co-Täter, schützen auch den Täter, der sich am eigenen Kind vergreift ...  

Ich weiß nicht, ob es eine Antwort auf das "Warum" gibt. Habe darüber auch schon viel im Laufe der Jahre aufgrund meiner eigenen Kindheitserfahrungen viel nachgedacht. WARUM schlagen viele ZJ ihre Kinder? WARUM sperren sie sie ein? WARUM missbrauchen Menschen ihre Kinder? WARUM gibt es immer wieder so schreckliche Morde und Verbrechen? WARUM, WARUM, WARUM ... ich könnte die Liste der Fragen noch weiter fortsetzen.
 
Für mich bin ich zu der Erklärung gekommen, dass ganz viel Machtausübung dahinter steckt. Was eine schlagende Mutter und ihr Kind betrifft, glaube ich, dass da "doppelte Machtausübung" im Spiel ist. Zum einen weiß der Erwachsene doch, dass sich das kleine Kind niemals wehren kann und zum anderen, schlägt er dann auch noch auf das Kind ein. So ein Kind hat keine Chance - und ich bin mir sicher, dass der Erwachsene das auch weiß. Das ist es, was es für mich noch schlimmer macht.

Ein Kind so zu demütigen zeigt mir mit meinem Verständnis heute die Hilflosigkeit und Überforderung des Erwachsenen in seiner Lebenssituation. Das ist keine Entschuldigung für die Täter, doch eine "Erklärung für mich", die ich mir zurechtgelegt habe nach all' den Jahren, damit ich für mich zumindest ansatzweise "verstehen" kann.

Und da bin ich nun wieder beim Punkt, den Ga-chen erklärt hat ... für die Aufarbeitung und den Prozess, den die Opfer gehen müssen, wäre es das Beste, wenn die Täter    E i n s i c h t    hätten und die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen würden. Doch leider ist das eher selten der Fall. Es würde allerdings "den Heilungsprozess" beschleunigen.

Es geht dabei nicht um "viele Worte, Erklärungen, Entschuldigungen", sondern um ein "Sich-finden" auf der Gefühlsebene, um ein "Sich-in-die-Augen-schauen" oder um eine "stille Umarmung" ...


Liebe Sonntagsgrüße an euch ...



« Letzte Änderung: 13. Juni 2010, 09:27:05 von Regenbogen » Gespeichert
Ricarda
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« Antworten #63 am: 13. Juni 2010, 11:00:10 »

Nachdem mein Großvater gestorben war, habe ich mal überlegt, wie es wäre, wenn ich ihn hätte zur Rede stellen können oder wenn ich ihn angezeigt hätte. Beides ging nicht mit Rücksicht auf meine Mutter und meine Oma. Als alle drei tot waren, wollte ich "Konni warum" veröffentlichen. Mein Vater, der mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun hatte, hat daraufhin erklärt: "Wenn du das machst, bist du nicht mehr meine Tochter". Wir hatten fast vier Jahre keinen Kontakt mehr. Veröffentlicht habe ich es dann aber erst nach seinem Tod.

Hätte ich die Möglichkeit mit meinem Großvater über die Vorfälle zu sprechen, dann bin ich sicher, er würde leugnen, bagatellisieren oder ärgerlich reagieren. Verantwortung übernehmen würde er ganz sicher nicht. Und ein "es tut mir Leid" "Entschuldigung" oder "das habe ich nicht gewollt" - womöglich Tränen der Reue - ich würde ihm nicht glauben, denn er hat bereits als junger Ehemann deswegen im Zuchthaus gesessen. An Therapie hat man wohl in den Dreißigern nicht gedacht.
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Ga-chen
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« Antworten #64 am: 14. Juni 2010, 01:29:36 »

Schaut man etwas weiter zurück in die Geschichte - über eine Reihe von Inkarnationen - dann sieht man, wie das Pendel immer hin und herschlägt. Banal: in einem Leben bringst du mich um, im nächten ich dich, dann wieder du mich usw. Das zieht sich oft über Generationen hin (die Plutoverstrickungen z. B.) bis es einer schafft damit aufzuhören und die Kette durchbricht. Entschuldigungen und Vergebungen durchbrechen die Kette nicht, Veränderungen im Handeln dagegen machen frei von solchen Verstrickungen.

Wenn du Lust hast lies dir auf meiner Seite www.margitricardarolf.de Kindheit /Konni warum durch. Mein Ex-Mann und ich haben die Kette durchbrochen, indem wir nicht zu meinen Großeltern gefahren sind. Die Geschichte hat sich nicht bei meiner Tochter wiederholt. Das war eine bewußte Entscheidung, die sich durch Handeln ausgedrückt hat. An Entschuldigung oder Vergebung wäre ich nicht interessiert. Eher daran zu verstehen, warum jemand so handelt.

Du nicht, Ricarda, das weiß ich, aber der Betroffene vielleicht? Natürlich muss Entschuldigung und Vergebung eine Verhaltensänderung zur Folge haben, sonst wäre es u. A. ja auch unehrlich! Wie sagte Jesus? "Geh' hin und sündige nicht mehr!"

