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Autor Thema: Bruder  (Gelesen 7405 mal)
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Ricarda
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« am: 22. August 2009, 18:25:32 »

Alle Zeugen Jehovas sind Teil einer weltweiten Bruderschaft. Deshalb reden sie sich mit Bruder oder Schwester und Nachnamen an.

Beim Grillen also: "Jürgen, gibst du mir mal den Ketchup". In der Versammlung dagegen: "Wie Bruder Brietzke gerade erklärt hat, bla bla bla...) aber auch, insbesondere bei Brüdern aus anderen Versammlungen, die nicht zum engen Freundeskreis zählten respektvoll: "Ich bin Schwester Rolf. Guten Morgen Bruder Müller. Ich hoffe, Ihr hattet eine gute Reise. Guten Morgen Schwester Müller. Schön euch hier zu haben."

Wenn man jemanden jahrelang als Bruder angeredet hat, nahezu täglich, dann ist das in Fleisch und Blut übergegangen. Ich betrachte jene Zeugen Jehovas, die ich nie kennengelernt habe nicht als Brüder, aber die, die zu meinen Freunden zählten schon und die in der Ausstiegsszene zum Teil. Wir haben dasselbe erlebt und ich fühle mich ihnen sehr verbunden. Hook z. B. ist in meinen Gedanken mein (Ex)Bruder. Gerd auch. Steffi war nur drei Jahre dabei und hat größeren inneren Abstand. Da weniger. Christel war nie eine Schwester, wird von mir aber als Christin sehr geschätzt. Man merkt es auch sofort, auf welcher Ebene man sich begegnet.
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Christel
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« Antworten #1 am: 23. August 2009, 00:21:05 »

Ricarda, ich verstehe Dich so, dass Deine emotionale Bindung an EX-ZJ, die Du persönlich kennst, stärker ist, als zu Menschen, die es kaum oder nie waren.
Diese Bindung beruht auf die gemeinsame vergangene Zugehörigkeit zu den ZJ. Sie ist nicht abhängig von den Einstellungen und vom Charakter der ehemaligen Zeugen. Es ist so ähnlich wie bei einer Blutsverwandtschaft. Die einen gehören zur Familie, die anderen eben nicht.
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Ricarda
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« Antworten #2 am: 23. August 2009, 00:47:53 »

Ja, ich habe, entsprechend dem Herrenwort, als ich Zeugin wurde Mutter und Vater verlassen und bin ihm nachgefolgt und habe Brüder und Schwestern neu erhalten. Das war meine neue Familie. Beim Austritt habe ich wieder meine Familie verloren, was nicht etwa heißt, dass ich die alte zurückerhalten hätte.

Es war nicht einmal zwischen meinen eltern so wie vorher. Mein Vater hat kurz vor seinem Tod mit 78 Jahren zu mir gesagt: "Was mich am meisten getroffen hat in all der Zeit, war, dass ihr keinen Geburtstag, kein Weihnachten und kein Ostern mehr mit uns gefeiert habt. Das wären für uns als Großeltern die schönsten Tage des Jahres gewesen. Darunter habe ich mehr gelitten, als unter allem anderen." Er hat sich 15 Jahre nie zu diesem Thema geäußert und ich war sehr betroffen. Zu meinen Cousinen und Cousins habe ich seit wir Zeugen wurden keinen Kontakt mehr. Heute sind wir uns fremd - dank der Zeugen.
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Sylke
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« Antworten #3 am: 23. August 2009, 11:58:01 »

Das entspricht also der Nomenklatur der ZJ, daß man die Mitglieder der Sekte mit Bruder oder Schwester anspricht.

Für mcih sieht das also so aus, als hättet ihr dieses System an der Stelle noch nicht verlassen.
Das muß nicht negativ sein. Es ist möglich, daß der Vorteil die nachteile überwiegt (Menschen berechnen andauernd und unterschwellig die persönlichen Vor- und nachteile). Das erhöht ihre handlungsfähigkeit, ist also eine wichtige Fähigkeit).

Es könnte aber auch sein, daß diese Beurteilung durch voher erlernte Mechanismen (Ricarda nennt das, glaub ich, nicht ganz unrichtig "Hirnwäsche") außer Kraft gesetzt wurde, und nicht mehr hinterfragt wird.
sozusagen eingepflanzte Mechanismen.
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Ricarda
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« Antworten #4 am: 23. August 2009, 16:26:15 »

Als die Grenze aufging, wir wohnten in Lauenburg, da kamen Brüder aus den Randgebieten der DDR, klingelten bei uns und sagten: "Ich bin Bruder x und habe deine Adresse von Schwester Y"

Ich habe solche Brüder selbstverständlich aufgenommen, beköstigt, gekleidet (ich hatte einen Mode-Direktvertrieb und habe alles verschenkt, was benötigt wurde) und sogar mehrere Monate bei mir wohnen lassen, bis sie eine eigene Wohnung hatten. Heute, wo ich nicht mehr dazugehöre, grüßen mich solche Brüder nicht mehr. Ich habe das bei jenen Brüdern erlebt, als sie an unserem Infostand vorbeigingen und habe zu Karl-Peter laut gesagt: "Und das ist Helga. Wir haben oft Pioniertage in Boizenburg gemacht. Und das ist Klaus, ein Junggeselle, der hat oft bei uns gegessen, gehörte quasi zur Familie."

Du kannst in Afrika an einer Tür klingeln und sagen, dass du ein Bruder bist. Du wirst sofort in die Familie aufgenommen. Allesings ist es legitim sich bei der Heimatversammlung zu erkundigen, ob jemand tatsächlich ein Bruder ist. Das habe ich auch einmal gemacht, als ein Bruder aus der DDR unbedingt einen PC für die Versammlung brauchte Huch
« Letzte Änderung: 23. August 2009, 16:28:36 von Ricarda » Gespeichert
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« Antworten #5 am: 23. August 2009, 19:15:32 »

ja, schon hart, wenn man nicht als Persönlichkeit gesehen wird, sondern nur als "Funktion XY".

so verstehe ich Deine Beschreibung. Die große Bruderschaft scheint nur zu gelten, wenn man sein eigenes Ego abgibt und nicht selbst denkt.
"Aber daß du mir nicht vom Wege abkommst, Rotkäppchen, denn da ist der böse Wolf und frißt Dich!"

nachdem Rotkäppchen noch immer nicht gefressen wurde, ignorriert man sie. Als ob sie gefressen worden wäre...

Eine hübsche selbstbestätigende methode für die Anwender.
Und so wohlfeil.
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Sylke
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« Antworten #6 am: 23. August 2009, 19:19:14 »

Ach so, wollts nur erwähnen. Ich bin erst 1999 in den Westen gekommen (studienhalber).
allerdings war ich ja lange im Vogtland, und das ist sehr nahe zu Hof, also Franken.
Ich habe dort die Westler auch life erlebt, die da kamen, um ihre lieben Verwandten und Mitdeutschen ein bißchen zu scheren und zu balbieren. Gewinnler....
und die fortgelobten Beamten, die zu schlecht waren für ihre alte Stelle, und die man in den Busch geschickt hat. mit Buschzulage. Ich habe einige von denen persönlich kennengelernt und denen viel Ärger gemacht. Denn ich las die Grundlagenliteratur und lernte die gesetze kennen.
Nur das ungeschriebene "bescheiße, wann immer du kannst" - dafür hab ich sehr lange gebraucht.

Daher fahre ich seit dem immer zweigleisig.... ich behalte die Augen hübsch offen und bemerke so Unstimmigkeiten...
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