Es gibt auch so genannte Familiengeheimnisse, in deren Folge die Kinder im selben Alter wie die Eltern die gleichen Dinge tun, ein seltsames Phänomen,  das nur unterbrochen werden kann, wenn die Dinge ans Licht kommen, darüber gesprochen wird.
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« Antworten #65 am: 14. Juni 2010, 01:41:54 »

Nachdem mein Großvater gestorben war, habe ich mal überlegt, wie es wäre, wenn ich ihn hätte zur Rede stellen können oder wenn ich ihn angezeigt hätte. Beides ging nicht mit Rücksicht auf meine Mutter und meine Oma. Als alle drei tot waren, wollte ich "Konni warum" veröffentlichen. Mein Vater, der mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun hatte, hat daraufhin erklärt: "Wenn du das machst, bist du nicht mehr meine Tochter". Wir hatten fast vier Jahre keinen Kontakt mehr. Veröffentlicht habe ich es dann aber erst nach seinem Tod.

Hätte ich die Möglichkeit mit meinem Großvater über die Vorfälle zu sprechen, dann bin ich sicher, er würde leugnen, bagatellisieren oder ärgerlich reagieren. Verantwortung übernehmen würde er ganz sicher nicht. Und ein "es tut mir Leid" "Entschuldigung" oder "das habe ich nicht gewollt" - womöglich Tränen der Reue - ich würde ihm nicht glauben, denn er hat bereits als junger Ehemann deswegen im Zuchthaus gesessen. An Therapie hat man wohl in den Dreißigern nicht gedacht.

Sorry, Ricarda, diesen Beitrag von dir hatte ich übersehen....

Ich wusste nicht, was dir passiert ist, werde deine Geschichte noch lesen!

Missbrauch ist eine schlimme Sache, für den Betroffenen ein lebenslanges Trauma, aber auch die unmittelbaren Angehörigen sind betroffen. Da ist sehr viel Angst im Spiel, könnte ich mir vorstellen, Angst, andere könnten davon erfahren, was in der Familie vorgeht. Bei Ehefrauen kommt der drohende Verlust der Familie dazu, der Verlust des Ernährers möglicherweise. Oder auch, dass nicht sein kann, was nicht sein darf!

Oft sind Täter selber mal Opfer gewesen und kommen kaum aus der Rolle heraus. Das hilft den Missbrauchten wenig, das ist ja klar. Und mir ist auch bewusst, dass es da mit einer einfachen Entschuldigung nicht getan ist. Der Täter müsste sich stellen, müsste sich deine Wut und deinen herausgeschrienen Schmerz anhören und standhalten, um in etwa ermessen zu können, wie du dich gefühlt hast. Und sicher kann erst dann wirkliche Reue möglich werden, das Erfassen der Tragweite, das Ausmaß des ganzen und das dadurch in vielem verkorkste Leben.....

« Letzte Änderung: 14. Juni 2010, 01:43:34 von Ga-chen » Gespeichert
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« Antworten #66 am: 14. Juni 2010, 02:05:03 »

Ich hab' deine page gelesen....

und muss sagen, dass du wirklich ein Allroundtalent bist! Was du so alles auf die Beine stellst, alle Achtung!!!
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« Antworten #67 am: 14. Juni 2010, 07:48:28 »

Ja, das bin ich wohl. Will jetzt auch noch Autos bauen und zum Umwelthauptstadtjahr 2011 alte Apfelbaumsorten pflanzen. Nachdem ich bei den Zeugen ausgetiegen bin, baue ich jetzt hier ein irdisches Paradies. Zwinkernd Es gibt leider ein paar Leute, die was dagegen haben: Piech, Ackermann, Merkel, Westerwelle.....

Mir gefällt das jedenfalls besser, als untätig (oder von Haus-zu-Haus-laufend scheinbar tätig) darauf zu warten, dass der liebe Gott was tut. Wir Menschen sind verantwortlich dafür, wie wir mit der Erde umgehen - und miteinander. Genau diese Verantwortung übernehmen z. B. die Zeugen Jehovas nicht.
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Ga-chen
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« Antworten #68 am: 15. Juni 2010, 01:30:27 »

Ja, das bin ich wohl. Will jetzt auch noch Autos bauen und zum Umwelthauptstadtjahr 2011 alte Apfelbaumsorten pflanzen. Nachdem ich bei den Zeugen ausgetiegen bin, baue ich jetzt hier ein irdisches Paradies. Zwinkernd Es gibt leider ein paar Leute, die was dagegen haben: Piech, Ackermann, Merkel, Westerwelle.....

Mir gefällt das jedenfalls besser, als untätig (oder von Haus-zu-Haus-laufend scheinbar tätig) darauf zu warten, dass der liebe Gott was tut. Wir Menschen sind verantwortlich dafür, wie wir mit der Erde umgehen - und miteinander. Genau diese Verantwortung übernehmen z. B. die Zeugen Jehovas nicht.

Oh ja, das sind wir! Und an ZJ hat mich genau das gestört....
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